Honda CB 450 N

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Vor zehn Jahren habe ich das Motorradfahren wegen der Familie aufgegeben, nun dachte ich mir sei es eine gute Zeit langsam damit wieder anzufangen. Aber mit welchen Motorrad? Und wie viel darf es kosten? Aber dann ergab sich völlig unverhofft eine günstige Gelegenheit - da musste ich einfach zugreifen!

Ein guter Freund von mir, ebenfalls motorradbegeistert und in Sachen Kauf/Verkauf sehr umtriebig, hatte ein Angebot für zwei Motorräder. Eines wollte er selber behalten, bei dem Zweiten dachte er direkt an mich. Wir verabredeten einen Besichtigungstermin und fuhren hin. Leider stellten sich beide Motorräder als wesentlich schlechter heraus als gedacht. Letztlich nahmen wir nur "meine" Honda mit, eine CB 450 N. Das Motorrad stand seit neun Jahren in einer Garage und sah entsprechend aus. In ihren 30 Jahren war sie u. A. auch als Fahrschulmaschine unterwegs und hatte entsprechend Beulen und Kratzer von Umfallern. Die Substanz jedoch war nicht wirklich schlecht. Für realistische 200,- Euro nahmen wir sie mit. Ich freute mich natürlich ein Loch in den Bauch, sah aber auch mit einer gewissen Skepsis die viele Arbeit, die da auf mich zukommen sollte...

 

Angaben zum Fahrzeug:
Honda CB 450 N (PC 14)
Farbe: rot
Erstzulassung: 05/1986
Motor: Honda Zweizylinder-Paralleltwin, luft-/ölgekühlt
Hubraum: 443 ccm
Leistung: 20 kW (27 PS) bei 7000 U/min
Eingetragene Vmax: 140 km/h
Reifen: vo - 3,60 S 19; hi - 4.10 S 18
Leergewicht: 194 kg
Gesamtgewicht: 379 kg
Ausstattung: Sturzbügel, Gepäckträger mit zwei Krauser-Koffern, Haupt- und Seitenständer, Werkzeugsatz

Schauen wir uns vielleicht noch etwas die Historie der CB 450 N an. Die CB 450 entstammt einer langen Familie von Honda-Twins. Der japanische Hersteller hat den Twin Motor (per Definition ein Reihenzweizylinder, bei dem sich die Kolben parallel auf- und abbewegen) im Laufe der Jahre stetig weiter entwickelt und überarbeitet. Der Twin in der CB 450 gilt deshalb als sehr ausgereift. Gefertigt wurde die CB 450 N ausschließlich in Brasilien, in Hondas neuem Werk in brasilialischen Regenwald, bei der Stadt Manaus. Warum hat Honda dort 1976 ein riesiges Motorradwerk aus dem Boden gestampft? Nun, um Steuern zu sparen. Manaus würde von Brasilien zur Freihandelszone erklärt, um den wirtschaftlichen Ruin der Gegend abzuwenden. Ausserdem konnte man von dort den amerikanischen Markt besser bedienen. Die CB 450 N war im Jahr 1985 eine eigene Entwicklung von Honda Brasilien, basierend auf jepanischem know-how natürlich. Als man sich entschloss, sie auch nach Deutschland zu exportieren, traf man jedoch nicht den aktuellen Geschmack der deutschen Käufer. Die Maschine galt mit ihrem leicht altertümlichen Design als bieder und langweilig. Ausserdem machte die brasilianische Fertigung misstrauisch - völlig ohne Grund übrigens. Nach nur einem Jahr wurde der Verkauf in Deutschland eingestellt und 1986 ein Nachfolger vorgestellt: die CB 450 S. Diese wiederum verkaufte sich sehr gut. In Amerika jedoch wurde die N noch einige Jahre weiter produziert und in verschiedenen Varianten verkauft. Und wer hat sich hierzulande für eine N entschieden? Vor allem Fahrschulen, die die robuste Bauweise, die niedrige Sitzhöhe, das gute Handling und die Zuverlässigkeit für ihre Fahrschüler schätzten. Der Rest waren meist Einsteiger, die sie in der damals Stufenführerschein-tauglichen 27 PS Variante bestellten. Obwohl die 450 N ein mittlerweile klassisches Design hat und mit 30 Jahren auch den Oldtimer-Status erreicht hat, ist die kleine Honda immer noch recht unbeliebt und entsprechend günstig zu bekommen. Dank ihrer sprichwörtlichen Zuverlässigkeit sind motormäßig kaum Probleme zu erwarten, dank der Unbeliebtheit sind einige Schlachtmotorräder auf dem Markt, von denen man günstig gebrauchte Ersatzteile bekommen kann. Neue Ersatzteile beschränken sich fast ausschließlich auf Verschleissteile. Da fast alle 450er in der 27 PS Variante geliefert wurden, gibt es entsprechend wenig Teile zur Entdrosselung auf 44 PS. Dafür ist eine "scharfe" Nockenwelle notwendig. Diese wird, wenn sie denn einmal angeboten wird, fast in Gold aufgewogen... Insgesamt also ein nettes klassisches Motorrad für kleines Geld - genau richtig für den Wiedereinstieg.

