Tamiya -Sand Scorcher Replica-

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"Sand Scorcher" - Replika / Variante
oder auch
"Allrad Scorcher" / "4WD Scorcher"
 

Um aus der Überschrift schlau zu werden, muss ich etwas ausholen... Wieder einmal bewege ich mich in der wunderbaren Welt der Tamiya-Nostalgie. Damals, Anfang der 80er Jahre, als ich meinen Traum vom "Grasshopper" träumte, gab es ein weiteres Modell, das schon damals als "Olymp" der RC-Cars galt.

Das waren die SRBs (Special Racing Buggies) von Tamiya. Im Jahr 1979 beschloss Tamiya nach einigen recht erfolgreichen Glattbahn RC Modellen ein Fahrzeug herauszubringen, das von vornherein zur Benutzung abseits befestigter Pisten ausgelegt war. Als Vorbild bediente man sich bei den Buggy-Eigenbauten aus Amerika, die Hauptsächlich bei Wüsten-, bzw. Dünenrennen eingesetzt wurden. Sie entstanden meist auf einem VW-Käfer Chassis, mit einem Rohrgestell zur Versteifung und einer Verkleidung als Karosserie. Wie bei Tamiya üblich, versuchte man die Technik möglichst vorbildgetreu zu verkleinern. Es entstand der erste aus der Serie der "Special Racing Buggys", der "Rough Rider". Nur etwa einen Monat später stellte man ihm noch eine Karosserie-Variante zur Seite, den "Sand Scorcher". Dieser sollte ebenfalls einen Dünen-Buggy darstellen, jedoch hier ein Umbau auf Käfer Basis, bei dem die Karosserie noch die Originale vom Käfer war. In Amerika nennt man diese Bauart "Baja Bug".

"Rough Rider" und "Sand Scorcher" verkauften sich auf Anhieb sehr gut. Die Käufer honorierten die robuste Bauweise mit einem sehr hohen Metallanteil, sowie die hohe Fertigungsqualität und das (für damalige Verhältnisse) sehr gute Fahrverhalten. Abgesehen davon, waren ferngesteuerte, geländegängige Automodelle eine Neuheit und deshalb sehr begehrt. Es gab nur einen Haken: durch den Fertigungsaufwand waren die Modelle sehr teuer, selbst für die damalige Zeit. Es folgten noch zwei weitere SRBs: der "Ford Ranger" und der "Super Champ". Alle sind heute begehrte Sammlerstücke. Durch den Erfolg angespornt brachte Tamiya dann zu einem späteren Zeitpunkt extra für die Zeilgruppe der Anfänger den "Grasshopper" heraus, jedoch ist dies eine ganz andere Geschichte. 

Von den vier SRBs wurde der "Sand Scorcher" mit Abstand der bekannteste, berühmteste und begehrteste Buggy. Warum ist das so...?! Nun, es mag an der Wahl der Käfer Karosserie gelegen haben, die weltweit viele tausende von Menschen direkt anspricht, weil sie Auto im Original selber besessen haben. Vielleicht war es aber auch z.B. die raffinierte Konstruktionsweise der Vorderachse, die einer echten Käfer Vorderachse so ähnlich sah. Wie auch immer, als Tamiya die Fertigung des "Sand Scorcher" einstellte, fingen die Preise für gebrauchte Teile an zu steigen. Das Modell war weiterhin so beliebt, daß Original Bausätze in der Box ("NIB" = new in box) schon bald jenseits der 1000,- Euro Grenze gehandelt wurden. Im Jahr 2009 soll ein NIB-"Sand Scorcher" im amerikanischen eBay gar $ 3500,- gebracht haben. Für Leute wie mich, die sich ebenfalls des Charmes eines "Sand Scorcher" nicht entziehen konnten, Preise die absolut unbezahlbar waren. 

Um 2005 begann Tamiya mit der Wiederauflage alter Bausätze aus den 80er Jahren. Natürlich fieberten alle Fans mit, ob denn auch solche Klassiker wie die SRBs wohl neu aufgelegt würden. Die einhellige Meinung jedoch war, daß eine Produktion wegen der vielen Metallteile zu heutiger Zeit unverhältnismäßig teuer werden würde und sich deshalb für Tamiya nicht lohne. Trotzdem platzte 2010 die Nachricht wie eine Bombe: Tamiya legt den "Sand Scorcher" und den "Rough Rider" neu auf. Wahnsinn, die Fangemeinde war begeistert. Erstaunlicherweise brachen die Preise für die originalen, alten Bausätze kaum ein. Ersatzteile jedoch wurden viel billiger, da sie nun in ausreichender Stückzahl neu auf dem Markt verfügbar waren. Ein Paradies für Nostalgiker.  

