NQD Jet-Boot

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NQD Jet-Boot, Fertigmodell "RTR", Modellnummer: 757T-6024

Wer diese Seiten genauer gelesen hat, weiß dass ich ein Faible für Maritimes habe. Von daher verwundert es vielleicht etwas, dass ich recht wenige Boote in meinem "RC-Fuhrpark" habe. Nun, hier ist mal etwas ganz Neues. Es handelt sich um ein Sportboot mit Wasserstrahlantrieb, auch "Jet Boot" genannt. Hierbei befindet sich die Schraube in einem Tunnel im Boot. Das Wasser wird unter dem Boot angesaugt und hinten über eine Düse wieder ausgestoßen.

Die Technik sorgt dafür, dass das Boot extrem flache Gewässer befahren kann und dazu noch wahnsinnig wendig ist, da der Wasserstrahl selber über eine lenkbare Düse bewegt wird. Und wie komme ich auf so eine Art von Boot? Auf YouTube habe ich zahlreiche Filmchen über "Mini Jet Boats" in Neuseeland gesehen, wo der Jetantrieb für Boote entwickelt wurde. Diese haben mich sehr fasziniert. Die kleinen Aluminiumdinger jagen dort zum Spaß ganz flache Flüsse hinauf, wo ich noch nicht mal mit einem Kanu hinunterpaddeln würde. Der Wunsch keimte in mir auf, solch ein Boot als Modell zu besitzen.

Jet Boote gibt es als Modell zwar nicht wie "Sand am Meer", aber es gibt doch einiges im Angebot. Nur sind diese Boote durch die etwas exotische Antriebstechnik etwas teuer. Außerdem entsprechen sie im Aussehen meist nicht gerade den kleinen Aluminium Jet Booten, die ich so faszinierend finde. Nun gibt es, angelehnt an diese kleinen Boote, eine Rennserie, die vor allem in Australien und Amerika sehr populär ist. Diese Miniboote werden dort auf künstlichen Wasserparcours eingesetzt, wie sie mit Wahnsinns-Geschwindigkeiten durch die schmalen Kanäle "fliegen". Diese Boote werden "Sprint Boats" genannt. Und von genau so einem Sprint Boat hat Graupner vor einigen Jahren ein Modell angeboten. Leider ist dieses nicht mehr zu bekommen. Allerdings gibt im Internet massig Informationen und Filme über ein Sprint Boat aus China, das dem Modell von Graupner wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Ein Schelm, wer böses dabei denkt...! Ein Narr, wer es nicht tut! :-) Wie dem auch sei, ich konnte übers Internet tatsächlich ein Exemplar dieses Chinaboots bekommen. Im Netz sind diese Boote als "NQD Tear Into Boat" bekannt. Normalerweise werden sie so um die 15,- Dollar gehandelt. Aber mit Import, Zoll und dem unsäglichen CE-Bapperl kostet das Ganze dann satte 50,- bis 60,- Euro.

Und was bekommt man dafür? Ich hatte im Internet schon gelesen, dass die Qualität wohl grausam sein soll. Das Boot wird als "RTR - Ready to Run" verkauft. Die Fernsteuerkomponenten sollen jedoch unbrauchbar und das Boot leck wie ein Sieb sein. Rumpf und Jet-Antrieb sollen jedoch wiederum eine gute Grundlage für einen Umbau sein. Nun gut, da wusste ich ja wenigstens was mich erwartete. Das Boot selber sah dann gar nicht mal so übel aus. Die Fernsteuerung in uralter 27-MHz Technik jedoch hatte wirklich etwas spielzeugmäßiges. An Funktionen gab es nur "rechts - links - Vollgas". Natürlich wollte ich das Boot trotzdem mal im Urzustand ausprobieren. Allerdings war es mit der Lenkung "hart links und hart rechts" so gut wie unsteuerbar. Außerdem hatte ich nach etwa zwei Minuten fast ein ganzes Trinkglas Wasser im Boot! Nun gut - da ich dies vorher schon wusste war ich nicht enttäuscht, sondern sägte das Boot unter der Akkuabdeckung mit einer Vibrationssäge auf.