Da die Maschine nach 9 Jahren Standzeit etwas traurig aussah, namen wir uns an einem Samstag komplette 6 Stunden Zeit, um sie optisch aufzuarbeiten. Nach einer gründlichen Reinigung wurden sämtliche Lackteile sorgfältig poliert, alle Chromteile soweit möglich entrostet und ebenfalls poliert. Metallteile wie Motordeckel und Gabel bekamen auch eine Behandlung mit einer Poliermaschine. Dellen, Risse und abgeplatzte Farbe blieben vorerst unbehandelt. Die Gepäck-/Kofferbrücke wurde demontiert, da mit das Motorrad ohne besser gefällt. Sollte ich wieder reisen wollen, ist sie innerhalb einer halben Stunde wieder angebaut. Und siehe da: unter dem ganzen Gammel und dem Staub eines Jahrzehnts kam doch eine ganz ansehnliche kleine Honda heraus. Vor allem die Lackteile sind kaum wiederzuerkennen. Das vordere Schutzblech wurde von einem blassen rosaton wieder satt rot!

Nachdem die optische Arbeit abgeschlossen war, kam der spannende Moment der Wiederbelebung. Wie gesagt - neun Jahre hatte sie gestanden. Eine neue Batterie angeschlossen, frischen Sprit eingefüllt - und los ging es! Zuerst hat sie sich ein wenig geschüttelt, dann floss unkontrolliert Benzin aus den Vergasern. Doch beim nächsten Versuch sprang sie an als wäre nichts gewesen! Sauber tuckerte der Twin vor sich hin und nahm willig Gas an. Die Vergaser "sabberten" auch nicht mehr. Alle sechs Gänge liessen sich sauber schalten. TOLL!!! Was für ein Erfolg. Nachdem die Maschine nun wieder lief und auch optisch wieder schön aussah, wollte ich sie auch mit nach Hause nehmen (bis jetzt stand sie noch bei meinem Freund in der Werkstatt). Da ich kurzfristig keinen Anhänger organisieren konnte, packten wir sie in den Kangoo. Und das klappte ebenfalls völlig problemlos (ich hatte vorher die Rücksitzbank ausgebaut). Das zeigt mal wieder, wie universell der Kangoo doch ist. 

Nachdem die Maschine nun endlich bei mir steht, geht es jetzt an die letzten Mängel, die einer TÜV-Prüfung noch im Weg stehen. Ziel für die Zulassung ist nächstes Frühjahr (2016), dann habe ich genug Zeit die restlichen Defekte zu beseitigen, eventuell auch mit externer Hilfe. Auch die Optik muss noch weiter bearbeitet werden. Da sind noch einige Teile defekt oder stark abgenutzt. Damit die Honda nicht im Freien stehen muss, habe ich ein schönes Plätzchen in der Garage freigeräumt, wo sie nun im Trockenen stehen kann.

