Tamiya -Sand Scorcher (2010)-

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Das Original als Wiederauflage

Tamiya Sand Scorcher 2010, Modellnummer: 58452

Wieder einmal geht ein Traum in Erfüllung! Ein echter Sand Scorcher nimmt seinen Platz in meiner kleinen Sammlung ein. Und diesmal handelt es sich nicht um ein Nachbau / Replikat, nein - das ist das Original. Für dieses Modell gilt das Gleiche, was ich auch schon bei den anderen Wiederauflagen / Nachbauten gesagt habe. Aber für alle, die über eine Suchmaschine hierher gekommen sind, erzähle ich die Geschichte gerne noch einmal!

Mitte der 80er Jahre, als ich mich für den RC-Modellbau zu interessieren begann, war Tamiya mit sehr hochwertigen Automodellen schon einige Jahre im Geschäft. Neben den Einsteigermodellen wie Grasshopper und Hornet gab es die "Special Racing Buggies", die sozusagen die Oberklasse der RC-Cars darstellten. Es waren der Rough Rider, Sand Scorcher, Ford Ranger und Super Champ. Es waren die ersten RC Cars, die speziell für den Offroad Einsatz konstruiert waren. Allen gemeinsam war ein sehr aufwändiges Chassis mit vorbildgerechter Radaufhängung / Federung. Der Metallanteil war enorm hoch, was diese Autos damals schon sehr teuer machte. Der Super Champ war gar serienmäßig schon für professionelle Rennen getrimmt. Alle vier Buggys hatten ihre treue Fangemeinde, jedoch war es speziell der Sand Scorcher, der die Herzen der Fans eroberte. Das mag an seiner Käfer Karosserie gelegen haben, die wohl bei vielen Besitzern nostalgische Gefühle an das erste Auto auslöste. Als Tamiya die Produktion einstellte, schossen die Preise für gebrauchte SRBs in die Höhe. Die SRBs und besonders der Sand Scorcher wurden schon bald zur Legende und für ladenneue (wenn auch bereits 30 Jahre alte) Originalbausätze wurden zuletzt bis zu mehrere tausend Euro bezahlt!

Angeblich ist es Herrn Tamiya selber zu verdanken, daß man bei Tamiya sämtliche Formen und Werkzeuge älterer Modelle aufhebt. Deshalb konnte man bei Tamiya etwas machen, was bei vielen anderen Herstellern nicht geht: alte, immer noch populäre Modelle wurden als Wiederauflage (im englischen "re-re" genannt (re-release)) auf den Markt gebracht. Die Fans und Nostalgiker waren begeistert. Trotzdem galt die einhellige Meinung, daß Tamiya die SRBs nicht als Wiederauflage bringen würde, da der hohe Metallanteil in der Produktion zu teuer wäre und sich das Modell deshalb nicht wirtschaftlich vermarkten lassen würde. Daher war die Überraschung groß, als Tamiya im Jahre 2009 den Rough Rider als Buggy Champ wieder aufleben liess. Zum Sand Scorcher war es nun nur noch ein kleiner Schritt und tatsächlich: im Jahr 2010 war die Ikone der RC-Car Gemeinde wieder lieferbar. Zwar mit kleinen, behutsamen Änderungen / Verbesserungen, aber zweifellos ein echter, originaler Sand Scorcher.

Und nun wieder zu mir: auch ich war in den 80ern vom Sand Scorcher fasziniert, konnte ihn mir als Schüler aber selbstverständlich nicht leisten. Später, als ich in Lohn und Brot stand, gab es den Sand Scorcher lange nicht mehr zu kaufen. Und die Liebhaberpreise konnte und wollte ich nicht bezahlen. Allerdings weckte der Sand Scorcher auch bei mir eine gewisse nostalgische Sehnsucht, weshalb auch ich die Ansage der Wiederauflage mit großer Freude aufnahm. Als das Modell schließlich im Handel zu haben war, musste ich angesichts des Straßenpreises von rund 300,- Euro erst einmal nach Luft schnappen und resignierend feststellen, das der originale Sand Scorcher wohl ein Traum bleiben wird. Ich versuchte mich dann wenigstens an einem Replikat (als "Allrad-Scorcher" in dieser Kategorie zu sehen) und träumte weiter.

