Die lange Suche nach dem richtigen Wohnwagen

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Im Sommer 2016 stellten wir fest, dass wir als Familie aus unserem treuen Klapp-/Faltcaravan "Gran Paradiso" herausgewachsen waren. Das Konzept, so genial es auch fünf Jahre lang war, reichte für uns einfach nicht mehr aus. Unser jüngster Sohn wurde allmählich zu groß und schwer für die klappbaren Zusatzkojen, so gerne er auch darin schlief. Außerdem war Platz für uns als vierköpfige Familie ein Thema. Unser "Wohn"wagen war eher ein "Schlaf"wagen, denn das "Wohnen" fand draußen oder im Vorzelt statt. Nur ganz selten bauten wir bei sehr schlechtem Wetter die große Sitzgruppe auf, um dort zu essen oder zu sitzen. Zu umständlich war uns die Umpackerei der Bettsachen in dem engen Wagen! Nein, der Paradiso "platzte aus allen Nähten"...  

Wir entschlossen uns, da wir am Camping festhalten wollten, nach einem größeren Wohnwagen umzuschauen, der zudem alle unsere gestiegenen Ansprüche erfüllen sollte. Unter Anderem wollten wir einen Wasch-/Toilettenraum, eine Truma-Gasheizung, möglichst viele Fenster zum Öffnen und etwas mehr Platz. Ja, ich gebe zu dass hier vielleicht auch das mit dem Alter etwas gestiegene Komfortbedürfnis eine Rolle spielt. Denn wenn man sieht, wie viele Familien mit Zelten auf den Campingplätzen stehen, dann ist so ein Klappcaravan auch schon purer Luxus... Jedenfalls erschienen mir die Vorgaben nicht unmöglich, aber da war ja noch unser Zugfahrzeug, das sich nicht geändert hatte. Wie schon bei unserem Gran Paradiso hieß es nun einen möglichst leichten Wohnwagen zu finden, da unser Kangoo vollbeladen mit Familie und Gepäck höchstens, allerhöchstens 800-900 Kilo ziehen darf. Da fallen fast sofort alle modernen Wohnwagen aus dem Suchraster. Je neuer der Wohnwagen, desto luxuriöser und schwerer die Ausstattung. Selbst "Einsteiger"-Wohnwagen haben heutzutage ein zGG von gut 1,2 Tonnen. Ein seltsamer Trend... In Zeiten, wo man zum Ziehen schwererer Anhänger einen extra Führerschein machen muss, werden die Wohnwagen immer "fetter". Dabei brauch ich beim Camping nicht den gleichen Comfort wie zuhause, dann kann ich ja gleich in ein Hotel gehen. Camping darf ruhig ein kleines bißchen "primitiv" bleiben, wenn ich dafür einen leichten Wohnwagen kaufen kann, den man auch vernünftig mit jedem Auto gezogen bekommt.

Nundenn, nachdem also unser treuer Kangoo nicht ersetzt werden kann und deshalb auch unseren neuen Wohnwagen ziehen muss, und deshalb nur ein Leichtbauwohnwagen in Frage kommt, muss man sich bei den älteren Fahrzeugen umschauen. Bei einer Budget-Obergrenze von 2000 Euro kommen dann fast ausschließlich Fahrzeuge von 1980-1990 in Betracht. Bei meiner Suche konzentrierte ich mich auf die Internet-Plattformen "mobile.de" und "eBay Kleinanzeigen". Für uns kam schnell eigentlich nur ein Grundriss in Frage: zweier-Dinette vorn oder hinten, die ich zum Stockbett umbauen müsste, eine vierer-Dinette auf der gegenüberliegenden Seite (Elternbett), sowie Küche und Toilettenraum in der Mitte. Wenn man dann eine Weile sucht, trifft man immer wieder auf die Fahrzeuge von Bürstner und Adria. Hier gibt es einige Wagen, die vom Grundriss her passen und auch das richtige Gewicht von 850-900 Kilo haben. Allerdings gibt es viel mehr Angebote für solche Wagen OHNE Toilettenraum. Das kam für uns aber nicht in Frage. Wenn schon einen neuen Caravan kaufen, dann auch bitteschön so dass es passt. Nun kann man sich denken, dass solche Wohnwagen gerade bei jüngeren Familien recht beliebt sind, vor allem wenn man sich die Preise neuer "Familien"-Caravans vor Augen hält. Das ist ja fast nicht mehr zu bezahlen!!! Das führt dazu, dass günstige Angebote für passende Wohnwagen schon innerhalb kürzester Zeit verkauft sind. Teilweise habe ich mich auf Anzeigen gemeldet, die ganze 15(!) Minuten online waren und musste erfahren, dass der Wagen bereits reserviert sei. Entweder das, oder das Fahrzeug sah schon auf den Fotos so "gruselig" aus, dass man schon von selbst Abstand nimmt. Außerdem ist es wirklich unglaublich, was dort im Internet für ein "Kernschrott" für viele tausend Euros angeboten wird. Eins war klar: niemals würde ich einen Wohnwagen kaufen, wo schon in der Anzeige etwas von "Wasserschaden" steht oder ein Wasserschaden schon auf den Bildern ersichtlich ist, oder in den Schränken leibhaftige Pilze wachsen...