 

 

Die Honda-Logos auf dem Tank sind nicht geklebt, sondern geschraubt, denn sie bestehen komplett aus Metall. Die Lackierung war ordentlich mitgenommen, so dass sie erst einmal komplett entlackt wurden. Dann habe ich die Logos mit all meiner Erfahrung aus -zig Jahren Modellbau vorsichtig mit dem Pinsel neu lackiert. Völlig zufrieden bin ich nicht, aber unter dem Umständen kann man es wohl so lassen.

 

 

Die Sitzbank ist in einem recht schlechten Zustand. Der Bezug ist mehrfach gerissen und wurde bereits ausgebessert. Der Original-Bezug scheint ein Schwachpunkt zu sein. Gebrauchte Sitzbänke sind sehr rar, und wenn mal eine auftaucht, ist sie in ähnlichem Zustand. Durch die Risse ist wohl öfters Feuchtigkeit in den Schaumstoffkern gedrungen und hat das Untergestell aus Stahlblech stark rosten lassen. Das habe ich durch Rostumwandler gestoppt. Trotzdem müssen eventuell einige kleine Bleche aufgeschweißt werden. Erst einmal habe ich den Sitzbankbezug gründlich gereinigt und anschließend mit schwarzem Panzerband repariert, damit keine weitere Feuchtigkeit eindringen kann. Nicht unbedingt schön, aber ein neuer Sitzbankbezug (ist noch erhältlich) steht erst einmal recht weit unten auf der Verbesserungsliste. Den stark mitgenommenen Soziushaltebügel habe ich abgeschraubt und gründlich entlackt. Dabei wurden auch die Metallausblühungen beseitigt. Drei Schichten schwarzer Mattlack und zwei Schichten Klarlack lassen den Bügel wieder wie neu aussehen. Damit ist das Thema Sitzbank erst einmal abgeschlossen.  

Die Heckverkleidung enthält den charakteristischen "Bürzel" der 80er Jahre Hondas. Ein Designelement, dass mir irgendwie gefällt. Meine Heckverkleidung war am vorderen Befestigungspunkt abgebrochen. Nachdem das abgebrochene Stück mit 2-K Kleber provisorisch wieder angeheftet worden war, entschloss ich mich die ganze Stelle noch mit Glasfaservlies und Polyesterharz zu verstärken. Auf der gegenüberliegenden Seite war die Befestigung schon angerissen, so dass ich auch dort eine Verstärkung aufbrachte.

 

Da an der Honda ein Krauser-Koffersystem montiert war, gab es die hinteren Haltegriffe nicht mehr. Ich konnte jedoch ein Paar Haltegriffe bei einem Gebrauchtteilehändler bekommen. An diesen sind außerdem die Befestigungspunkte für die Originalblinker. Da die Originalblinker jedoch auch nicht mehr vorhanden waren, habe ich die Krauser-Blinker passend gemacht. Dazu benutzte ich große Karosseriescheiben und lange Schrauben mit Sicherungsmuttern. Dasa passt ganz gut und schaut auch fast original aus. Danach konnte der reparierte Heck"bürzel" wieder montiert werden. Die Blinkerkabel habe ich dann nicht wieder mit Lüsterklemmen befestigt, sondern gelötet und eingeschrumpft.

