Kyosho -Turbo Optima Mid-

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Kyosho Turbo Optima Mid, Modellnummer: 3136

Eine Geschichte von der ich dachte, dass sie immer nur den Anderen passiert... Eines Tages ging ich mit einem guten Freund über einen lokalen Oldtimer-Teilemarkt. Es war nicht besonders viel los und der Markt recht übersichtlich, als etwas in meinem Augenwinkel meine Aufmerksamkeit erregte. Als ich genauer hinsah, erkannte ich fast sofort einen Kyosho Optima Mid in einem etwas traurigen Zustand. Sofort war ich hellwach. Als ich den Preis sah, hätte ich fast Schnappatmung bekommen - sollte das Auto im Karton mit ein wenig Zubehör doch nur 35,- Euro kosten...

 Nun aber ganz ruhig! Erst mal nahm ich das Auto in die Hand und schaute es mir genau an. Ja, der Wagen war original und weitestgehend komplett. Dreckig ja, aber anscheinend nicht ausgenudelt. Der Besitzer hatte eine paar Umbauten gemacht, um den Buggy mit 8 Zellen fahren zu können, aber dabei kaum Schaden angerichtet. OK, die Lackierung der Karosserie war grausam danebengegangen, aber dafür lag der Heckflügel unlackiert bei. Als ich in den Karton schaute, sah ich auch noch die original Bauanleitung: es handelte sich sogar um einen Turbo Optima Mid, also serienmäßig mit Tuningteilen ausgestattet. Etwas keck versuchte ich sogar den Preis noch etwas herunterzuhandeln, konnte aber nichts erreichen. So nahm ich den Karton für 35,- Euro mit und freute mich wie ein kleines Kind, so ein Megaschnäppchen gemacht zu haben!

Aber was ist denn nun so besonders an dem Modell? Der Optima Mid ist die Weiterentwicklung des bekannten Optima Buggy von Kyosho, einem Modell dass seinerzeit (1985) durch tolle Fahrleistungen auftrumpfte, viele Wettbewerbe gewann und eine riesige Fangemeinde hatte. 1988 wurde das Erfolgsmodell überarbeitet und eroberte als Optima Mid den Markt. Der Name kommt daher, dass Kyosho beim der Überarbeitung den Motor von der Position hinter der Hinterachse nun vor der Hinterachse platziert hatte, also ein Mittelmotorkonzept. Das war bei Allradfahrzeugen vollkommen neu und sorgte für eine ausgesprochen gute Balance. Außerdem wechselte man den Antrieb des 4WD Fahrwerks von Ketten- zum wartungsarmen Riemenantrieb. Das Auto wurde sofort ein Hit. Ich erinnere mich noch damals einen der ersten Tests in einer Zeitschrift gelesen zu haben, der voll des Lobes war über den gelungenen Wurf. Kyosho Modelle waren schon immer sehr auf den Wettbewerb ausgelegt und deshalb recht teuer. Weil der Buggy so erfolgreich war, legte Kyosho eine Sonderserie nach der nächsten auf, angefangen mit dem Turbo Optima Mid (1989), gefolgt vom Turbo Optima Mid SE, etc... bis zum Optima Mid Custom Special. Jede Serie war in irgendeiner Weise verbessert worden, sei es durch Tuningteile oder durch Modellpflege, wie z.B. ein verlängerter Radstand. Die Zubehörindustrie bot seinerzeit ebenfalls eine Fülle von Tuning-/Custom-/Zubehörteilen an. Doch schon im Jahr 1989 wurde mit dem Kyosho Lazer der Nachfolger für den Optima Mid vorgestellt.

Unter RC-Car Liebhabern genießen ältere Kyosho Modelle einen ähnlich legendären Ruf wie die entsprechenden Tamiya Modelle aus der gleichen Ära. Tatsächlich wird es langsam schwer, einen gut erhaltenen Optima Mid zu bekommen. Gute Exemplare werden teilweise für mehrere hundert Euro gehandelt. Verständlich also, dass ich mich über meinen Kauf so gefreut habe. Aber ich habe noch eine persönlich Bindung zum Optima Mid: in den späten 80er Jahren war ich Mitglied in einem Offroad RC Car Club, der sich regelmäßig zwanglos traf, um auf einer permanenten Offroadstrecke gegeneinander zu fahren. In dieser Zeit erwarb ich einen stark gebrauchten Optima Mid und fuhr mit diesem Auto meine größten Erfolge ein. Was habe ich dieses Modell gehasst und geliebt...! Irgendwann kannte ich jede Schraube an dem Wagen. Als ich mich viele Jahre später wieder für RC Cars interessierte, weinte ich meinem Optima Mid manche Träne nach, denn aufzufinden war außer der Karosserie nichts mehr.

