Caravan Gran Paradiso 345VI

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... das 3 Sekunden Wunder ...

 

Dieser Bericht soll all jene ansprechen, die auch einen Paradiso Caravan besitzen oder den Kauf eines solchen in Erwägung ziehen. Da die Erfahrungsberichte über meine Fahrzeuge laut Webstatistik mitunter die erfolgreichsten Seiten sind, habe ich mich entschlossen unsere Erfahrungen mit unserem Wohnwagen ebenfalls hier weiterzugeben. Dieser Bericht wird im Laufe der Zeit mehrmals ergänzt werden, also einfach öfters mal vorbeischauen!

Warum einen Wohnwagen und warum ausgerechnet diesen:
als unser Sohn schulpflichtig wurde, begann auch für uns die Zeit, in der man nur noch in den Ferien in den Urlaub fahren kann. Wie jeder weiss, kostet Urlaub in den Sommerferien mal locker zwei- bis dreimal mehr als in der Zwischensaison, in der wir sonst immer Urlaub machen. Die Herbstferien sind zwar deutlich billiger, aber immer so spät im Jahr wegfahren...? Unsere bisherige Art Urlaub zu machen, nämlich ein schönes Ferienhaus z.B. in Dänemark zu mieten, dürfte finanziell gesehen im Sommer sehr schwierig werden. So kamen wir relativ schnell auf die Idee, auf Campingurlaub auszuweichen. Das ist zwar heutzutage auch kein "Preisknaller" mehr, aber finanziell immer noch eher machbar. Wer diese Seiten genauer gelesen hat weiss, daß wir keine Camping-Neulinge sind. So haben wir z.B. ein großes Zelt und unser Auto wurde auch schon mit einer herausnehmbaren Campingausrüstung ausgestattet. Dennoch wäre es schön, wenn wir wenigstens ein Minimum an "Luxus" haben könnten. So kamen wir auf die Idee mit dem Wohnwagen.

Die Suche nach dem passenden Wohnwagen für unsere Familie begann mit zwei unveränderlichen Fakten: erstens unser limitiertes Budget und zweitens unser Zugfahrzeug. Beides unveränderliche Größen. Zum Budget muss man nicht viel sagen, aber die Sache mit dem Zugfahrzeug bedarf einiger Erklärung. Unser Renault Kangoo ist nämlich alles andere als ein passender Wohnwagenschlepper. Das liegt noch nicht einmal so sehr an den mageren 75 PS aus wenigen 1,2 Litern Hubraum. Die kritischen Werte sind die des zulässigen Gesamtgewichts des Zuges. Das darf nämlich 2400kg nicht überschreiten. Allerdings wiegt der Kangoo vollgepackt und mit vier Personen besetzt alleine schon 1600kg. Bleiben 800kg für den Wohnwagen. Und dann hätte man alle Limits voll ausgereizt, was sicher für das Auto auch nicht so optimal wäre. Besser also der Wohnwagen hat ein zulässiges Gesamtgewicht von 600-700kg. Tja, und da wird es für die "klassischen " Wohnwagen schon sehr eng, zumal wir alle darin Platz finden müssen. Es hätte zwar der Eine oder Andere in unser Suchraster gepasst, jedoch waren diese dann in der Regel so "heruntergeritten", daß wir recht schnell davon Abstand nahmen.