Die Lenkerverkleidung, die auch das Zündschloss umfasst, ist eines jener Teile, dass auch gebraucht nicht für Geld und gute Worte zu bekommen ist. Also musste ich meine Verkleidung reparieren. Sie war in einem sehr schlechten Zustand. Die seitlichen Befestigungspunkte sind herausgebrochen, dicke Risse durchziehen den Kunststoff und um die Öffnung für das Zündschloss sind ebenfalls Stücke herausgebrochen. Was tun? Als erstes habe ich das Teil in die Spülmaschine gesteckt, damit sämtliche öligen Rückstände verschwinden. Dann wurden für die herausgebrochenen Stellen aus Pappe Schablonen angefertigt. Mit Hilfe der Schablonen habe ich dann aus Polystyrolplatten die fehlenden Stücke neu angefertigt. Diese wurden dann mit 2-K Kleber an der Verkleidung befestigt. Mit dem gleichen Kleber wurden die Risse verfüllt. Da die Polystyrolplatte etwas dünn ist, wurde auf der Rückseite mittels Polyesterharz und Glasfaservlies noch eine Verstärkung aufgebracht, an den Befestigungspunkten sogar noch mittels dicker Glasfasermatte. Da die Rundung um das Zündschloss sehr schwer zu modellieren war, versuchte ich noch ein wenig zu spachteln und schleifen, was aber nur mäßig erfolgreich war. Zu guter Letzt wurde die Verkleidung mit drei Schichten Mattschwarz lackiert. Das Honda-Logo habe ich silbern hervorgehoben. Den Abschluss bilden zwei Schichten Klarlack-seidenmatt. Damit ist das Verkleidungsteil zwar nicht so gut wie neu, aber es ist ein guter Kompromiss. Man hätte die Verkleidung zwar auch problemlos weglassen können, aber sie gehört halt in dieser Version drauf.

Unter der Lenkerverkleidung sah es wüst aus: der Gammel der Jahre ist hier nie weggemacht worden. Nach einer gründlichen Reinigung blieb noch der arg angerostete Lenker. Nicht schlimm, aber hässlich. Nachdem ich den Rost gründlich abgeschliffen hatte, strich ich den Lenker im Bereich des schlimmsten Rosts mit Hammerite Lack (silber) an. Nachdem dieser getrocknet und der Lenker wieder montiert war, konnte ich auch die Lenkerverkleidung wieder anbringen. So bin ich mit der Optik des Cockpits erst einmal zufrieden. 

Der rechte Seitendeckel hatte einen langen Riss fast bis zur Hälfte. Dieser war bereits geklebt worden, allerdings eher halbherzig. Das hatte zur Folge, dass sich der Riss schon wieder geöffnet hatte. Meine Reparatur sollte etwas länger halten. Deshalb habe ich auf der Rückseite des Deckels großzügig Glasfasermatten auflaminiert. Dabei habe ich möglichst versucht, das Polyesterharz auch in den Spalt des Bruchs laufen zu lassen. Nach dem Aushärten versuchte ich die alten Klebewülste auf der Vorderseite beizuschleifen, leider nur mit mäßigem Erfolg. Durch das Schleifen war nun natürlich eine Teillackierung fällig. Die genaue Farbe war nicht bekannt, aber lieber einen leicht andersfarbigen roten Keil, als einen hässlichen Riss... 

Dass die Batterie nach neun Jahren Standzeit völlig "platt" war, kann sich wohl jeder denken. Für sämtliche Tests und Probeläufe bei mir zuhause hatte ich bisher per Starthilfekabel auf die Batterie meines Autos gebrückt. Das ist aber nicht besonders praktisch, und eine kleine Probefahrt kann man so auch nicht machen. Also war eine neue Batterie in der Prioritätenliste relativ weit oben. Nach einiger Sucherei und Recherche habe ich sie schließlich bei POLO-Motorradzubehör gekauft. Der Batterietyp ist YB12A, das ist glücklicherweise ein günstiger Universaltyp. Mit Rabattgutschein habe ich schließlich 15,- Euro bezahlt. Die Batterie muss erst mit Batteriesäure gefüllt werden, dabei sollte man sehr aufpassen! 800 ml passen rein. Danach habe ich sie noch 15 Stunden mit 800 mA geladen. Danach startete sie die Honda mehrfach zuverlässig. Bis ich das Motorrad jedoch endgültig anmelde, werde ich die Batterie wieder ausbauen und ab und zu zur Pflege entladen - laden!  Übrigens habe ich, wie auf dem letzten Bild zu sehen, mittlerweile den hässlichen Fahrschul-Sturzbügel abmontiert. 

Das Lenkkopflager hatte übermäßig viel Spiel. Auch etwas, das der TÜV gar nicht gerne sieht. Zusammen mit einem erfahrenen Schrauber habe ich das Problem angegangen. Letztendlich hatten wir das Problem, dass wir die obere Gabelbrücke nicht lösen konnten. Glücklicherweise liess sich aber die Haltemutter mit einem geraden Schraubendreher und einem Hammer bewegen. Und das war ausreichend, um sämtliches Spiel zu beseitigen. So konnten wir uns den Austausch des Lagers vorerst sparen.