Nun besitze ich also wieder einen Optima Mid, und sogar noch die bessere Turbo-Version. Als erstes habe ich das Fahrzeug komplett in alle Einzelteile zerlegt. Dabei habe ich ein paar seltsame nicht-originale Schrauben gefunden, aber an die ständigen Probleme mit ausgefressenen Schrauben kann ich mich noch gut erinnern. Ansonsten präsentiert sich der Wagen in einem erstaunlich guten Zustand. Das Getriebe zeigt nur wenig Verschleiss, die etwas empfindlichen vorderen Antriebswellen gar keinen. Ausserdem ist das Modell bis auf den Akkuhalter und ein paar unbedeutende Kleinteile tatsächlich komplett. Und was den Akkuhalter angeht, so lässt sich da sicher etwas basteln... Nachdem ich alle Einzelteile vor mir liegen hatte, begann die gründliche Reinigung. Sämtliche Klein- und mittelgroßen Teile bekamen zwei Tauchgänge im Ultraschallbad. Restlicher Dreck wurde dann mit Pinsel und mit einer Zahnbürste entfernt. 

Ganz erstaunlich der Effekt des Ultraschallbads. Selbst in der "finstersten" Ecke löst sich der Schmutz. Die Teile kommen fast im Neuzustand wieder aus dem Bad heraus. In den Bildern oben sieht man mal ein vorher - nachher Vergleich der vorderen Schwingenarme und des Frontrammers. Feste Verunreinigungen wie Klebstoffreste auf harten Oberflächen konnte ich mit einem Schaber entfernen. Bei tiefen Kratzern konnte ich natürlich nichts mehr machen, aber ein wenig Patina darf ruhig sein, schließlich handelt es sich nicht um einen "Neuwagen"... Größere Teile behandelte ich in einem Eimer mit Reinigungsmittel und einer groben Bürste. Schäden an den Kunststoffteilen konnte ich mit dem Bastelmesser und Schleifpapier bearbeiten. Schließlich hatte ich alle Teile gereinigt und zusammen. Mit dem Resultat bin ich wirklich äußerst zufrieden. Hier also mein "neuer alter" Turbo Optima Mid Bausatz (Schrauben und Karosserieteile sind nicht im Bild):

 

 

 

 

 

Nun konnte der Neuaufbau beginnen. Die Differenziale, die keinerlei Verschleiß zeigten, wurden neu gefettet. Der Turbo Optima Mid war voll kugelgelagert. Da die Kugellager als sehr robust gelten, habe ich sie bedenkenlos wieder eingesetzt. Vor allem angesichts der Tatsache, dass das Modell noch nicht viel Laufleistung hat. Das Getriebe wurde selbstverständlich auch neu gefettet. Dank der Bauanleitung gestaltete sich der Wiederaufbau recht einfach - nur aus dem Gedächtnis hätte ich es wahrscheinlich nicht mehr geschafft. Neben der original Japanischen lag sogar die deutsche Bauanleitung dabei, wie damals üblich in Form von fotokopierten Blättern. Nicht-originale Schrauben ersetzte ich wo möglich durch neue Schrauben aus meinem Fundus. Ich achtete akribisch darauf, dass alle Teile leichtgängig laufen, verwendete Fett wo es sinnvoll war und Schraubensicherungslack, wo Metall in Metall geschraubt wurde. Stück für Stück entstand ein restaurierter Optima Mid. Der Turbo Optima Mid wurde damals ohne Motor und Regler ausgeliefert, damit man diese selber auswählen konnte. Den Motor aus meinem alten Optima Mid hatte ich sogar noch da, einen "GZ 1200" von Conrad. Ehrensache, dass dieser auch wieder in den neuen Mid eingebaut wurde. Als Fahrtregler kommt ein elektronischer von "Modelcraft", aus der "Carbon Serie" zum Einsatz. Lenkservo wird ein einfacher Standardservo. Als Empfänger verwende ich einen Miniatur 3-Kanal Empfänger 2,4 GHz ebenfalls von Modelcraft. Allerdings wird dieser nicht im Modell bleiben, da ich es voraussichtlich nur sehr selten fahren werde. Die fehlenden Akkuhalter habe ich aus etwas Acrylplatte und 4mm Sperrholz neu gebaut. Das ist zwar nicht Original und vielleicht auch nicht ganz so stabil, aber die werden es erst einmal tun! Was die Reifen angeht, so habe nach einer Reinigung die Alten wieder aufgezogen. Diese sind zwar schon etwas abgefahren, aber es sind die Originalen, und Neue habe ich nicht. Da das Modell eh die meiste Zeit im Regal verbringen wird, ist das auch nicht weiter schlimm. Die Karosserie ist ein ganz eigenes Problem für sich. Die Lackierung der mitgelieferten Karosserie ist völlig daneben. Mit dem Entfernen von altem Lexan-Lack habe ich allerdings nur wenig Erfahrungen, und die sind außerdem ziemlich schlecht. Trotzdem werde ich es in einer ruhigen Stunde mal versuchen. Damit mein Mid allerdings solange nicht "nackt" dastehen muss, habe ich meine alte Karosserie wieder etwas aufgearbeitet. Leider hatte ich sie damals etwas zerschnitten, damit sie auf ein anderes Modell passt, aber grundsätzlich kann man sie noch nutzen. Nach einer sorgfältigen Reinigung und einer leichten Nachlackierung kann sie erstmals nach über 20 Jahren wieder auf einem Optima Mid Platz nehmen. Den Heckflügel habe ich anschließend teillackiert. Ich wollte die Seitenteile schwarz lackieren, einfach damit man ihn besser sieht. Außerdem wird dies in der Originallackierung auch so gemacht, so dass ich später diese Option (Box Art Lackierung) auch noch wahrnehmen könnte. Leider ist dies ziemlich schief gelaufen, da ich beim Abkleben geschlampt habe und Farbe unter die Abklebung gelaufen ist. Leider lässt sich der frische Lack nicht so einfach entfernen. Letztendlich habe ich ihn mit Sandpapier abgeschliffen.

