Neuinstallation der Elektrik

Drucken

Unser Wohnwagen stammt ja bekanntlich aus dem Jahr 1987! Und er ist ein Holländer. Keine Ahnung, ob die Holländer es in den 80ern nicht so genau mit der Sicherheit genommen haben, oder ob gewisse Dinge in Holland grundsätzlich "nicht so eng" gesehen werden... Die "Elektrik", die in unserem Wohnwagen verbaut ist, "geht so gar nicht", um es mal neudeutsch auszudrücken. Für mich persönlich war schon bei der Besichtigung klar, daß ich die komplette Elektrik mit Ausnahme der Verkabelung im Dach neu machen würde. Warum? Alleine schon wegen meiner Kinder. Als gelernter Elektroniker habe ich gewisse Vorstellungen davon, wie eine sichere Elektroinstallation aussehen sollte. So kann meine Familie im Wohnwagen die gleiche Sicherheit genießen wie zuhause.

Und nun wird es interessant: Deutschland wäre nicht Deutschland (oder sagen wir mal mittlerweile "EU"), wenn es nicht auch dafür genaue Normen und Vorschriften gäbe. In diesem Falle handelt es sich um die DIN VDE 0100-721. Hier steht alles drin, was beim Neubau beachtet werden MUSS. Übrigens darf bei Freizeitfahrzeugen jeder, der sich das zutraut, selber Hand an die Eletroinstallation legen. Im Gegensatz zur Installation in Wohngebäuden muss die elektrische Anlage NICHT abgenommen werden. Hier liegt zugleich ein wichtiger Knackpunkt: bei der Elektroinstallation kann man viel falsch machen! Man sollte hier also wirklich nur schrauben, wenn man weiss was man da tut! Auch als Elektroniker bin ich nicht automatisch qualifiziert, jedoch habe ich wenigstens die gleiche Grundausbildung wie die Elektriker "genossen". Die DIN-Norm habe ich mir beschafft und gelesen. Die nachfolgende Ausführung einer Elektroinstallation nach meinen Vorstellungen in Verbindung mit den einzuhaltenden Vorschriften traue ich mir durchaus zu.

Der Einspeisestecker:
ich erinnere mich noch gut an den Stecker, mit dem der alte Tabbert-Wohnwagen meiner Eltern ausgestattet war: eine "umgekehrte" Schuko-Steckdose, also mit einem Schuko-Stecker im innern, an den das Verlängerungskabel der Stromversorgung angeschlossen wurde. Diese Zeiten sind vorbei. Heutzutage wird ein verpolungssicherer CEE Einspeisestecker verlangt, der zudem spritzwassergeschützt ist. Diesen bekommt man im Campingzubehör für ca. 10,- Euro in verschiedenen Ausführungen. Natürlich muss es sich um eine Einbauversion handeln, die möglichst flach mit der Aussenseite des Fahrzeugs abschließen sollte. Bei unserem Wohnwagen stellte sich die Frage, wo die Einspeisung erfolgen sollte. Am Fahrzeugboden, wie bisher, kam gar nicht in Frage! Ich beschloss die gesamte Elektrik im hinteren linken Staukasten unterzubringen, selbst wenn das bedeutete, daß ich Stauraum aufgeben musste: Sicherheit geht vor! Indem ich Bilder von neueren Paradisos studierte (diese haben Lüftungsöffnungen für den Kühlschrank in der Seite) und mit Hilfe eines Leitungsprüfers fand ich heraus, wo die Vierkantrohre des Fahrzeugrahmens verlaufen. Dazwischen bohrte ich ein "Testloch". Dieses erweiterte ich schließlich mit der Stichsäge zu seiner endgültigen Form. Da zwischen der dünnen Kunststoffhaut und der hölzernen Innenverkleidung nur "Luft" ist, brauchte ich für die Verschraubung der Dose eine Unterfütterung, die ich aus einer Dachlatte schnitt. Diese wurde mit 2-Komponenten Harz eingeklebt und während der Trockenzeit mit kleinen Schräubchen fixiert. Nachdem der Kleber getrocknet war, konnte die Dose des Einspeisesteckers (mit einer Dichtung natürlich) fest verschraubt werden.