Die Karosserie:
Auch ich hätte mir den Traum eines "Sand Scorcher" nun endlich erfüllen können, ABER: leider hat Tamiya in seiner Preispolitik den neuen "Sand Scorcher" so teuer gemacht, daß ich ihn mir momentan nicht leisten kann. Um die 300,- Euro werden für den Bausatz verlangt, das ist mir eindeutig zu viel. Aber ich erinnerte mich an einige Projekte, bei denen sich Fans eine Replik des Sand Scorchers bauten: sie nahmen das Chassis des "Grasshopper" und montierten die Karosserie des "Monster Beetle" oder "Blitzer Beetle" darauf, die mit der des "Sand Scorcher" bis auf den Dekor so gut wie identisch sind. Radstand uns Spur des "Grasshopper" Chassis entsprechen in etwa der des "Sand Scorcher", ausserdem sind Felgen und Reifen identisch. Da es den original Karosseriebausatz des "Sand Scorcher" für reltaiv kleines Geld nun auch wieder gab, keimte in mir die Idee ein "Sand Scorcher" Replika aus eben diesem Karosserie-Set und einem nagelneuen Grasshopper Chassis zu bauen. Ich bestellte mein "Sand Scorcher Body Parts Set" Samstags bei Lindinger und hatte es Dienstags in meinen Händen.

Zum Body Parts Set gehören neben der Karosserie selber die Scheiben, Scheinwerfer, Spiegel, Fahrerfigur, Befestigungsteile, eine Bemalungsanleitung und ganz wichtig: der Aufkleberbogen sowie der "Stinger-Auspuff". Der Aufkleberbogen ist für eine Restaurierung eines alten Modells natürlich sehr wichtig und entprechend begehrt waren diese Bögen vor der Neuauflage. Rührige Fanclubs liessen die Aufkleber sogar nachfertigen. Ähnlich verhält es sich mit dem Auspuff: dies war in der Regel das erste Teil, was bei einem Überschlag abbrach. Entsprechend selten wurden Ersatzteile und der Auspuff wurde zum Schluß schon fast in Gold aufgewogen... Nun gibt es alles neu! So richtig billig ist der Karosseriebausatz freilich auch nicht, um die 40,- Euro werden dafür fällig. Dafür hat man dann aber auch eine original "Sand Scorcher" Karosserie und keine umlackierte "Blitzer Beetle" Version.

Nun fehlt mir noch ein "Grasshopper" Bausatz, um mein persönliches "Sand Scorcher" Replikat zu bauen. Insgesamt kann man so einen "Arme-Leute-Sand-Scorcher" für ein Drittel des Preises eines "richtigen" Sand Scorcher realisieren. Da ich aber gerade erst einen "Grasshopper" gekauft habe, und diesen für dieses Projekt ganz sicher nicht opfern möchte, muss ich mit dem Kauf eines zweiten Grasshoppers noch ein wenig warten. Dann geht es auch mit diesem Projekt weiter. 

Doch während ich auf den Grasshopper warte (oder welches Chassis es letztendlich auch sein wird) kann ich ja schon einmal die Karosserie fertigmachen. Dazu gehört natürlich erst einmnal die Lackierung. Da die Grundfarbe der Karosserie weiß ist, verzichte ich auf eine zweite weiße Lackierung. Ich werde also nur die blauen Flächen lackieren. Diese Methode mag zwar manchem Modellbauer "geschummelt" erscheinen, jedoch hat sich diese Praxis durchaus bewährt. Bei einem Rempler kann so z.B. nur die blaue Farbe abplatzen. Die Lackierung an sich ist nicht besonders schwierig, die Abklebearbeiten hingegen schon! Es gilt nun die Flächen abzukleben, die weiß bleiben sollen. Das ist wie gesagt eine ziemlich friemelige Arbeit. Da sind viele Bögen zu kleben und man muss viel mit Augenmaß arbeiten. Bei ein paar Linien kann man sich an den Sicken der Karosserie orientieren, aber die auf dem Dach z.B. muss man völlig freihand kleben. Sehr hilfreich ist hochflexibles Abklebeband für Airbrusher wie beispielsweise "Tamiya Tape". Gibt es aber auch von anderen Herstellern und funktioniert genauso gut. Den Rest klebe ich mit Malerkrepp ab.