 

 

Der wichtigste Defekt, der für den TÜV beseitigt werden muss, ist die nicht funktionierende vordere Bremsanlage. Der Bremsgriff lässt sich einfach ohne Widerstand durchziehen. Nachdem ich durch Teilzerlegen der Bremse dem Fehler Stück für Stück auf die Spur kommen wollte, kam ich zu fogendem Urteil: der Hauptbremszylinder baut keinen Druck auf, die linke Bremszange ist fest, die rechte Bremszange bewegt sich nur wenige mm, die Bremsleitungen sind teilweise dicht, ein Entlüftungsnippel abgerissen. Kein sehr schönes Urteil, nicht wahr...?! Um zu sehen, was man noch machen kann, habe ich die Bremsanlage dann komplett ausgebaut. Bei eBay wurde dann eine zweite gebrauchte, aber ebenfalls defekte Bremsanlage für kleines Geld eingekauft. Der Hintergedanke ist, aus zwei defekten Anlagen eine ganze zu machen. Bei der zweiten Anlage sind nun tatsächlich die Teile in Ordnung, die bei der Originalanlage defekt sind, der Gedanke scheint also aufzugehen. Nur der Hauptbremszylinder ist bei beiden marode, aber dafür gibt es auch heute noch Reparaturkits. Da ich Bremsen noch nie auseinandergenommen habe und mich damit auch nicht wirklich gut auskenne, habe ich sie zur Überholung weggegeben. Die Bremse wurde komplett zerlegt, gestrahlt, die Zangen und Sättel neu lackiert. Die Kolben bekamen neue Dichtungen, ein Gewinde musste ausgebohrt und neu geschnitten werden. Die schwimmende Lagerung wurde komplett überholt. Die Leitungen wurden freigespült und die Besten ausgesucht. Zum Schluss wurde noch ein nagelneuer Hauptbremszylinder montiert, da sich beide Gebrauchtteile nicht mehr reparieren ließen. Die überholte Anlage wurde wieder am Motorrad angebaut und muss nun freilich noch vorsichtig eingefahren werden.

Und dann wurde die viele Arbeit belohnt. Am 01. April 2016 (kein Aprilscherz) bekam meine Honda eine frische Hauptuntersuchung ohne Mängel! Da hat sich die lange Vorbereitungszeit doch gelohnt. Nun musste sie nur noch zugelassen werden.

 

 

 

Die Zulassung war dank kompletter Papiere kein Problem. Ich habe mich für ein "Weichei"-Saisonkennzeichen entschieden, da ich im Winter sowieso nicht mehr Motorrad fahre. Versichert habe ich die Honda in einem Sondertarif, der mich nur schmale 18,- Euro im Jahr kostet. Da der Steuersatz ähnlich wenig betragen wird, sind die fixen Kosten sehr überschaubar. Ach ja - ich hab übrigens mein Wunschkennzeichen bekommen. Dank der neuen Schilder mit Kleinschrift ist das Kennzeichen auch nur 22 cm breit.

 

 

Nun konnte die Honda endlich auf eigenen Rädern von der Werkstatt nach Hause überführt werden. Doch vorher stand noch ein Ölwechsel an. Der wurde erst jetzt durchgeführt, weil das Öl ja vorher warmgefahren werden muss. Das ging bisher mangels Zulassung ja noch nicht. Allerdings hatten wir größere Probleme, die Honda zu starten. Sie wollte einfach nicht anspringen. Nach einiger Untersuchung wurden die Zündkerzen als Übeltäter ausfindig gemacht und kurzerhand noch ausgetauscht. Nun sprang die Maschine auch zuverlässig an. Der Ölwechsel mit Filter war dann reine Routine - und übrigens auch bitter nötig. Selbstverständlich wurden auch sämtliche Dichtungen erneuert.