Doch dann kam ich unverhofft zu etwas Geld und konnte mir meinen Traum doch noch erfüllen! Bestellt habe ich meinen Sand Scorcher wieder beim hervorragenden Händler Tamico.de und konnte das Paket fassungslos vor Glück wenig später in meinen Händen halten. Angeblich waren nur 333 Modelle für Europa bestimmt (so habe ich es gelesen), allerdings kann ich mir das beim besten Willen nicht vorstellen, da man das Modell auch drei Jahre nach der Wiederauflage noch problemlos bekommen kann. Vielleicht ist damit aber auch nur die Erstauflage gemeint.

 

Die "Erstöffnung" des wunderschön gestalteten Kartons (hier ist "Boxart" eben noch Art) habe ich regelrecht zelebriert und mich anschließend erst einmal an dem appetitlich präsentierten Inhalt ergötzt. Besonders schön gemacht, und deshalb auch bei Tamiya Fans weltweit sehr beliebt, ist die sogenannte Blister-Verpackung, mit der der hohe Anteil an Metallteilen des Bausatzes dargestellt wird. Auch die Reifen finden noch Platz auf der Blisterkarte. Daß die Blister bei meinem Exemplar durch den ruppigen Transport des Paketdienstes beschädigt wurden stört mich nicht, da ich meinen Scorcher ja aufbauen möchte. Tamiya Sammler jedoch, die sich auf NIB Bausätze ("new in box") spezialisieren, haben ihren Unmut darüber bereits in diversen Internetforen kundgetan. Ansonsten ist der Karton samt Inhalt eine fast genaue Kopie seines berühmten Ahnen.

Tamiya hat damals versucht, seine Modelle möglichst vorbildgerecht zu gestalten. Bei diesem Modell, daß ja einen VW Käfer als "Baja-Bug" (ein Baja Bug ist ein für Wüstenrennen umgebauter Käfer) darstellen soll, ist das Ganze besonders gut gelungen. Hier mal eine kurze Übersicht über das, was Modell und Original gemeinsam haben:

  • Hinterradantrieb mit Motor hinter der Hinterachse
  • Hinterradaufhängung als Pendelachse
  • Drehstabfederung hinten
  • Vorderachsaufhängung als Kurbellenkerachse mit übereinanderliegenden Achsrohren
  • Dämpfung mittels hydraulischer Stoßdämpfer
  • selbsttragender Plattformrahmen, Karosserie abnehmbar 

 

Diese technischen Ähnlichkeiten mit dem Original verleihen dem Sand Scorcher eine ganz eigene Fahrdynamik, die vor allem auf Sand besonders viel Spaß machen soll. Für genau dieses Terrain ist der Sand Scorcher entwickelt worden, weshalb ab Werk kein Differenzial vorgesehen ist. Hier wiederum die Ähnlichkeit mit dem Original: auch Baja Bugs werden oft auf Sand in den Dünen von Kalifornien gefahren. Mein großer Wunsch ist es, dieses Modell im Sommer dieses Jahres am Strand und in den Dünen Dänemarks zu fahren. Nun ist das Modell da, der Urlaub ist gebucht, da sollte dem nichts im Wege stehen! Übrigens: da viele Kunden auch früher schon das fehlende Differenzial bemängelten, hat Tamiya bei der Präsentation des Sand Scorcher 2010 gleich ein passendes Kugeldifferenzial als Zusatz-/Tuningteil vorgestellt.

Als nächstes muss das Modell also zusammengebaut werden. Das ist bei Tamiya Modellen, aber speziell bei diesem, ein besonderer Hochgenuss! Ich werde mir die Mühe machen und einen bebilderten Baubericht in genau den Abschnitten machen, die auch in der Bauanleitung vorkommen. Ich denke das Modell ist es wert!