Dann kann der Scorcher auch schon lackiert werden. Ich benutze hier "Dupli-Color Deco Line Lackspray" aus der Dose. Hat sich bei meinen Modellbauaktivitäten tausendfach bewährt. Die Farbe heisst "RAL 5012 lichtblau". Wichtig ist es die ganze Maskierung wieder abzuziehen während die Farbe noch leicht klebrig ist. Ansonsten können die Ränder abplatzen. Natürlich muss man hier besonders vorsichtig arbeiten, damit der frische Lack nicht beschädigt wird.

WOW! Das schaut doch schon fast wie ein Sand Scorcher aus! Die kleinen, meist unvermeidlichen Macken werden später bereinigt. Jetzt darf der Lack erst einmal in Ruhe durchhärten, dann geht es weiter. Einige Anbauteile und Aufkleber später wird das Ganze einem Sand Scorcher immer ähnlicher. Probleme gibt es so gut wie keine. Die Befestigung der Frontmaske ist etwas fummelig, ansonsten passt alles. Nach drei Wochen war die Karosserie fertig. Genauso schön, wie ich sie mir vorgestellt hatte. So ziert nun ein halber Sand Scorcher mein Modellzimmer. Nur der Fahrer ist noch nicht so ganz optimal, aber Figurenbemalung war noch nie meine Stärke. Hmmm - beim Betrachten der Fotos fällt mir auf, daß ich vielleicht noch die Innenseite der Karosserie mit einer neutralen Farbe lackieren sollte. Grau eventuell. Mal sehen...

Das Chassis:
Fest entschlossen meinen Sand Scorcher Replika so zu bauen wie gedacht, überkamen mich plötzlich Zweifel, ob ich das Projekt tatsächlich mit einem nagelneuen Grasshopper Bausatz durchziehen sollte, nur um den Bausatz dann für das Replika zu "schlachten". Schließlich reden wir hier um zusätzliche 90,- Euro. Auserdem hatte ich hier noch ein Tamiya TL-01 Chassis liegen, das ich nicht mehr fuhr. Der Radstand passt so einigermaßen, eine neue RC-Elektronik war noch vorhanden, also los!

Für die Karosseriehalterung musste ich neue Löcher in das wunderschöne Sand Scorcher Häuschen bohren. Das tat ein wenig weh, aber da ich nun eh kein 100%iges Replika baute, machten die zusätzlichen Löcher auch keinen großen Unterschied mehr.

Die erste Stellprobe machte Mut: der Radstand ist zwar fast 2cm zu groß, aber mit einem Auge zugedrückt ist es gar nicht so schlimm. Die Räder sind natürlich maßstäblich viel zu groß, aber hey, schließlich handelt es sich beim TL-01 Chassis um ein Fahrzeug mit Allradantrieb über Kardanwelle. Ein "Allrad Scorcher"- COOL! Hat mit dem originalen Sand Scorcher nicht mehr allzuviel zu tun, sieht aber schön archaisch aus!

Als RC-Ausrüstung bekommt der Allrad Scorcher eine 2,4 GHz Pistolenfernsteuerung von Conrad Electronic, sowie einen elektronischen Fahrtregler vom gleichen Lieferant. Bei beiden Baugruppen handelt es sich um die "Billigvariante", die aber einwandfrei funktionieren. Bei der 2,4 GHz Fernsteuerung frage ich mich gar, wie man das für 29,- Euro überhaupt herstellen kann. Das ist zwar keine Top volldigitale Computeranlage mit Speicher, aber sie erfüllt ihren Zweck, und das tadellos!

Die Stummelantenne des 2,4 GHz Empfängers passt übrigens zufällig haargenau durch das Heckfenster. Nach der Montage stand die erste Probefahrt an. Wow - ich hatte vergessen wie verdammt schnell so ein vollkugelgelagertes TL-01 Chassis ist. Auf Asphalt und leichtem Schotter läuft das Modell tadellos und spurtreu. Drifts sind auf Schotter kein Problem. Gröberer Schotter und höheres Gras sind nicht das Terrain des Allrad Scorchers. Durch die geringe Bodenfreiheit neigt das Chassis zum Aufliegen, ausserdem werden massenweise Steinchen in die Hohlräume geschleudert. Das kann z.B. dazu führen, daß der Akku klemmt, wenn man ihn entfernen will. Trialartige Geländeeinlagen sind etwas schwierig, aber machbar. Man merkt halt, daß das TL-01 Chassis eigentlich eher für Glattbahner (Tourenwagen) gedacht war. Sprünge funktionieren durch den tief liegenden Akku wiederum recht gut. Aber Vorsicht: bei zu groben Geländeeinlagen könnte der Akku durch Bodenkontakt beschädigt werden. Rein optisch gesehen fällt das "falsche" Chassis gar nich mal so sehr auf. Den falschen Radstand kann man ignorieren, das hat Tamiya beim "Blitzer Beetle" ja schließlich auch so gemacht. Die großen Räder stehen dem Scorcher auf größere Distanz betrachtet gar nicht mal schlecht. Das einzige, was mir jetzt nicht so gut gefällt, ist das etwas zu hoch gelegte Heck (da hätte ich die Bohrungen für die Karosseriehalter etwas höher ansetzen müssen ...) und das große "Loch" ganz hinten an der Karosserie. Da muss unbedingt noch etwas hinein, vielleicht eine Motoratrappe oder sowas in der Art... Auf jeden Fall werde ich irgendwann einen Motorkäfig nachrüsten, wie beim Original.

