Tamiya -Ford F-350 High Lift-

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Tamiya Ford F350 High Lift, Modellnummer: 58372

Ja, ein Traum wird wahr, wer hätte das gedacht. "Damals", in den 80ern und Anfang der 90er, da brachte Tamiya im RC-Car Bereich die berühmt, berüchtigten "3-Speed" Modelle heraus. Das waren nicht nur irgendwelche Buggys oder Phantasieautos. Das waren genaue Modelle richtiger Autos, mit Blattfedern, Starrachsen, Leiterrahmen, mechanischem Getriebe und Karosserien aus PS. Wer erinnert sich nicht an den Bruiser, Mountaineer, Hilux oder Blazing Blazer...?! Das waren Modelle...

Aber für einen armen Schüler, der gerade in das RC-Hobby einstieg, unerreichbar. So blieb mir nichts weiter als ab und zu verstohlen einen Blick in die Packung zu werfen und vor mich hin zu träumen...

*KLICK - 20 Jahre später*

Mittlerweile bin ich fast 40 und könnte mir so einen Bausatz unter Umständen leisten, aber es gibt sie nicht mehr... Bei e.B.a.y werden selbst für unvollständige Exemplare Phantasiepreise geboten... Tja, und für genauso Leute wie mich hat Tamiya nun vor einiger Zeit eine modernisierte Version dieser alten Klassiker herausgebracht. Keine Wiederauflage der alten Modelle, sondern völlige Neukonstruktionen in Anlehnung an die alten Modelle. Den Ford F-350 / Toyota HiLux High Lift Truck. Nun sind diese beiden Bausätze mit einem Preis von ca. 400,- Euro immer noch kein Schnäppchen. Doch nachdem mein Chef nicht ganz unzufrieden mit mir war und mir eine Prämie auszahlte, schlug meine Stunde. Nachdem der Hort mit meiner Familie geteilt war blieb mir tatsächlich genug um mir den lang gehegten Wunsch zu erfüllen!

Wieder handelt es sich um ein Modell mit Starrachsen, Blattfedern, sperrbaren Diffs, Leiterrahmen, mechanischem Dreiganggetriebe, Allradantrieb und einem relativ hohen Metallanteil. Die genau (unter Ford-Lizenz) nachgeformte Karosserie ist wiederum aus PS und nicht Lexan. Viele Anbauteile und Details garantieren für ein einzigartiges Modell. Der Metallanteil ist zwar nicht mehr so hoch wie bei den "alten" 3-Speed Modellen, dafür gibt es aber auch mittlerweile Kunststoffe, die viele Metallteile der alten Konstruktionsweise ohne weiteres ersetzten können. Trotzdem sind die neuen Trucks wegen der vielen Kunststoffteile für viele ältere Tamiya Fans keine legitimen Nachfolger der 3-Speeds. Ich sehe das allerdings anders. Das Getriebe, das man nun selber zusammenbauen darf, ist immer noch stark mit dem "Ur"-Getriebe aus Metall verwandt. Entwickelt wurde es eigentlich für die Tamiya Zugmaschinen-Modelle im Maßstab 1:14, passt aber wunderbar in die Pick Ups. Der Aufbau des Modells dauert recht lang und ist nicht für Anfänger geeignet. Man lernt dafür aber auch eine Menge über Fahrzeugtechnik. Dies ist nichts für Kiddies, die an zwei Tagen einen Buggy mit aufgemotzten Brushless-Motoren verheizen! Nein, das hier ist etwas für Genießer!!! Eigentlich ein nicht mehr zeitgemäßes Modell, aber wen kümmert das schon...

Fälschlicherweise wird das Fahrzeug oft als "Monster Truck" bezeichnet. Damit hat der Truck allerdings nicht viel zu tun. Monster Trucks sind die Dinger, die auf Shows andere Autos plattwalzen... Hier handelt es sich um einen käuflichen Pick-Up Truck, der mit einem vor allem in den USA, in Australien und Norwegen so beliebten "High Lift" Fahrwerken eine Höherlegung samt größerer Reifen bekommen hat. Diese Fahrzeuge sind zulassungsfähig und können ganz normal im Straßenverkehr bewegt werden. Das geht mit einem Monster Truck nicht!

Für dieses Modell habe ich mir extra eine 4-Kanal Fernsteuerung im 40 MHz Frequenzband beschafft. Grundsätzlich kann man auch mit einer 2-Kanal Anlage fahren, allerdings lässt sich dann das Getriebe nicht schalten. Ein Standardservo war mit der Lenkung überfordert, so daß hier ein drehmomentstarker "High Torque" Servo von "Blue Bird" Verwendung fand. Verwendet wird der dem Baukasten beiliegende 540er Mabuchi Motor. Von Tuning Motoren wird dringend abgeraten. Der 540er ist aber für vorbildgerechtes Fahren völlig ausreichend. Ich verwende zudem einen einfachen elektronischen Fahrtregler. Das Servo, daß das mechanische Getriebe schaltet, ist wiederum ein Standardtyp. Die Fernsteuerung habe ich in "Mode 2" gekauft, damit ich eventuell auch mal ein Flugzeugmodell damit steuern kann. Das bedeutet, daß sich der gerasterte Gasknüppel links befindet. Das führt jedoch dazu, daß ich den F-350 mit links lenken muss, da der selbst-neutralisierende Knüppel (bei Mode 2 rechts) für die Schalt-/Fahrfunktion genutzt werden sollte. Dies bereitet mir momentan noch leichte Schwierigkeiten, da ich ALLE meine Fahrzeuge mit Rechts lenke. Eine kleine zusätzliche Herausforderung also.