 

 

 

 Baubericht Tamiya Sand Scorcher 2010

Hier also mein "ultimativer" Sand Scorcher Baubericht. Das erste Bild zeigt immer die benötigten Bauteile des Abschnitts, das/die folgende(n) Bild(er) zeigen den zusammengebauten Zustand. Viel Spaß!

Abschnitt 1 - Getriebegehäuse: die beiden Getriebegehäusehälften bestehen aus Leichtmetallguß. Beim frühen Sand Scorcher wurden die Gehäusehälften mittels Silikon abgedichtet, um sie staub- und wasserdicht zu machen. Darauf verzichtet man diesmal. Da sich die beiden Teile teilweise überlappen, werden sie sicher auch so staubdicht genug sein. Die Passung ist sehr gut, aber das war ja bei Tamiya nicht anders zu erwarten. Fast alle Schrauben müssen mit Schraubensicherungslack eingedreht werden, zumindest dort wo Metall auf Metall reibt. Die Kardangelenke der Antriebswellen sind ordentlich dimensioniert, haben aber leider für mein Geschmack etwas zu viel Spiel.

Abschnitt 2 - Hinterachsschwingen und Federung: das Anbringen der Schwingen ist etwas fummelig, da man sehr kurze Steckachsen verwenden muss. Diese müssen zudem so eingesetzt werden, daß die Madenschraube auf dem abgeflachten Teil der Steckachse greift. Am besten dreht man die Madenschraube schon so weit herein, daß man die Achse nur noch richtig ausgerichtet einstecken kann. Die Steckachse auf der Drehstabfeder ist aus Messing und deshalb etwas weich. Die Drehstäbe müssen abschließend in die Aussparungen der Schwingen geschoben werden.

 

Abschnitt 3 - Motor und Antriebswellen: der 540er Motor wird einfach in das Getriebegehäuse gesteckt. Die kleinen Nippel im Gehäuse passen genau in die Schraubenlöcher an der Vorderseite des Motors. Gehalten wird der Motor durch die transparente Abdeckhaube hinten. Die Befestigungsschrauben nicht zu fest anziehen, sonst beschädigt man den Kunststoff. Um die Länge der Antriebswellen richtig einzustellen, habe ich aus Abschnitt 21 bereits probeweise die Felgenmitnehmer montiert und danach wieder weggelegt. Mit den Federstiften alleine lässt sich die korrekt Einstellung nicht richtig durchführen. Man sollte sich nicht daran stören, daß die Kugellager jetzt ein Stück herausrutschen können, wenn später die Räder befestigt sind, ist das nicht mehr der Fall.

Abschnitt 4 - Motorritzel und Stirnradgetriebe: beim Sand Scorcher kann man serienmäßig zwischen zwei Übersetzungen wählen. Ich habe mich erst einmal für die niedrigerere Übersetzung entschieden. Ich möchte den Scorcher ja in den Dünen und im Sand fahren, da braucht er Kraft. "Heizen" ist ja sowieso nicht so mein Ding, und sollte sich das Modell trotzdem als zu langsam herausstellen, kann ich es immer noch auf die hohe Übersetzung umbauen. Das Motorritzel hat 15 Zähne und besteht aus Stahl. Das dazu passende Stirnrad hat 70 Zähne. Mit dem Fett bin ich hier sehr sparsam umgegangen, da das meiste sowieso durch die Fliehkraft abgeschleudert wird. Die Abdeckung aus transparentem Kunststoff sitzt sehr stramm und ist hoffentlich recht staubdicht. Mit einem Akku habe ich jetzt einen Probelauf des Getriebes gemacht: alles in bester Ordnung!

Abschnitt 5 - Überrollbügel und Motorkäfig: der Überrollbügel besteht aus Aluminium, der Motorkäfig leider aus schwarzem Kunststoff. Immerhin scheint das Material recht zäh zu sein. Im Zubehörmarkt gibt es schöne Nachrüst-Motorkäfige aus Alu, aber leider sind diese sehr teuer. Mal schauen wie sich das Kunststoffteil bewährt.

