Amewi WPL C24 -Toyota Hilux-

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Amewi "Toyota Hilux", Modellbezeichnung WPL C24

Dieses wirklich nette Modell sorgt gerade (2018/19) für Furore in der RC-Car Szene. Es ist eins von vielen verschiedenen Varianten des gleichen Herstellers, die sich alle mechanisch ähneln und zu einem sehr günstigen Preis den Markt überschwemmen. Hier handelt es sich um einen recht hübsch gemachten Nachbau des Toyota Hilux aus den späten 70er/frühen 80er Jahren. Das Modell ist im Maßstab 1/16 gehalten und hat u.a. Allradantrieb und eine unabhängige Federung.

Importiert und vertrieben wird das Modell in Deutschland offiziell zum Beispiel über "Amewi". Die Massenproduktion ist natürlich in China. Es gibt von diesem Modell verschiedene Versionen: außer Farbvarianten kann man das Modell auch als Bausatz kaufen. Hier haben wir es mit der "RtR"-Version zu tun, also mit einem fahrfertig aufgebauten Modell inkl. Zubehör. Wer mutig ist und sich das Teil direkt aus China bestellt, kann nochmal ordentlich Geld sparen. Die Meinungen über dieses Fahrzeug gehen weit auseinander. Einige halten es für totalen "China-Schrott", andere reden von einem geradezu sensationellen Preis-Leistungs Verhältnis. Mein Sohn bekam zu Weihnachten eine Trial- oder Sportversion dieses Fahrzeugs geschenkt (WPL C14) und ich war einerseits angetan vom vorbildgetreuen Aussehen des Modells, andererseits entsetzt über die Qualität der eingebauten Elektronik. Nachdem ich sein Auto mit vernünftigen Fernsteuerkomponenten umgebaut hatte und es wirklich nicht schlecht lief, entschloss ich mich mir ebenfalls so ein Gefährt anzuschaffen.

Was bekommt man also für knapp über 40,- Euro? Als erstes mal einen stabilen Karton mit einer ordentlichen Plastikverpackung des Modells im Innern. Außer dem Auto selber ist natürlich noch eine Fernsteuerung enthalten, sowie ein Akku nebst Ladegerät. Eine sehr dürftige Anleitung und eine Packung mit Scale-Anbauteilen sind auch noch drin. Man braucht lediglich zwei AA-Batterien für die Fernsteuerung, um sofort losfahren zu können. Aber eigentlich kann man sich die Batterien auch sparen, denn das Modell ist im Urzustand nur sehr schwer fahrbar. Bei meinem Sohn war die Fernsteuerung außerdem schon nach zwei Tagen defekt. Aber ich wusste ja, dass ich das Fahrzeug nur als Basis für einen Umbau gekauft habe, aber dazu später mehr. Der Toyota hat ein Chassis aus zwei gestanzten Stahlblechen und sonst viel, viel Plastik. Die Achsen sind starr und damit vorbildgerecht. Sie sind einzeln an Stoßdämpfern aufgehängt, die nur federn und nicht dämpfen. Eine zentrale Getriebeeinheit treibt über zwei Kardanwellen die Achsen an. Differenziale sucht man vergebens. Der Elektromotor der Baugröße 130 sitzt in der Mitte. Die großen Gummireifen sind mittelhart und grob profiliert. Leider springen sie schon mal ganz gern von der Felge. Das Fahrzeug steht recht hochbeinig da und sieht einfach phantastisch aus! Der Akku sitzt versteckt in einem Fach am vorderen Ende der Ladefläche, das an eine Werkzeugkiste oder so etwas erinnert - gut gemacht! Auf der Ladefläche hat der Pick Up eine Kabine, die auch als "Camper Top" beschrieben wird. Diese muss erst mit den Fenstern komplettiert werden. Als Gag kann man das hintere Fenster sogar hochklappen. Die Kabine wird einfach auf die Ladefläche aufgeschnappt. Am Truck selber werden nach noch die Zusatzteile montiert (Türgriffe, Spiegel, Scheibenwischer, Trittbretter, Seitenleuchten und ein Luftschnorchel), die das Fahrzeug dann so vorbildgerecht aussehen lassen. Bis hierher also alles recht überzeugend. Die mitgelieferte Fernsteuerung allerdings macht auf Anhieb einen sehr spielzeughaften und minderwertigen Eindruck. Immerhin die Geschwindigkeitsregelung ist proportional. Das gilt allerdings nicht für die Lenkung! Hier gibt es nur hart links oder rechts, was das Fahren nicht gerade spaßig macht. Dazu gibt es noch eine horrende Geräuschkulisse, da die Lenkung mit einer Ratschkupplung arbeitet, aber dazu später mehr. Der Lenkausschlag lässt ebenfalls sehr zu wünschen übrig. Im Originalzustand fährt der Pick Up recht langsam und ist etwas schwach auf der Brust. Die Räder eiern etwas und im Fahrwerk ist wegen der Plastikkomponenten viel Spiel. Ein kleiner Bonus sind die funktionierenden Scheinwerfer. Insgesamt also ein sehr geteiltes Bild vom RtR.