Damit sah das Ganze dann erst einmal so aus:

Die Motorattrappe:
Als nächstes habe ich versucht die riesige Öffnung am Heck zu verschließen. Dafür habe ich eine Motorattrappe gebaut, mit der ich recht zufrieden bin. Kenner erkennen es natürlich sofort: das ist ein BMW 2V-Boxer und kein Käfermotor. Aber ich finde er passt ganz gut zu dem Look eines Baja Bug. Der Motor stammt von einem geschlachteten Revell Motorradmodell im Maßstab 1:9 und wurde mühsam angepasst sowie etwas umgestaltet, so daß es sich jetzt um einen Phantasiemotor handelt. Nun fehlt noch etwas "Kosmetik" und eine Auspuffanlage.

Nun wird der dem Body Set beiliegende "Stinger Auspuff" an den Boxermotor angepasst. Dieses Teil war laaaange nicht zu bekommen und wurde schon fast in Gold aufgewogen. Denn - bei einem Überschlag ist der wunderschön anzusehende Stinger Auspuff so ziemlich das erste Teil das abbricht. Ich werde den oberen Teil des Auspuffs nicht festkleben, sondern beim Fahren abnehmen. Mal schauen, ob sich das bewährt.

Als letztes habe ich noch aus 3mm Messingdraht einen Motorkäfig gebaut. Eigentlich wollte ich diesen Schritt überspringen, jedoch hat fast jedes Vorbild einen Motorkäfig, der originale Sand Scorcher auch. Also wurde gemessen, gebogen und gelötet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen...

 

Ein wenig Lack und eine Akkuladung später kann ich endlich sagen: meine Version des Sand Scorcher ist fertig:

Neue Reifen / Felgen:

Inzwischen habe ich einmal mit einer anderen Felgen- / Reifenkombination experimentiert. Örks, nee - so geht das nicht... Schnell wieder runter mit den Pellen, da muss ich wohl noch ein wenig weitersuchen. Ich dachte nämlich, daß vorne etwas schmalere und hinten etwas breitere Reifen dem Scorcher nicht schlecht stehen würden!  

 

 

Auf meiner Suche nach neuen Rädern kam ich irgendwann auf die Idee es einmal mit den Felgen und Reifen des "Ford F-350 High Lift" zu versuchen. Und siehe da - gar nicht mal schlecht. Nachdem ich dem "F-350" wiederum neue Räder besorgt hatte, konnte diese Reifen bleiben. Damit sieht er fast wie das Original in diesem Beitrag ganz oben aus... Leider sind die Fahreigenschaften nicht besonders gut. Das Modell ist sehr schnell - zu schnell für die schmale Spur. Er neigt in eng gefahrenen Kurven zum plötzlichen Überschlag. Das ist natürlich nicht besonders vorteilhaft. Im Gelände ist das Fahrwerk immer noch überfordert, alleine der Allradantrieb bringt einen hier voran. Der Akku kann durch seine Position zudem leicht durch Steine o.Ä. beschädigt werden. So richtig zufrieden bin ich also noch nicht.

 

Nachtrag:
da ich mittlerweile einen "echten" Sand Scorcher Bausatz mein eigen nennen darf (siehe Bericht in dieser Kategorie), werde ich das Projekt hier nicht weiter verfolgen. Die schön lackierte Karosserie werde ich nun auf dem echten Sand Scorcher zum Fahren benutzen. Das Chassis wird natürlich wieder eine Verwendung finden, mal  sehen wofür. Da es anscheinend nur als Glattbahner richtig taugt, wird es wohl generell in diese Richtung gehen...

Das Projekt ist hiermit beendet! 

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