 

Der Verteilerkasten und die Verkabelung:
Herzstück meiner Elektrik ist der neue Verteilerkasten, der direkt nach der CEE-Einspeisung angeschlossen ist. Der wichtigste Baustein darin ist der 2-polige FI / RCD 30 mA Schalter (auch Personenschutzschalter genannt). Er sorgt im Falle eines "Strom-Zwischenfalls" für eine allpolige Abschaltung des Bordnetzes. Des Weiteren habe ich die Elektrik in drei Stromkreise aufgeteilt, die jeweils mit einem 10A Leitungsschutzschalter (auch "Sicherungsautomat" genannt) abgesichert sind: 12V Trafo, Kühltruhe, sowie Steckdosen/Licht. Das ist vielleicht etwas übertrieben, jedoch sind Trafo und Kühltruhe schon ziemlich alt - sicher ist sicher. Die genauen Vorschriften werde ich hier nicht auflisten, da sich diese ständig ändern. Ich beschreibe hier nur meinen eigenen Aufbau! Thema Leitungen: starre Verdrahtungen, wie zuhause, sind hier wegen der im Fahrzeug wirkenden Vibrationen nicht zulässig. Ich habe flexible Gummileitung H07RN-F mit einem Leitungsquerschnitt von 1,5 mm2 verlegt. Für den 12V Trafo und die Kühltruhe wurde jeweils eine eigene Steckdose angebracht. Die Leitung für die Steckdosen und das Licht führt erst in eine Verteilerdose, dann zu den Steckdosen. Im Moment habe ich lediglich eine Vierer-Steckdose angebracht, später folgt dann noch eine schaltbare Steckdose für das Vorzelt. Ausserhalb des Staukastens werden die Leitungen möglichst durch Kabelkanäle geführt, um sie vor Beschädigungen zu schützen. Der Aufbau meiner Elektrik ist optisch vielleicht nicht der Schönste, aber ich bin zufrieden.

Die 12Volt Elektrik:
die 12V Anlage in unserem Wohnwagen ist momentan noch sehr übersichtlich. Sie besteht lediglich aus einem Trafo, der die Wasserpumpe antreibt. Vielleicht ergibt sich ja später noch weitere Verwendung für die Anlage. Verkabelung und Bausteine sind streng von der 220V Anlage getrennt. Die gesamte Elektrik passt momentan in eine Verteilerdose. Sie besteht aus einer kleinen Klemmleiste und einem Schaltrelais aus dem Kfz-Bereich. Mit dem Relais schalte ich die Wasserpumpe, da die Mikroschalter in den Wasserhähnen eigentlich nicht für solche Leistungen gedacht sind. Die Leitungen liegen in einem eigenen Kabelkanal und sind über eine "fliegende Sicherung" 5A (ebenfalls aus dem Kfz-Bereich) abgesichert.

Die Fahrgestellelektrik:
ach ja, bevor ich das vergesse: die Elektroinstallation des Fahrgestells hat sich beim Testaufbau des Vorzelts (siehe entsprechenden Beitrag) auch als leicht angegammelt gezeigt. Aus diesem Grund habe ich erst einmal einen neuen 7-poligen Anschlußstecker installiert.