Meine Suche verlief also nicht gut! Bei Anzeigen von Privat war ich einfach nicht schnell genug oder hatte schlichtweg Pech. Bei vielen Anzeigen war wie gesagt das angebotene Fahrzeug schon auf den Bildern als "Grotte" zu erkennen. Schließlich konzentrierte ich mich auf die Händler. Gerade im deutsch-holländischen Grenzgebiet tummeln sich da einige holländische Import/Export Experten, die teilweise recht gute Angebote hatten. Der Haken dabei: die Preise sind natürlich höher und außerdem haben diese Wohnwagen so gut wie nie eine deutsche Zulassung. Diese bieten die Händler zwar an, lassen sich den Service aber fürstlich extra bezahlen. Fast hätte ich mir einen Wagen in Gronau angesehen, aber auch dieser war wieder allzu schnell verkauft.

Verdammt, die Sache begann richtig frustig zu werden...! Da fand ich schließlich bei mobile.de eine neue Anzeige von einem Händler in Mülheim-Kärlich, der sonst keine Fahrzeuge in meiner Preisklasse hatte. Preis, Aufteilung und der Zustand auf den Bildern passte! Nun galt es schnell zu reagieren. Um anderen Interessenten möglichst zuvorzukommen, versuchte ich mir für die Besichtigung kurzfristig einen Tag Urlaub zu nehmen. Das war Dienstags, den Urlaubstag bekam ich für frühestens Donnerstag genehmigt. Der Händler wollte mir den Wagen nicht für einen Tag reservieren. Nach allem, was ich bisher erlebt hatte, rechnete ich nicht wirklich damit, dass der Caravan am Donnerstag noch da wäre - obwohl er preislich etwas hoch lag, was andere potentielle Käufer vielleicht abschrecken könnte. Als ich Donnerstagmorgens erneut anrief, war der Wohnwagen tatsächlich noch zu haben und ich vereinbarte einen Besichtigungstermin für den Vormittag. Unterwegs holte ich noch meinen Vater ab, denn vier Augen sehen mehr als zwei. Die Besichtigung verlief problemlos - der Wagen wurde für uns aufgeschlossen und wir konnten uns alleine in Ruhe umschauen.

Meine allererste Reaktion war: "der ist so gut wie gekauft!". Aber dann sahen wir ihn uns doch noch genauer an. Es handelte sich um einen FRANKIA prima 420, Baujahr 1989. Er stand auf dem Hof ganz in der hintersten Ecke und "schaute" etwas traurig drein. Wie schon erwähnt war auf dem Hof sonst nur höherpreisiges zu finden. Wir haben den Frankia gründlich auf den Kopf gestellt und festgestellt: alt und ein wenig abgenutzt, aber dicht und trocken (das ist das Allerwichtigste!). Und erstaunlich gut erhalten! Keine größeren Defekte, gültige TÜV- und Gasprüfung, kein "muffiger" Geruch. Die große Sitzgruppe war zu einem Festbett umgebaut worden, jedoch waren sämtliche Teile noch vorhanden, um das Festbett wieder in eine Sitzgruppe zurück zubauen. Schnell war klar: DER IST ES!!! Nach harten Verhandlungen konnte der Preis sogar noch um 200,- Euro gedrückt werden. Wie sich herausstellte hatte der Händler den Caravan Zahlung genommen und wollte ihn einfach nur schnell loswerden. Dafür, dass er nichts mehr am Fahrzeug gemacht hat, ist er uns preislich so entgegen gekommen.

Am Mittwoch darauf konnte ich ihn nach einem Besuch bei der Zulassungsstelle nach Hause holen und ihn stolz meiner höchst erfreuten Familie präsentieren.

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