Die "Elektronik" ist wirklich nur eines Kinderspielzeugs würdig und flog komplett raus. Da sie sparsam mit Heißkleber befestigt war, konnte man die Bausteine einfach entfernen. Der Jet Antrieb war mit einem unidentifizierbaren, mit Blasen durchzogenen Klebstoff "abgedichtet" und zusätzlich verschraubt. Auch dieser Kleber ließ sich einfach abziehen und der Antrieb anschließend herausdrücken. Der Jet Antrieb sollte ja grundsätzlich gut sein. Kein Wunder, denn es ist ja eine exakte Kop... ääääh, "Hommage" an den Graupner "Mini Jet". Hier galt es nur massig Grat zu entfernen. Den 390er Motor wollte ich erst einmal behalten. Viele rüsten hier auf Brushless um, aber das war mir erst einmal zu heftig. Später vielleicht. Als Lenkservo verwendete ich einen einfachen Standardservo für 5 Euro. Als Fahrtregler verwendete ich einen luftgekühlten aus dem RC-Car Bereich. Den schlappen 9,6 V Ni-Cad Akku tauschte ich gegen einen zweizelligen LiPo Akku aus. Den Servo montierte ich auf die modifizierte Originalhalterung und klebte diese mit Epoxydharz wieder ein. Auch der Jet Antrieb wurde gründlich mit Epoxydharz befestigt, wobei darauf geachtet wurde, dass das Harz auch in die letzte Ecke fließt. Der Regler wurde mit doppelseiteigen Tamiya-Band befestigt, der LiPo Akku mit Klettband. So konfiguriert fand der erste Test in der Badewanne statt. Wassereinbruch war nun kein Thema mehr und auch der kräftige Wassersstrahl ließ sich nun fein dosieren. Äußerlich habe ich an dem Boot nicht viel geändert. Die hässliche Motorattrappe fiel dem Dremel zum Opfer und wurde durch eine Abdeckplatte ersetzt. Außerdem habe ich Fahrer und Beifahrer bemalt. 

Die Erstfahrt fand dann auf einem stillen Seitenarm des Rheins statt. Das Boot funktioniert nun wie es soll. Die Geschwindigkeit ist ausreichend und sicher noch ausbaufähig. Momentan bin ich jedoch zufrieden so. Die Steuerung ist etwas schwierig. Da das Boot keinen Kiel hat, "rutscht" es beim Lenken seitlich über das Wasser. Dadurch dreht es sich sehr schnell ein. Feinfühliges Lenken ist angesagt. Das ist aber auch beim Original so und macht einen Teil des Jetbootfahrens aus. Da die Probefahrt im Herbst stattfand, wurden ab und zu Blätter unter dem Boot vom Jet angesaugt und legten den Antrieb still. Mit einem kurzen Gasstoß "rückwärts", konnte man die Blätter jedoch wieder loswerden. Richtig rückwärts kann man mit diesem Boot nicht fahren, dafür bräuchte man eine Umkehrklappe wie am Flugzeugtriebwerk. Allerdings ist dies auch nicht wirklich nötig, da man das Boot mit dem Jet fast auf der Stelle drehen kann. Da es etwas windig war, waren auf dem Wasser kurze, kleine Wellen. Das Boot sprang bei Vollgas über diese Wellen und saugte oft Luft an, was sich dann im Vortrieb bemerkbar machte. Nichts dramatisches, aber spürbar (und vor allem hörbar). Insgesamt bin ich mit dem Boot jedoch sehr zufrieden. Es ist einigermaßen exotisch und macht richtig Spaß. Wenn das Wetter wieder wärmer wird, stehen dann noch umfangreiche Flachwassertests im Programm...

Um das Aussehen des Modells mehr den Alu-Spaßbooten in Neuseeland oder Amerika anzugleichen, wurde das Modell umlackiert. Der reine Aluminium-Look gefällt mir noch am Besten. Da kommt höchstens noch ein dezentes Dekor drauf.

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