Austausch der Rückleuchten:
die Rückleuchten unseres Paradisos sorgen immer wieder für Ärger. Das liegt ganz einfach daran, daß die Metallteile im Innern nach 27 Jahren so korrodiert sind, daß es immer wieder Kontaktschwierigkeiten gibt. Dadurch fällt manchmal ein Blinker aus, manchmal ein Rücklicht oder die Bremsleuchte. Natürlich kann man die Kontaktflächen reinigen, aber auf Dauer ist das auch keine permanente Lösung. Abhilfe schafft nur ein Austausch der Leuchten mitsamt Kontaktsteckern. Dabei kann man natürlich jetzt jede beliebige Anhängerleuchte aus dem Baumarkt mit e-Prüfzeichen nehmen. Allerdings muss man dann neue Befestigungslöcher bohren, die Anschlußkabel sind vielleicht nicht lang genug, die Gehäuse liegen nicht richtig am Fahrzeug an, etc etc... Aber das muss man sich nicht antun, da die Originalrückleuchten tatsächlich immer noch als Neuteil zu haben sind. Es handelt sich um Rückleuchten von HELLA, Teilenummer 2SD 003.184-031 und 2SD 003184-041 (linke und rechte Leuchte). Bei Amazon z.B. ist das Paar für rund 20,- Euro zu bekommen. Der Ausbau der alten Leuchten gestaltete sich einfacher als gedachr, sie waren lediglich mit einfachen Pop-Nieten befestigt. Diese liessen sich leicht ausbohren. Leider musste ich feststellen, daß ausser einer dicken Schicht Schmutz keinerlei Dichtung hinter den Leuchten war. Regenwasser konnte ungehindert in den Durchbruch für die Kabel in der Wohnwagenwand laufen. Das hat mich dann doch etwas enttäuscht... Die alten Flachsteckhülsen habe ich kurzerhand abgezwickt. Die neuen Hülsen würden gequetscht und zusätzlich verlötet. Dafür benutzte ich einen kleinen Gaslötbrenner. Die neuen Rückleuchten bekamen eine "Wurst" aus Dekalin auf die Rückseite, damit der Abschluss zur Wohnwagenwand auch wasserdicht ist. Mit Popnieten habe ich die Leuchten nicht mehr befestigt bekommen, weshalb ich lange Schrauben benutzt habe. Diese dienen aber eigentlich nur der Führung, da das Dekalin genug Klebekraft hat, um die Leuchten zu halten. Zugegebnermassen sieht das mit dem Dekalin leicht unordentlich aus, aber es ist mir lieber als wenn Wasser in den Wohnwagen eintritt, auch wenn es nur geringe Mengen sind. So, die Rückleuchten sind nun wieder für ein paar Jahre fit.

 

Vorzeltsteckdose:
beim Paradiso ist es recht schwierig eine Vorzeltleuchte zu installieren, da er keine festen Wände hat. Ausserdem fände ich es praktisch, Strom im Vorzelt zu haben, z.B. um an kühlen Sommermorgen einen Heizlüfter anzuschließen. Die Lösung wäre eine Steckdose im Vorzeltbereich, wo man besagten Heizlüfter oder eine Lampe direkt anschließen könnte. Alles kein Problem. Ich sägte mal wieder ein Loch in die Seitenwand, direkt links vom Einstieg. Die Dose, spritzwassergeschützt nach IP 44, kommt mit einer massiven Gummidichtung, die direkt als Berührungsschutz auf der Rückseite dient. Als Verstärkung zur Verschraubung der Dose mit der Seitenwand habe ich wieder ein zurechtgeschnittenes Holzstück eingeharzt. Der Anschluss erfolgte dann an meinem Elektroverteilerkasten. Wichtig ist, dass keiner die Dose zur Stromeinspeisung benutzen will. Deshalb habe ich noch einen Warnaufkleber angebracht. Übrigens: die hässlichen Sägespuren lassen sich rauspolieren.

Innenbeleuchtung:
ich wollte eine fest installierte Innenbeleuchtung haben, die man vernünftig ein- und ausschalten kann (nicht durch ziehen eines Steckers...)! Ich hatte diverse Modelle im Blick, bis ich beim IKEA auf diese LED-Lichtleiste stieß. Sie kostet nur 10,- Euro und besteht aus drei individuell kombinierbaren Teilen. Erstaunlich viel Gegenwert für´s Geld. Die Leisten lassen sich mittels kleiner Metallclips, die ich an die Dachleiste überhalb der Küche geschraubt habe, befestigen. Verbunden habe ich sie mit kleinen Kabelzwischenstücken, die ebenfalls im Set enthalten waren. So kann ich bei Bedarf einzelne Lichtleisten ab- und wieder anklemmen. Alle drei Leisten zusammen ergeben genug Licht, um den kompletten Wohnwagen auszuleuchten. Im Kabel befindet sich oben ein Lichtschalter, so dass das Netzteil immer eingesteckt bleiben kann. Aufgabe gelöst!

Copyright © 2018 Kellerseiten.de. Template designed by olwebdesign.