Was tun? Nun, als Alternative stellten sich recht schnell die Faltwohnwagen heraus. Diese sind in der Regel sehr leicht, bieten aber unserer Meinung nach nicht den Komfort eines "klassischen" Wohnwagens mit festen Wänden. Sie bestehen meist aus einem größeren Zelt, daß aus dem Anhänger herausgefaltet wird uns sich dabei selbstständig aufstellt. Dabei ist fast immer noch ein großes Vorzelt. Insgesamt viel Platz und eine pfiffige Idee, aber vom Gefühl her kein "richtiger" Wohnwagen. Was mir vor allem fehlen würde, wäre ein festes Dach! Ich habe kein Problem mit Zeltwänden, aber das Dach muss fest und absolut wasserdicht sein! Warum? Kann ich selber nicht so genau sagen, aber mein Gefühl verlangt es so... ;-) Ich wusste, daß es Faltwohnwagen mit festem Dach gibt, da mein ex-Nachbar mal einen hatte (heute weiss ich: es war ein "Paradiso Kompact"). Bei meinen Suchen auf einschlägigen Internetplattformen fiel mir auf, daß die Wohnwagen unserer Nachbarn mit den gelben Nummernschildern fast immer günstiger und besser gepflegt waren, als vergleichbare Produkte aus Deutschland. Da wir recht nah zum Deutsch-Holländischen Grenzgebiet wohnen, gab es in unserer Nähe eine große Auswahl importierter holländischer Fahrzeuge, die für den deutschen Markt hergerichtet wurden. Dabei sind mir die Wohnwagen des Herstellers "Esterel" zum ersten Mal aufgefallen, die wohl in Holland recht beliebt sind. Hier handelt es sich ebenfalls um einen Klappwohnwagen, aber mit festen Wänden! Die Einrichtung ähnelt sehr der "klassischer" Wohnwagen, aber das Gewicht des Fahrzeugs ist wesentlich geringer. Das wär´s doch! Und tatsächlich konnten wir ein Fahrzeug in der Nähe finden und besichtigen. Dann die große Ernüchterung: dieser Wohnwagen hatte einen massiven Wasserschaden an der Front. Nach genauerer Recherche sind die Esterel Wohnwagen wohl generell recht anfällig für Wasserschäden, vor allem wenn sie älter sind. Nein nein, das war mir zu gefährlich! Die Suche begann von vorn.

Recht schnell stieß ich dann auf die Faltwohnwagen des holländischen Herstellers "Paradiso", die in Deutschland recht selten anzutreffen sind. Die Wagen sind sehr pfiffig konstruiert und haben sich wegen ihrer kurzen Aufbauzeit einen Namen als "3-Sekunden Wunder" gemacht. Ganz so schnell geht es zwar nicht, aber der Reihe nach... Die Paradisos, in Deutschland unter dem Namen "Faltmeister" bekannt, wurden von den 1960ern bis in die späten 90er Jahre in Apeldoorn in Holland gebaut. Das Besondere an diesen Wohnwagen ist, daß sie fast komplett aus Kunststoff bestehen. Die "Bodenwanne" hat die Grundfläche eines "normalen" Wohnwagens, so daß die Wände nicht zur Seite, sondern nur nach oben gefaltet werden. Die Oberschale des Wohnanhängers aus GFK dient dann als Dach. Im Prinzip also einem "Esterel" sehr ähnlich, nur daß die Wände nicht fest sind. Na, das wäre doch die ideale Alternative. Und tatsächlich wurde ich nur 100km von uns entfernt fündig.

Angaben zum Fahrzeug:
Gran Paradiso 345VI
Farbe: weiß / beige / grau
Baujahr: 1987
Leergewicht: 460 kg
zulässiges Gesamtgewicht: 650 kg
Aufbaulänge (ohne Deichselkasten): 330 cm
Länge mit Deichsel: 460 cm
Breite: 195 cm
Höhe zusammengeklappt: 105 cm
Innenhöhe aufgeklappt: 190 cm
Reifen: 155 R 12
Ausstattung: V Deichsel, Deichselkasten, Ersatzrad, Stoßdämpfer, 5 kg Gasflasche, Vorzelt, Sonnensegel, Stapelbett, Kühltruhe

Unser Wohnwagen war ursprünglich auch ein Holländer. Paradiso stellte sehr lange nur drei verschiedene Modelle her: den kleinen "Kompact" für 2-3 Personen, ein mittleres Modell namens "325" und den "Gran Paradiso" als Top-Modell, beide für 3-5 Personen. Bei unserem handelt es sich um den großen "Gran Paradiso". Der Vorbesitzer hatte ihn selber aus Holland importiert und beim TÜV eine Vollabnahme nach §21 machen lassen. Angemeldet hat er ihn allerdings nicht, sondern zum Verkauf angeboten. Aufmerksam wurde ich auf den Wohnwagen, weil die sogenannten "Stapelbetten" dabei waren. Diese Zusatzausstattung ist eine Art zusammenklappbares Etagenbett für Kinder. Mit Hilfe des Stapelbetts würde es möglich sein, daß wir alle Nachts im Wohnwagen Platz finden. Nach der Besichtigung war schnell klar, daß dieser Wohnwagen genau das war, was wir suchten. So machten wir Nägel mit Köpfen und kauften ihn! Im Frühjahr 2012 überführten wir ihn dann nach Hause.