 

 

Abschnitt 6 - Stoßdämpfer Teil I: die Montage der Kolbenstangen ist wegen der kleinen E-Ringe wieder einmal etwas fummelig. Vorsicht ist geboten, da die kleinen Ringe beim befestigen mit der Spitzzange gerne einmal durch die Gegend fliegen.

 

 

 

Abschnitt 7 - Stoßdämpfer Teil II: das Befüllen der Dämpfer mit dem beiliegendem Öl ist keine große Kunst, jedoch sollte man beachten, das ein nicht unerheblicher Teil beim Zusammenschrauben herausquillt. Taschentücher oder Lappen bereithalten! Die zusammengebauten Dämpfer sind wieder einmal ein schönes Beispiel für die Qualität des Bausatzes. Das Dämpfergehäuse besteht aus Aluminium, die Kolbenstange aus Stahl und ein Dämpferende aus poliertem Messing. Die Dämpfer funktionieren nicht nur gut, sie sehen auch noch verdammt gut aus!

 

Abschnitt 8 - Montage der fertigen Komponenten: in diesem Schritt werden die bisher gefertigten Teile zusammengebaut. Der Überrollbügel/Motorkäfig wird am Getriebe festgeschraubt und die hinteren (kürzeren) Stoßdämpfer montiert.

 

 

 

Abschnitt 9 - Chassis Zusammenbau: das Chassis besteht im wesentlichen aus einer schwarz eingefärbten GfK-Platte. Im hinteren Teil befindet sich auf der Unterseite noch eine Aluplatte zur Verstärkung. Das Ganze wird durch wenige Schrauben zusammengehalten. Schaut ehrlich gesagt wenig vertrauenserweckend aus, hat sich aber anscheinend bewährt. Vor 30 Jahren dürfte diese Konstruktion High Tech gewesen sein.

 

 

Abschnitt 10 - Vorderachse Teil I: in diesem Teil werden die Kurbellenker der Vorderachse festgeschraubt. Dies geschieht wieder mittels kleiner Madenschrauben. Keine Probleme hier - Fett nicht vergessen!

 

 

 

Abschnitt 11 - Vorderachse Teil II: Einbau der Achsschenkel. Es ist etwas schwierig den rechten und linken Achsschenkel richtig zuzuordnen, man muss genau die Zeichnung beachten. Die Kugeln gehen recht schwer in die Pfannen.

 

 

 

Abschnitt 12 - Vorderachse Teil III: mit der Montage der Achsrohre und der Stoßdämpfer ist der Vorderachskörper komplett. Er besteht fast vollständig aus Metall und sieht dem eines echten VW Käfers verdammt ähnlich.

 

 

Abschnitt 13 - Servosaver: für heutige Maßstäbe ist der Servosaver extrem aufwändig konstruiert. Er besteht aus einer Ringförmigen Feder, die zwei Kunststoffbacken zusammenhält. Diese werden wiederum vom Betätigungsarm des Servos bewegt. Zusammengehalten wird das ganze Konstrukt vom vorderen Befestigungspfosten der Karosserie.

 

 

Abschnitt 14 - Einbau der Vorderachse: mit dem Einbau der Vorderachse ins Chassis sind beide Achsen komplett. Wenn man die Lenkstangen genau wie in der Anleitung beschrieben einstellt, sind sie eine Idee zu lang. Insgesamt 2-3mm weniger ist besser. 

 

 

Abschnitt 15 - Frontrammer: da ich den Frontrammer des Sand Scorcher schon immer abgrundtief hässlich fand, wird er bei mir nicht montiert. Ich werde irgendwann ein etwas zierlicheres Teil aus Aluminium anfertigen.