Wie schon erwähnt habe ich mir das Modell jedoch als Basis für einen Umbau bestellt, basierend auf den Erfahrungen mit dem Modell meines Sohnes. Nun mag man sich ja fragen, warum ich nicht gleich den ebenfalls erhältlichen Bausatz des Fahrzeugs genommen habe, der zudem mit einem "richtigen" Servo, einem 180er Motor und weicheren Reifen ausgestattet ist?! Die Antwort ist ganz einfach! Ich hatte noch einen Servo und einen Austauschmotor, aber ich wollte den Akku mit dem kompakten Ladegerät haben. Das ist der einzige Grund. Ansonsten sind die Modell ja absolut identisch.  

Kommen wir zum Umbau. Die Idee war die komplette Elektronik herauszuschmeißen und durch zuverlässige und vor allem besser funktionierende Teile zu ersetzen. Die Karosserie ist schnell abgeschraubt. Hier ist übrigens erwähnenswert, dass das Fahrerhaus sogar eine Inneneinrichtung besitzt, auch wenn diese etwas hoch sitzt! Nachdem die vordere Abdeckung abgeschraubt ist, sieht man die ganze Pracht der Chinaelektronik vor sich. Die gesamte 2,4 GHz Steuerung, inkl. Fahrtregler und "Servo"ansteuerung passt doch tatsächlich auf eine winzige Platine mit gerade mal drei wesentlichen Bausteinen... Unglaublich! Also weg damit. Akku, Hauptschalter, LED-Licht, "Servo" und Motor sind mittels winziger Stecker auf der Unterseite aufgesteckt. Der Lenk"servo" besteht im wesentlichen aus einem kleinen Elektromotor, der sich beim Lenken mit konstanter Geschwindigkeit rechts, bzw. links herum dreht. Dabei betätigt er den Lenkhebel. Eine Rutschkuppling schützt den Motor im vollen Lenkausschlag und verursacht das unangenehme Geräusch beim Lenken. Immerhin ist das Ganze in einem Gehäuse untergebracht, das in etwa dem eines Mini-Servos entspricht. Nun kann umgebaut werden! Die Beleuchtung habe ich erst einmal zur Seite gelegt, die kommt zu einem späteren Zeitpunkt wieder rein. Einen Miniservo mit Metallgetriebe konnte ich nach etwas Fräsarbeit mit Montageband wieder an gleicher Stelle einbauen. Ich habe ein etwas längeres Servohorn gewählt, um etwas mehr Lenkausschlag zu bekommen. Da beim Auto meines Sohnes der Antriebsmotor kurze Zeit nach dem Umbau "abgeraucht" ist, habe ich mich entschlossen meinen direkt zu tauschen. Der alte Motor lässt sich einfach aus dem Getriebegehäuse herausziehen. Das Ritzel kann man leicht abziehen. Eingebaut habe ich einen Mabuchi Motor der 130er Klasse, der schön stramm im Getriebegehäuse sitzt. Die Kabel und den Entstörkondensator habe ich vom alten Motor entfernt und am Neuen wieder angelötet. Der kleine 2,4 GHz Empfänger findet seinen Platz genau auf dem Servo - so kann die vordere Abdeckung wieder problemlos angeschraubt werden. Am kleinen Fahrtregler musste ich sämtliche Stecker abknipsen und die Kabel mit denen am Modell verlöten. Der Regler findet seinen Platz am fertigen Modell vorne über dem Getriebegehäuse. Am Fahrwerk habe ich sonst nichts verändert - ich möchte ja keine Wettbewerbe fahren und für ein bißchen crawlen im Garten oder im Haus kann ich auch mit dem "schlackerigen" Fahrwerk leben. Sollte man hier noch Optimierungsbedarf haben: durch die enorme Beliebtheit dieser Modelle gibt es mittlerweile eine breite Auswahl an Tuning- und Verbesserungsteilen. Vom Metallfahrwerk über Öldruckstoßdämpfer und sogar einem mechanischen Zweiganggetriebe ist alles zu haben!