Der Gran Paradiso hat einen klassischen Wohnwagengrundriss. Es gibt hinten eine kleine Dinette mit zwei Sitzplätzen, die zu einem Schlafplatz umgebaut werden kann. Über dem Schlafplatz kann das Stapelbett aufgebaut werden (zwei zusätzliche Schlafplätze für kleinere Kinder auf einer Art Hängematten-Koje. Siehe unten.). Vorne hinter dem Deichselkasten befindet sich eine Dinette mit vier Sitzplätzen, die zu einer großen Liegefläche umgebaut werden kann. Dazwischen steht der Küchenblock. Im zusammengeklappten Zustand ist der Wohnwagen im Vergleich zu anderen Faltwohnwagen ungewöhnlich groß. Ist er aufgeklappt, sieht er aus wie ein herkömmlicher Wohnwagen, nur mit Zeltwänden. Die Wände bestehen übrigens nicht aus Baumwollstoff, sondern aus einem Material wie LKW-Plane. Das ist absolut wasserdicht und enorm robust. Unser Paradiso hat ein Fahrgestell der deutschen Firma "Peitz". Dieses ist vollverzinkt und in einem hervorragenden Zustand. Die Unterwanne besteht aus einem Stahlprofilgestell, das mit Kunststoffformteilen beplankt ist. Die Innenverkleidung und die Möbel bestehen aus Holz. Richtige Schwachpunkte gibt es am Wohnwagen deshalb nur wenige. Wasserschäden kommen fast nur an der hölzernen Bodenplatte, z.B. im Bereich der Nahtstellen der Plastikteile vor. Unsere Bodenplatte ist auch schon etwas mitgenommen, hinten rechts gibt es sogar einen kleinen Feuchtigkeitsschaden. Allerdings wurde bereits ein Reparaturversuch vorgenommen und die Stelle ist nun trocken. Wie gesagt kann ja wegen der Konstruktionsweise nicht viel passieren, deshalb lasse ich es vorerst mal so wie es ist. Bei Feuchtigkeitsschäden kann natürlich der Stahlrahmen rosten, jedoch bin ich überzeugt, daß es recht lange dauern würde, bis dieser durchgerostet ist. Bei älteren Modellen (meist erkennbar an der orangenen Plane) muss man mit Schäden an den Zeltwänden rechnen. Ansonsten gelten die Wohnwagen als robust und gut verarbeitet.

Das Ersatzrad (Sonderausstattung) befindet sich in einem einfachen Halter unter dem Fahrzeugboden. Es handelt sich um ein vollwertiges Ersatzrad und kein schmales Notlaufrad. Um an das Rad heranzukommen muss ein Bolzen gelöst werden, dann kann man es herunterklappen und mitsamt dem Halter unter dem Wohnwagen hervorziehen. Durch die versteckte Einbauposition neigt man jedoch dazu den Luftdruck nicht oft genug zu prüfen. So war auch in diesem Ersatzrad beim Kauf so gut wie keine Luft drin. Ich denke eine Ventilverlängerung mittels Druckluftschlauch wäre hier keine schlechte Idee.

 

Das Aufklappen geht wirklich sehr schnell. Zwar sind "drei Sekunden" etwas zu viel verlangt, aber in fünf Minuten kann der Aufbau durchaus komplett stehen. Das Gestänge befindet sich auf den Stirnseiten und ist federunterstützt. So kann man nach dem Entriegeln mit nur einer Person das Dach hochklappen. Nach dem Einstecken der Sicherheitssplinte steht der Aufbau auch schon. Nun müssen nur noch die Tische im Innern aufgebaut und das Oberteil der Küche auf den Sockel gehoben werden - fertig ist der Lack!

 

 

Die Stromversorgung erfolgt über einen CEE-Stecker, der links unten aus der Bodenplatte herausschaut. Damit ist er schutzlos der Witterung ausgesetzt. Das Ganze funktioniert zwar, aber ich überlege mir, ob ich nicht eine vernünftige Dose in die Bordwand einbauen soll. Eine 12V Anlage gibt es nicht. Auch hier gibt es Nachholbedarf, da ich auf jeden Fall einen Wasserhahn mit Tauchpumpe an der Spüle nachrüsten möchte. Der Abfluss der Spüle befindet sich übrigens unmittelbar neben dem CEE-Stecker... :-)

 

Ein besonders schönes Detail ist die aufrollbare Seitenwand auf der Eingangsseite des Wohnwagens. Bei aufgebautem Vorzelt lässt sich damit der Wohnraum schön erweitern, ohne Vorzelt hat man bei gutem Wetter die Möglichkeit wie auf einer Veranda zu sitzen und den Ausblick zu genießen. Im Innenraum fällt der Blick direkt auf die große Sitzgruppe. Sie ist für vier Personen gedacht. Nachts wird daraus durch absenken des Tisches ein Bett in der Größe 190x120cm. Zwischen dem Küchenblock und der Sitztruhe auf dem Radkasten könnte man ebenfalls noch ein Brett einlegen und die Liegefläche durch ein Zusatzpolster erheblich vergrößern (140x200). Diese Option behalten wir uns noch offen. Die Eingangstür ist zweigeteilt: der obere Teil besteht natürlich aus Zeltplane und lässt sich nach oben aufrollen. Der untere Teil ist fest und lässt sich von innen verriegeln.