Abschnitt 20 - Zusammenmbau der Räder: da ich immer gerne so früh wie möglich mit einem "rolling Chassis" arbeite, wird Abschnitt 20 nun vorgezogen. Im Gegensatz zu vielen Modellbaukollegen empfinde ich das Aufziehen der Paddlatrac-Reifen als nicht besonders schwierig. Nach dem sie auf der Felge verschraubt wurden, sitzen die Reifen bombenfest. Beim Zusammenbau der hinteren Räder genau die spätere Laufrichtung beachten!

 

 

Abschnitt 21 - Einbau der Räder: nun ist das "rolling Chassis" komplett. Es kann jetzt mit der regulären Reihenfolge der Anleitung weitergehen. Was mir sehr gut gefällt: die Stellung der hinteren Reifen durch die Pendelachse...

 

 

 

Abschnitt 16 - Vorbereitung der RC-Anlage: an RC-Elektronik verwende ich ein Standard-Servo von Jamara, den dem Modell beileigenden elektronischen Fahrtregler TEU-104BK und die phantastische 2,4 MHz Pistolengrifffernsteueranlage GT2 von Conrad. Der Empfänger ist unglaublich klein und sehr zuverlässig. Ich habe ihn mehrfach im Einsatz. Der Servo muss nun "genullt" werden, damit er sich für die Montage des Servohorns in Mittelstellung befindet. Dank der 2,4 GHz Technik verschandelt dann später auch keine Antenne das Modell! Der Fahrtregler gibt die Akkuspannung übrigens voll an den Empfänger und damit auch an den Servo weiter, da er ohne BEC arbeitet. Wer diesen Regler benutzt, sollte also einen Spannungsregler zwischenschalten, wie auf dem Foto am unteren Bildrand zu sehen. Eine Alternative wäre ein Empfänger mit BEC, jedoch sind diese eher unüblich und entsprechend selten. Oder man benutzt gleich einen anderen Regler mit geregelter Empfängerspannungsversorgung.   

Abschnitt 17 - Vorbereitung der RC-Box: das wunderbare am Sand Scorcher und seinen SRB-Kollegen ist die spritzwasser- und staubgeschützte RC-Box. Hier macht es wirklich nichts aus, wenn man durch Sand und Pfützen fährt, es kann überhaupt nichts passieren. Die Montage der Lenkstange ist etwas nervig, da der Faltenbalg zu steif ist. Letztendlich geht es aber doch.

 

 

Abschnitt 18 - Deckel: in diesem Abschnitt wird der Deckel der RC-Box vorbereitet. Schönes Detail: auf der Box steht noch "Tamiya Special Racing Buggy". Den Schalter des Fahrtreglers werde ich erst später anschrauben.

 

 

 

Abschnitt 19 - Komplettierung und Einbau der RC-Box: das vorne anzuschraubende "Empfänger Gehäuse" bleibt leer. Es ist ein Stück Nostalgie, da früher die RC Anlage umfangreicher war und mehr Teile untergebracht werden mussten. Die RC-Box wird am Chassis mittels zweier Gummimuttern festgeschraubt, die sich beim Anziehen auseinanderspreizen.

 

 

Abschnitt 22 - Akku: Tamiya hat zum Betrieb des Sand Scorcher 2010 einen kleinen Li-Fe Akku mit 6,6V 1100 mAh vorgesehen. Dieser kostet leider knapp 50,- Euro. Ein normales "Racing Pack" 7,2V in Stick Form passt nicht in die RC Box. Es gibt zwar Umbauanleitungen, jedoch muss man dafür die RC-Box meist beschädigen. Das wollte ich nicht. Für die frühen SRBs bot Tamiya einen 6-Zelligen 7,2 NiCd Akku an, der eine Zelle auf die Oberseite gepackt hatte. Wegen seiner besonderen Form wurde er "Buckelakku" genannt. Leider ist er lange nicht mehr lieferbar. Aber dank des Zubehörmarkts gibt es doch eine Alternative: Carson hat den Buckelakku als NiMH mit 2700 mAh Kapazität wieder aufgelegt. Er kostet mal knapp die Hälfte der Tamiya-Lösung und passt wunderbar in die Box. Gut gemacht Carson!