Mit den neuen Elektrokomponenten ist das Modell kaum wiederzuerkennen. Die Lenkung reagiert nun feinfühlig und ausreichend präzise. Der Wendekreis ist zwar immer noch etwas groß, aber damit kommt man klar! Das Fahrzeug ist erheblich schneller geworden. Das ist zwar für einen Crawler nicht ausschlaggebend, sollte aber erwähnt werden. Der Fahrtregler bietet schön vorbildgerechte langsame Fahrtgeschwindigkeiten und natürlich eine Bremse. Schönster Nebeneffekt: vor dem Umbau konnte man mit einer Akkuladung etwa eine halbe Stunde fahren, nun reicht es locker dreimal so lange! Das schönste für mich ist aber nach wie vor das Aussehen den Modells. Ich habe ja ein Faible für diese älteren Pick Ups. Und mit dem Camper Top ist der Wagen ein ausgesprochenes Schmuckstück!

Da dieses Fahrzeug so realistisch aussieht, schreit es ja geradezu nach einer Fahrerfigur... Vielleicht wird so mancher meine Figur erkennen: es handelt sich um "Dr. C. Evazan" aus Star Wars. Dr. Evazan ist nur 10 cm groß, das wären umgerechnet nur 1,60 Meter. Nunja, es muss ja auch kleine Fahrer geben, nicht wahr...?! Auf jeden Fall dachte ich mir, dass er mit seinem legeren Outfit ganz gut in das Fahrzeug passen würde. Da Dr. Evazan ein ziemlich hässlicher Kerl ist, bekam er erst einmal eine Sonnenbrille aus Papier verpasst, was ihn wesentlich gefälliger machte. Der Innenraum ist etwas klein geraten, da er sehr hoch sitzt. Deshalb musste ich Dr. Evazan den Unterleib amputieren. Damit er nicht aus der Fahrerkabine fällt, bekam er zusätzlich noch eine Schraube in den Torso. Ein Arm am Lenkrad, den Anderen lässig aus dem Fenster - so schaut das echt prima aus!

Etwas, was mir an der Originalelektronik der RtR-Version sehr gut gefällt, sind die funktionierenden Scheinwerfer. Sie werden einfach durch zwei weiße LEDs realisiert, die direkt auf die Elektronikplatine aufgesteckt sind. Das wollte ich an meinem Modell nach Austausch der RC-Elektronik unbedingt behalten. Deshalb habe ich am Empfänger ein zweiadriges Kabel mit Ministecker so aufgesteckt, dass ich 5V abzapfen konnte. An die LEDs mussten dann nur noch Vorwiderstände angelötet werden, in diesem Falle 100 Ohm. Nun leichtet das Licht wieder zuverlässig beim Einschalten der Elektronik. Außerdem haben die schneeweißen Felgen nicht so mein Geschmack getroffen. Deshalb habe ich sie silbern lackiert. Nun schaut der Wagen noch einmal ein Stück besser aus!

Mittlerweile hatte ich das Modell mit im Urlaub und bin damit an Dänemarks Stränden entlang gefahren. Tja, was soll ich sagen: für den crawlermäßigen Outdoorbetrieb ist das Modell in seiner Basisform eher nicht geeignet. Richtig gut fahren konnte man nur in der unmittelbaren Brandungszone, wo der Sand feucht, glatt und hart ist. Doch schon einfache Fußspuren brachten das Fahrzeug an seine Grenzen. Von weichem Sand und den allgegenwärtigen Pferdehufspuren ganz zu schweigen. Das Auto kommt dann einfach nicht mehr vorwärts und quält sich. Schon bald fangen die Zahnräder der Plastikgetriebe an zu rattern. Spätestens hier sollte man aufhören, um die Getriebe nicht zu ruinieren. Außerdem ist das Modell für größere Unebenheiten einfach zu klein und bleibt stecken. Zwar gibt es im Zubehörhandel Metallachsen/-getriebe und Untersetzungen, aber ich werde nicht weiter Geld in den kleinen Pick Up stecken. Ich werde ihn lieber weiter zuhause ein der Wohnung fahren, für Draußen habe ich besseres Spielzeug... :-)

 

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