Neben der Sitzgruppe befindet sich der Küchenblock. Er ist zweiteilig und wird beim Einklappen des Wohnwagens auseinandergenommen, indem man das Oberteil komplett abhebt. Der Gaskocher ist zweiflammig, im Schrank befindet sich genug Platz für Tassen, Teller und Töpfe. Die kleine Spüle ist noch nicht angeschlossen. Ausserdem werde ich hier einen Wasserhahn mit fließend Wasser nachrüsten. Man muss sich ja wenigstens mal die Hände waschen können, ohne zum Waschhaus zu rennen. Links vom Küchenblock befindet sich auf dem Boden die Kühltruhe mit Absorber-Technik. Sie läuft auf Gas, sowie 12V und 220V. Angeschlossen sind allerdings nur 220V, da eine 12V Anlage bislang noch fehlt. Ob ein Betrieb im zusammengeklappten Zustand möglich oder ratsam ist, wage ich wegen der Wärmeentwicklung zu bezweifeln...

Ganz im Heck ist dann die Zweier-Sitzgruppe. Diese wird aber sicher selten aufgebaut werden. Und das liegt an dem fantastischen Stapelbett. Von den findigen Holländern als Zubehör angeboten, bietet es zwei zusätzliche Schlafplätze für kleinere Kinder. Es wird in Metallhülsen eingeschoben, die in den Seitenwänden des Wohnwagens eingelassen sind. Diese hat nicht jeder Paradiso! Das Stapelbett war mir sehr wichtig, damit wir alle im Wohnwagen schlafen können und niemand ins Vorzelt verbannt werden muss. Wir werden nur die untere Zusatzkoje benutzen, die obere kann man prima nutzen, um z.B. tagsüber Bettwäsche zu lagern.

Einer unserer Vorgänger ist hingegangen und hat den gesamten Innenausbau des Wohnwagens weiss lackiert. Ursprünglich ist der Ausbau mit einer Art Holzimitat dekoriert. Mir persönlich gefällt das nicht, zumal es noch stark nach Farbe riecht und sich das wohl auch nicht so schnell ändern wird. Andererseits macht es den Wohnwagen innen hell... Tja, Geschmackssache. Die Küche werde ich jedenfalls überarbeiten, die ist stärker "angekitscht". Sehr gut finde ich die Idee, den Boden mit Laminat auszulegen. Das wirkt freundlich und hell. Ausserdem verstärkt es die schon leicht angefressene Bodenplatte. Allerdings sollte man bei derlei Aktionen auf das Gewicht achten: Laminat ist schwer! Lieber, wie in unserem Fall, das etwas billigere und dünnere Laminat wählen.

Wie bereits erwähnt besteht der Zeltaufbau aus einem sehr robusten Material, ähnlich einer LKW Plane. Es gibt insgesamt vier Fenster aus Klarsichtfolie. Man kann ganz gut hinaussehen, obwohl das Material leicht verzerrt. Natürlich lassen sich die Fenster nicht öffnen. Alle Fenster lassen sich mit Gardinen blickdicht verschließen. Um trotz der luftdichten Plane ein einigermaßen gutes Klima zu bewahren, befinden sich oben an den Stirnseiten jeweils zwei große Lüftungsöffnungen, die sich bei Bedarf verschließen lassen. Über der Küche befindet sich ebenfalls noch eine große Lüftungsöffnung. Da das Dach ein wenig überragt, wird man die Lüftungsöffnungen wahrscheinlich auch bei Regen offen lassen können. Dennoch möchte ich gerne an der höchsten Stelle des Dachs eine Dachhaube nachrüsten, da man nie genug Frischluft bekommen kann...

Soweit die Vorstellung unseres mobilen Urlaubstraums... ;-) Ich werde nach und nach weiter berichten, jedoch wird es wohl erst im nächsten Jahr "richtig" weitergehen!

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