Abschnitt 23 - Lackierung der Karosserie: siehe Abschnitt 25-27!

Abschnitt 24 - Einbau des Abgasrohrs: ein Auspuff ist an einem elektrischen RC-Car natürlich nur Show, aber bei diesem Baja-Bug ist er das "i-Tüpfelchen". Der Auspuff ist ein Replikat des berühmten "Stinger Exhaust", der oft bei Baja Bugs montiert wurde. Der Sound dürfte umwerfend gewesen sein. Das etwas filigrane Teil bricht bei einem Überschlag meist als erstes ab und wurde deshalb vor der Wiederauflage des Sand Scorcher fast in Gold aufgewogen. Dieses Exemplar war an meinem "Allrad Scorcher Replika" montiert und wandert nun ans Heck des echten Modells. Und im Falle eines Falles habe ich jetzt sogar noch Ersatz!

 

Abschnitt 25 bis 27 - Montage der Karosserie: eine echte Sand Scorcher Karosserie habe ich ja schon einmal komplett nach "Boxart" fertiggemacht - für mein "Allrad Scorcher Replika". Da ich nun einen echten Sand Scorcher habe, werde ich das Replikat aufgeben. Die schöne Karosserie werde ich hier benutzen. Da sie schon extra Löcher, sowie einge Schrammen hat, wird sie zum Fahren Verwendung finden. Die dem Bausatz beiliegende Karosserie werde ich schön Lackieren und nur für´s Regal verwenden. Der Vorteil ist jetzt, daß mein Sand Scorcher hiermit schon fertig ist! Die Karosserie ist nämlich nochmal ein schönes Stück Arbeit und verschlingt entsprechend viel Zeit, die ich mir jetzt erst einmal sparen kann.

Damit ist der offizielle Baubericht abgeschlossen!

Erste Probefahrt:
die Erstahrt fand an einem grauen Februartag bei leichtem Nieselregen statt, weshalb es auch keine Fotos davon gibt. Die erste Überraschung war die bärenstarke Beschleunigung, dank niedriger Übersetzung. Man muss aufpassen, daß einem das Fahrzeug nicht ausbricht. Womit ich aber nicht gerechnet hatte, ist die schon mit dieser Übersetzung erreichbare Höchstgeschwindigkeit. Die ist wirklich nicht von Pappe! Wie schnell mag er erst mit der hohen Übersetzung sein...Aber auch so hat man erst einmal alle Hände voll zu tun den Wagen in der Spur zu halten. Die Federung arbeitet auch bei kleinen Sprüngen ziemlich gut. Aber eine Fahrt in richtigem Gelände steht natürlich noch aus. Es macht trotzdem Spaß sich die Bewegungen der vorbildgerechten Radaufhängung anzuschauen. Das fehlende Differenzial macht sich beim Fahren auf mäßig griffigen Untergrund recht stark bemerkbar. Richtiges Einlenken funktioniert dann nur mit Gaswegnehmen. Auf rutschigem Untergrund bricht einem blitzschnell das Heck aus. Insgesamt also kein Modell für Anfänger, aber der Spaß ist vorprogrammiert. Ich bin schon sehr gespannt auf die Sandfahrten, für die das Auto ja eigentlich gemacht ist. Insgesamt bin ich schon jetzt sehr zufrieden.

