100er-Zulassung im Rahmen der HU

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Nach zwei Jahren kommt für jedes Fahrzeug in Deutschland der "TÜV-Termin", also die Vorführung zur Hauptuntersuchung. Nach der Vollabnahme nach § 21 war dies also das erste Mal, dass ich den Paradiso untersuchen lassen musste. Bedenken hatte ich ehrlich gesagt keine, vielleicht ein wenig bei den Bremsen. Nachdem ich lange hin- und herüberlegt hatte, beschloss ich zusätzlich zur HU auch direkt die 100er-Zulassung zu beantragen. Diese erlaubt in Deutschland das Fahren mit 100 km/h für Gespanne auf Autobahnen und Kraftfahrtstraßen. Das ist zwar jetzt nicht wesentlich schneller als die sowieso erlaubten 80, aber es gibt da einen entscheidenden Vorteil: viele wissen gar nicht, dass man als Gespannfahrer nach dem viel strengeren Strafkatalog für LKW-Fahrer bestraft wird, sollte man unangenehm auffallen. Wenn man also mal einen LKW mit 100 überholt, bewegt man sich schnell in den Punkterängen und bekommt außerdem saftige Geldbußen. Mit der 100er Zulassung ist man da auf der sicheren Seite. Was muss man also tun, um diese Zulassung zu erreichen. Gute Nachricht: das ganze System ist in den letzten Jahren etwas gelockert worden, nachdem die Testphase sich bewährt hatte. Wichtig sind Reifen, die nicht älter als 6 Jahre sind und ein Zugfahrzeug mit ABS. Dann hilft es, wenn der Wohnwagen hydraulische Stoßdämpfer besitzt. Diese waren bei meinem Paradiso serienmäßig vorhanden. Dann ergibt sich folgende Formel: (Leergewicht des Zugfahrzeugs) x 0,8 = zulässiges Höchstgewicht des Wohnwagens. Bei unserem Kangoo heißt das, der Wohnwagen dürfte bis zu 830 kg wiegen. Unser Paradiso hat ein zGG von 650 kg, also sind wir locker auf der sicheren Seite.

Als erstes galt es neue Reifen für den Wohnwagen zu besorgen. Das hätte aber sowieso gemacht werden müssen, denn ich hatte festgestellt, dass wir drei verschiedene Reifen (inkl. Ersatzrad) drauf hatten. Nicht nur das, alle drei Reifen waren auch noch verschieden alt und hatten teilweise nicht die gleiche Größe. Au weiha... Das Ersatzrad stammte gar aus dem Jahr 1985 (!). Eine Felge war am Horn leicht verbogen, weshalb ich dieses Rad nun zum Ersatzrad degradierte, komplett mit dem Reifen aus dem Jahr 1997. Das ehemalige Ersatzrad mit der arg rostigen Felge und das rechte Rad brachte ich zur Werkstatt meines Vertrauens, die mir für 45 Euro pro Rad komplett neue Reifen montierten. Diese haben nun die Größe 155/80 R 12. Last- und Geschwindigkeitsindex sind erheblich höher als gefordert. Angeblich besteht zwischen 155 R 12 (so eingetragen im Brief) und 155/80 R 12 ein so geringer Unterschied, dass der TÜV nichts dagegen einzuwenden hat. Wir werden sehen. Nach DOT-Nummer waren die Reifen bei Montage genau vier Monate alt, da kann man sicher nicht meckern! Für die Verführung beim TÜV habe ich dann noch den Ersatzradhalter abmontiert (dieser ist in Deutschland in dieser Form nicht ganz zulässig), die Gasanlage stillgelegt (für alle Fälle...) und die unzuverlässigen Rückleuchten ausgetauscht (siehe Beitrag "Elektrik"). Außerdem habe ich die Felgen mit einer Topfbürste auf dem Akkuschrauber sorgfältig entrostet und anschließend mit Hammerite silbern lackiert. Damit sehen sie fast wieder aus wie neu. Das macht beim Prüfer sicher einen besseren Eindruck. So ausgerüstet hatte ich keine Bedenken zur HU vorzufahren.

Die Prüfung ließ ich dann bei unserer nächsten TÜV Filiale machen. "Einmal HU und 100er Zulassung für meinen Wohnwagen bitte", sagte ich zu dem Prüfer. Es war nicht viel los und der Prüfer nahm sich Zeit. Die HU bestand der Paradiso ohne Mängel. Es wurden die Daten mit dem Fahrzeugschein verglichen, die Deichsel mit Kupplung gründlich überprüft, die Auflaufeinrichtung der Bremse, die Achse, der Unterboden und die Räder mit Reifen. Dann kam der Wohnwagen noch auf dem Bremsenprüfstand. Ich war überrascht die Funktion der Bremsen etwas ungleichmäßig zu sehen (links 120, rechts 100 daN), aber anscheinend ist das kein Problem. Es ist mir allerdings ein Rätsel, wie man bei der Vollabnahme auf Werte von 150/150 gekommen sein soll... Aber egal. Die Überprüfung zur 100er Zulassung war dem Prüfer lediglich einen Blick auf die Reifen und Stoßdämpfer wert. Die HU kostete dann genau 43,20 Euro. Das Gutachten zur 100er Zulassung wurde mit 35,50 Euro berechnet. Nun muss ich die Bescheinigung/Gutachten nur noch bei der Zulassungsstelle in die Papiere eintragen lassen und den 100er Aufkleber besorgen. 

Auf der Zulassungsstelle lief dann auch alles reibungslos. Der Eintrag wurde vorgenommen und ich bekam einen neuen Fahrzeugschein. Den 100er Aufkleber bekommt man bei uns direkt auf der Zulassungsstelle ausgehändigt, weil auf diesem Aufkleber das Siegel bereits aufgedruckt ist. Auf anderen Zulassungsstellen mag das anders sein und man muss u. U. einen 100er Aufkleber mitbringen. Die Verwaltungskosten von 14,- Euro fand ich erstaunlich moderat. Mit dem 100er Aufkleber kann ich nun endlich das gammlig gewordene, aber leider bombenfest sitzende "NL-Kennzeichen" überkleben. Nun ist alles offiziell und ich darf die 100 fahren, wo sie erlaubt sind.

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