Nun nehme ich mir die Zeit um zu schauen, was ich mit der Karosserie noch machen kann. Erst einmal habe ich sämtliche Aufkleber entfernt, die defekt sind. Dazu zählen auch alle, die schlampig aufgeklebt waren oder sich an den Ecken leicht gelöst hatten. Leider blieben da nicht sehr viele übrig. Aber zur Not gibt es ja immer noch Repro-Aufkleber. Nun versuche ich den Lack mit diversen Mittelchen zu entfernen. Ein Tip aus dem Internet lautete: schnöder Brennspiritus. Da wir davon reichlich im Haus haben, wurde das direkt ausprobiert. Und es stellt sich als Volltreffer heraus. Der alte Lack wird davon sehr weich und lässt sich anschließend mit einem Tuch abrubbeln. Dicke Lackschichten lassen sich sogar abziehen. In die Ecken kommt man mit einer alten Zahnbürste. Tropfen von Lacknasen rücke ich mit einem Schaber zu Leibe. Es bleibt trotzdem eine mühsame Arbeit, die sehr viel Zeit erfordert. Nach einigen Tagen ist dann aber auch das geschafft und mit dem Ergebnis kann man wirklich zufrieden sein. Nun muss ich erst einmal sehen, wie ich die Karosserie lackieren möchte. Ich tendiere zum originalen Gelb. Und so habe ich sie auch letztendlich lackiert. Der Heckflügel ist leider in einem viel schlechteren Zustand als gedacht, so dass auch die Lackierung alles andere als optimal wurde. Meine Schlamperei mit der schwarzen Farbe half da natürlich auch nicht gerade! Aber mangels Ersatz muss ich den Heckflügel halt nehmen wie er ist. Mit der Karosserie hingegen bin ich recht zufrieden. Zwar sieht man hier und da noch winzige Sprenkel von der Originalfarbe (rot), aber insgesamt ist die Deckung wirklich gut. Die Scheiben habe ich transparent gelassen. Sollte mir das später nicht zusagen, kann ich sie immer noch schwärzen.

Hier mal ein Vergleich zwischen dem Optima Mid und den Neo Fighter. Zwischen den Designs liegen 25 Jahre! Die anschließenden Fotos stammen von der Probefahrt auf einem großen Platz mit Pflastersteinen. Die Probefahrt konnte ich mir natürlich nicht verkneifen, obwohl das Modell kein Gelände mehr sehen soll und auch sonst eher ein Ausstellungsstück bleibt. Sofort war ich fasziniert von der guten Balance des Autos. Sprünge von zwei Treppenstufen aus nimmt der Optima Mid völlig neutral und gut steuerbar. Aufgrund der verhärteten Reifen schiebt er kräftig über die Vorderräder, aber das ist schon OK so. Mitten während der Fahrt, nach einem kräftigen Stoß, fiel der Motor aus. Weil ich keine Lust hatte auf Fehlersuche zu gehen, baute ich kurzerhand einen Standart-Mabuchi 540 ein, eine sogenannte "Blechbüchse" oder "Tin Can". Damit war ich natürlich etwas langsamer unterwegs, aber das war zum Schonen des wertvollen Autos auch nicht verkehrt. Nach einer sehr erfreulichen Akkuladung ließ ich es dann gut sein. Später fand ich dann heraus, dass sich bei dem Tuningmotor lediglich eine Kohle verklemmt hatte.

Und hier noch eine Fotoserie mit der originalen, restaurierten Karosserie in gelb. Die Karosserie werde ich benutzen, wenn das Auto im Regal steht. Sollte ich mit dem Modell noch einmal fahren wollen, muss die grüne Karosserie herhalten.

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