Und dann war es soweit: Sand Scorcher nahm die Dünen von Jütland unter die Räder! Im August 2013 fuhren wir für drei Wochen nach Bjerragaard auf Holmsland Klit, an einen der schönsten und längsten Sandstrände Dänemarks. Der Sand Scorcher war als einziger RC-Car mit von der Partie. Ich war sehr gespannt, wie sich ein "Oldtimer" der RC-Geschichte unter den doch recht schwierigen Bedingungen schlagen würde. Um es vorweg zu nehmen: meine Meinung ist zweigeteilt! Als erstes testete ich den Wagen auf dem Schotterweg vor dem Haus. Da ich zu forsch fuhr hat er sich prompt überschlagen, als ich in Kurvenfahrt über einen größeren Stein raste. Dabei sind beide Aussenspiegel abgebrochen. Merke: bei Fahrten mit dem Sand Scorcher sollte man die Spiegel vorher abnehmen. Das ebenfalls sehr zerbrechliche Stinger-Endrohr des Auspuffs hatte ich direkt zuhause gelassen. Es hätte bei der Gelegenheit ebenfalls Federn gelassen. Daß die Karosserie einige Kratzer abbekam, damit hatte ich gerechnet. Diese Karosserie sollte ja zum Fahren verwendet werden, während die Zweite, die ich noch nicht lackiert habe, als Präsentationskarosserie dienen soll. Die Spiegel konnte ich später wieder kleben und sie dienen mir nun als Ersatzteil. Als nächstes bin ich mit höherer Geschwindigkeit gegen den Betonsockel des Abfallkorbs gefahren. Dabei ist die Nase der Karosserie eingerissen und ich habe einen Blinker verloren (später wiedergefunden). Da habe ich die Testfahrt erst einmal eingestellt... Die nächste Fahrt fand dann am Strand ohne nennenswerte Hindernisse statt. Sie dauerte allerdings nur wenige Minuten, bis die Lenkung komplett ausfiel. Bei näherer Betrachtung sah ich, daß der Servo-Saver durch den Aufprall an den Betonsockel an zwei Stellen zerbrochen war. Da habe ich mich maßlos geärgert, daß ich den Stoßfänger nicht montiert hatte. Er sieht zwar zugegebenermaßen sehr hässlich aus, hätte die genannten Schäden aber verhindert. Eigentlich wären die Fahrten in diesem Urlaub damit vorbei gewesen... Aber mit viel Improvisationstalent, einer Küchenschere, einem Dosenöffner, einem scharfen Messer und einem Multitool gelang mir tatsächlich eine Reparatur der Lenkung. Und am nächsten Tag konnte ich endlich einmal eine ganze Akkuladung am Strand leer fahren und mich des herrlichen Fahrbilds des Sand Scorchers erfreuen. Auf Sand ist er wirklich in seinem Element und es macht richtig Spaß der realistischen Federung bei der Arbeit zuzuschauen. Die Reifen funktionieren sehr gut und dank des fehlenden Differenzials ist der Vortrieb fast immer vorhanden. Auf sehr lockerem Sand gräbt er sich allerdings schnell ein und bleibt dann stecken. Leider ist mir das auch einmal in der Brandungszone passiert und der Scorcher wurde, bevor ich ihn bergen konnte, von einer Welle komplett überschwemmt. Die Elektronik hat dabei aber dank der fast wasserdichten Box keinen Schaden genommen. Als der Akku leer gefahren war, habe ich den Wagen erst einmal gründlich trocknen lassen und danach den Sand abgebürstet. Schon einen Tag später bemerkte ich ersten Rost an den Schraubenköpfen und beginnende Korrosion an den Metallgußteilen... Der nächste Fahrtag endete schon wieder nach wenigen Minuten: das linke Hinterrad blieb in der voll eingefederten Position stecken und bewegte sich nicht mehr. Was war nun schon wieder los...?! Durch das Salzwasser war die Messingbuchse der Achslagerung im Leichtmetall festgefressen und bewegte sich keinen mm mehr. Unglaublich!!! Wahrscheinlich hatte ich diese Seite beim Zusammenbau nicht ausreichend gefettet, denn gegenüber war alles in Ordnung. Durch lösen einer Madenschraube konnte ich jedoch auch dieses Problem provisorisch beheben und am nächsten Tag weiterfahren. Rost und Korrosion sollten jedoch weiterhin den Rest des Urlaubs Probleme bereiten. Salzhaltiger Sand setzt sich in jeder Nische fest und frisst anschließend am Metall. Bei meinen Modellen aus Kunststoff hatte ich derlei Probleme freilich nie. Trotzdem bereitete mir den Sand Scorcher noch viel Freude im Urlaub und ich fuhr so viele Akkuladungen leer wie noch niemals zuvor.