Es handelt sich hier um eine wirklich robuste und schwere Konstruktion. Das viele Metall macht das Modell sehr schwer, was sich in ausgezeichneter Haftung äussert. Die Steigfähigkeit ist enorm, ich würde fast behaupten daß der Wagen 100% schaffen kann. Die Federung ist im Gelände zufriedenstellend, nachdem ich die kleinen Spiralfedern aus den Stoßdämpfern wieder herausgenommen habe. Die Verschränkung könnte besser sein, jedoch halte ich sie für vorbildgerecht. Die Differenzialsperren habe ich vorerst draußen gelassen. Das führt natürlich im Gelände manchmal dazu, daß man hängenbleibt. Der Wendekreis ist allerdings schon so groß genug, da möchte ich ihn nicht noch mit gesperrten Diffs verschlechtern. Die Allradlenkung ist keine Alternative für mich. Die Schaltung arbeitet präzise und lässt sich sogar unter Last schalten (ob das allerdings "gesund" ist vermag ich nicht zu beurteilen). Der erste Gang ist ein rechter Kriechgang und macht zum Trialen höllisch Spaß! Im dritten Gang wird das Modell auch ausreichend schnell für einen kleinen Zwischensprint. Das Modell ist optisch und technisch ein Leckerbissen und möchte vorbildgerecht bewegt werden.

Neue Reifen:
Schon länger suchte ich nach Reifen für den F-350, die ein wenig mehr vorbildgerecht ("scale") aussehen. Es gibt zwar eine riesige Auswahl an Felgen und Reifen für Tamiya im Zubehörhandel, aber meist sind diese Kombinationen recht teuer. Als ich mir von Tamiya den Unimog 406 kaufte, war mir schnell klar daß dieser ebenfalls andere Reifen brauchte (siehe mein Bericht dort). Zufällig haben die originalen Reifen die gleiche Größe wie beim F-350, so daß ich kurzerhand die Reifen der beiden Fahrzeuge tauschte. Nun schaut der F-350 noch etwas authentischer aus, wirkt aber jetzt noch etwas hochbeiniger. Den archaischen Frontrammer habe ich übrigens abgebaut, der passte nun gar nicht mehr!

Tieferlegung des Fahrwerks:
wie oben schon angedeutet erschien mir der "high Lift" nach der Umrüstung auf andere Reifen etwas zu "high"! Das Fahrzeug soll zwar wie ein Geländewagen aussehen, aber diese enorme Höhe ist nun doch etwas unglaubwürdig. Die Lösung für dieses Problem ist eine Tieferlegung des Fahrwerks. Mit den Serienteilen ist eine Tieferlegung um ca. 10-12 mm möglich. Dazu werden einfach die Abstandshalter (Teilenummer "L 3") zwischen Blattfeder und Achse herausgenommen. Diese sind zwar nur 7 mm hoch, aber durch das Zusammenziehen der Blattfedern auf einer nun geraden Fläche werden die Federn noch etwas gestreckt, so daß das Fahrwerk noch etwas weiter herunterkommt. Da nun aber die Lenk-/Spurstange an den Blattfedern schleift, kommt man nicht umhin etwas Gehirnaktivität zu investieren, um dieses Problem zu lösen! Nachfolgend zeige ich meine Lösung.

An der Hinterachse behelfe ich mir, indem ich die Spurstange ganz weglasse. Die Allradlenkung war sowieso nie eine Option für mich, da sie zu ungaubwürdig aussieht! Um die hinteren Achsschenkel zu fixieren, verwende ich weiterhin die sowieso im Baukasten vorgesehenen kleinen Gewindestangen mit Kugelköpfen. Allerdings montiere ich diese nun auf der Unterseite der Achse. Die Stoßdämpfer habe ich eine Position tiefer angeschraubt, damit sie weiterhin genug Bewegungsspielraum haben. Ausserdem sieht das besser aus.

An der Vorderachse kann ich selbstverständlich nicht auf die Spurstange verzichten. Mit den übriggebliebenen Bauteilen der Hinterachse ist es jedoch recht einfach die Spurstange einfach auf die gegenüberliegende Seite des Differenzials zu verlegen (also genau betrachtet die Unterseite). Man benötigt lediglich ein paar andere Schrauben, die aber jeder Modellbauer sowieso in seiner "Grabbelkiste" haben sollte. Die Anlenkung der Spurstange erfolgt auf die gleiche Weise wie vorher.

So erreicht man mit ein wenig Schrauberei ein optisch schöneres Ergebnis. Und für die Puristen: alles lässt sich problemlos in den Urzustand zurückversetzen. Eine weitere Tieferlegung ist mit einfachen Mitteln nicht mehr machbar, da zudem die Achsen für die Karosserie eigentlich etwas zu breit sind und nicht in die Radhäuser passen. Aber so wie das Auto momentan ausschaut, ist das Ganze schon wesentlich glaubwürdiger als vorher! Nachteile der Tieferlegung? Ganz sicher geht der Umbau zu Lasten des Federwegs und der Geländegängigkeit. Die Verlegung der Spurstangen nach unten macht sie zudem anfälliger für Schäden. Allerdings sind die Stangen bei weitem noch nicht die tiefsten Teile am Chassis, das dürften die gewaltigen Differenziale sein. Aber auf großartige Geländegängigkeit kommt es mir bei diesem Auto nicht an, sondern um den echten "Scale Look"!

Ein Vergleich vorher/nachher:

 

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