Brasilianischer Einfachst-Lastwagen -Paco Paco-

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Oder anders ausgedrückt: Schrott wird flott...

Wisst ihr was ein Paco Paco ist?! Wenn nein, dann seid ihr in guter Gesellschaft, denn die wenigsten Menschen dürften wissen was das ist! Wenn ja, dann habt ihr wahrscheinlich so wie ich diesen wunderbaren Bericht aus der Reihe "Länder, Menschen, Abenteuer" auf einem der Dritten (WDR, NDR, MDR, SWR,...) gesehen. Man könnte sagen bei einem Paco Paco handelt es sich um einen kleinen Lastwagen im weitesten Sinne.

Um das Konzept genauer zu verstehen, muss man sich ganz kurz mit brasilianischer Geschichte befassen. Nein nein - keine Angst, es dauert nicht lange und tut auch nicht weh! In Brasilien gab es vor nicht allzu langer Zeit einen Goldrausch. Ja, ganz recht, wie in Kalifornien oder im Yukon. Allerdings ist das nicht so lange her. Und wie es bei einem Goldrausch so üblich ist zogen unzählige Menschen nach Brasilien um ihr Glück zu versuchen. Da das Gold sich im Boden gelöst befindet, benutzt man einen scharfen Wasserstrahl um den Boden in Schlamm zu verwandeln, der dann mehr oder weniger aufwändig durchgesiebt wird. Der Wasserstrahl wird natürlich von einer Pumpe erzeugt, die durch einen Stationärmotor angetrieben wird. Bei den Motoren handelt es sich um äusserst robuste luftgekühlte Dieselaggregate mit einem oder zwei Zylindern (z.B. von Yanmar). Aber auch der größte Goldrausch ist irgendwann mal vorbei. Da viele Goldsucher aber ihre neugewonnene Heimat nicht verlassen wollten sattelten sie einfach auf Farmer um und bebauten das Land. Für die unzähligen neu gegründeten Höfe gab und gibt es einen immensen Bedarf an kostengünstigen und robusten Transportfahrzeugen. Ein findiger Mensch kam irgendwann auf die Idee aus vorhandenen Schrotteilen ein einfaches, aber zweckmäßiges Fahrzeug zusammenzubasteln. Und hier kommt wieder unser Pumpenmotor ins Spiel, denn diese Motoren, die nun zuhauf verfügbar waren, eigneten sich hervorragend zum Antrieb eines solchen einfachen Kleintransporters. Aufgrund seines unverwechselbaren Geräuschs des luftgekühlten Dieselmotors werden diese Fahrzeuge einfach Paco Paco genannt. Soviel zum Hintergrund!

Bei der Konstruktion eines solchen Modells ist man in der Wahl der Basis völlig frei. Es gibt keinen Konstruktionsplan und keine Normungen. Erlaubt ist was gefällt. Paco Pacos werden oft auf LKW-Fahrgestellen aufgebaut, aber nicht immer. Ich hatte noch einen Bausatz eines Jeeps von Revell im Regal liegen, der als Basis herhalten musste. Alles andere wurde selbstgebaut oder zusammengesucht. So besteht z.B. mein "Pumpenmotor" im wesentlichen aus dem Zylinder eines BMW-Spielzeugmotorrads. Das Modell habe ich u.A. mit Pigmenten gründlich gealtert und verschmutzt, es diente mir dahingehend als Versuchsobjekt. Heraus kam eine durchaus glaubwürdige Interpretation eines Paco Paco.