Nach der Rückkehr aus dem Urlaub habe ich den Sand Scorcher erst einmal fast komplett zerlegt. Dabei wurde das Ausmaß des Schadens erst ganz sichtbar: Korrosion hat an vielen Stellen die Metallgußteile und die Messingteile angefressen. Ausserdem haben kleinere Steine und andere Hindernisse am Strand tiefe Kratzer in Unterboden und Getriebebox hinterlassen. Ob sich die Metallteile mit Polieren wieder in den Ursprungszustand versetzen lassen, muss ich mal sehen. Vorerst habe ich es erst einmal so gelassen. Alle Metallteile bekamen dann eine gründliche Pinselbehandlung mit WD40, wobei ich vorher mit Druckluft und Pinsel versucht habe jeden Krümel des aggresiven Salzsandes zu entfernen. Damit wurde weitere Korrosion gestoppt und vorhandene Rostspuren beseitigt. Die festgefressene Messingbuchse habe ich nicht mehr gangbar bekommen. Entweder muss ich sie so lassen (funktioniert wunderbar) oder komplett mit Drehstab austauschen. Meine provisorische Reparatur des Servosavers hat erstaunlich gut funktioniert. Auch diese werde ich erst einmal so lassen, bis ich das Teil irgendwann komplett austausche. Bei dieser Gelegenheit habe ich auch die Stoßdämpfer umgedreht, eine empfohlene Vorgehensweise, wenn Öl herausleckt. Und wie ist nun mein Fazit? Der Sand Scorcher macht wirklich Spaß am Strand - sehr viel Spaß! Allerdings ist die etwas antiquierte Technik anfällig, weshalb ich das Fahrzeug nicht mehr einer solch aggresiven Umgebung aussetzen werde. Ich habe mir hier mit dem Fahrzeug einen Traum erfüllt, dafür darf mein Scorcher zukünftig deutlich kürzer treten.

Reparatur der "Urlaubsschäden":
eins ist klar - der Sand Scorcher ist ein Klassiker und wird auch in der Wiederauflage ein Klassiker bleiben! Deshalb habe ich mich entschieden den Wagen wieder ganz in Ordnung zu bringen. Die provisorischen Reparaturen funktionieren zwar, aber sie sind eines Sand Scorcher einfach nicht würdig. Bei meinem absoluten Lieblingslieferanten Tamico.de habe ich den Servosaver und die Drehstäbe als Ersatzteile bestellt. Und damit zukünftige Crashs vielleicht etwas milder verlaufen, habe ich einen etwas eleganteren Frontrammer von "JunFac" dazubestellt. Das klobige Originalteil kommt mir jedenfalls nicht an den Scorcher! Der Frontrammer ist zwar eigentlich für den "Buggy Champ" gedacht, passt aber auch wunderbar an den Sand Scorcher. Er ist Aluminium gefräst / gebogen und sollte bei Frontalzusammenstößen ganz gut schützen. Die Montage erfolgt an den Verschraubungen des Originalteils. Am Servosaver habe uch nur die beiden zerbrochenen Teile ausgetauscht, damit war dieser wieder fit. Beim Drehstab war das Ganze nicht so einfach. Da die Messingachse im Leichtmetall gefressen hatte, bekam ich sie nicht mehr so leicht heraus. Ich habe dann den Drehstab mit einer Trennscheibe abgeschnitten und die Messingachse mittels eines Durchschlags und eines Hammers herausgetrieben. Unten im Bild kann men sehr schön die "Freßspuren" an der alten Achse gegenüber der Neuen erkennen. Mit einer feinen Schlüssel-Rundfeile wurde anschließend die Achsaufnahme im Leichtmetall wieder geglättet. Gut eingefettet konnte dann die neue Achse ganz leicht eingebaut werden. Damit ist der Sand Scorcher wieder im Originalzustand und sofort startbereit.

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