Etwas, was gerne "übersehen" wird, ist der Luftfilter. Da die Maschine erst einmal gut lief, habe auch ich darüber nicht weiter nachgedacht. Etwas überrascht war ich deshalb, als ich das Luftfiltergehäuse doch mal aufschraubte, um nach dem Rechten zu sehen: der Vorbesitzer hatte sich einen Luftfiltereinsatz aus Matratzenschaumstoff selber geschnitzt - und das ziemlich grob! Das "Kunstwerk" sah recht zerrupft aus. Das ist mir etwas unverständlich, da ein original Ersatzteil recht günstig zu haben ist. Jedenfalls habe ich den Schaumstoffmüll aus dem Luftfilterkasten entfernt und einen passenden Einsatz montiert.

 

Die allererste "Tour" mit der Honda machte ich dann wie erwähnt bei der Überführung nach Hause. Dabei fuhr ich entsprechend  sehr vorsichtig, vor allem passte ich beim Bremsen auf. Die kleine Honda zeigte sich allerdings von ihrer allerbesten Seite. Sie lief weich, zuverlässig und stabil. Ich denke man muss nicht erwähnen, dass ich sehr glücklich und zufrieden war. Die viele Arbeit hatte sich endlich ausgezahlt. Mittlerweile hat "die Kleine" zwei kürzere Touren hinter sich und lief bislang wunderbar. Die Optimierungsarbeit ist freilich noch nicht zu Ende, sie braucht noch eine gründliche Tiefenreinigung und einige neue optische Akzente wie z. B. die passenden Blinker oder einen neuen Sitzbankbezug. Fahrbereit ist sie jedoch, nun folgt die Feinarbeit...!

Nachdem ich die kleine Honda nun ein paar mal gefahren habe, möchte ich hier mal einen Zwischenbericht abgeben. Zuerst ist mir aufgefallen, dass 27 PS nun nicht gerade viel sind. Die Honda eine der schwächsten Motorräder, die ich bisher gefahren habe. Natürlich wusste ich das vorher, aber es gibt da so ein paar Gewohnheiten von "früher", die ich ändern muss. Z.B. ist es nicht mehr so ohne weiteres möglich auf einer Geraden an Autos vorbeizu"zischen". Selbst kleinere Autos, vor allem die mit potenten Dieselmotoren, können einem durchaus wegfahren, wenn sie wollen. Lange Anstiege erfordern ordentlich Drehzahl im fünften Gang, dabei kommen 100 km/h eher zäh zustande. Das sind allerdings alles Dinge, mit denen ich erst einmal leben kann. Mein Ding ist sowieso das genussvolle Landstraßenbummeln, da reicht mir die Leistung. Ansonsten läuft die Kleine wirklich wunderbar. Den Verbrauch habe ich mit ziemlich genau 5 Litern / 100 km ausgemessen. Mit einem Tankinhalt von 17 Litern sollten also 300 Kilometer am Stück zu schaffen sein. Ein Ölverbrauch ist bislang nicht messbar. Leicht irritierend ist die rupfende Kupplung. Ich denke dies ist verschleiß bedingt. Ich werde sie einfach fahren bis es nicht mehr geht und dann wechseln. Der im Leerlauf laut klappernde Motor hat mir Anfangs etwas Sorgen gemacht. Nachdem ich allerdings wie im Handbuch beschrieben den Steuerkettenspanner nachgestellt hatte, war das Klappern so gut wie verschwunden. Nun heißt es noch die Ventile einstellen und mal nach der Spannung der Kette für die Ausgleichswellen schauen. Apropos Kette: die Antriebskette braucht auch etwas Zuwendung: eine Reinigung und gründliches Einfetten wird ihr guttun! Leider tut einem nach ca. einer Stunde Fahrt heftig der A.... weh. Bei der Kilometerlaufleistung finde ich es allerdings nicht ungewöhnlich, dass die Sitzbank ziemlich durch ist. Die Überarbeitung der Sitzbank steht deshalb demnächst auch noch an. Vorher allerdings werde ich das Fahren mit meiner Honda noch ein wenig genießen!

Die Überarbeitung der Sitzbank habe ich dann doch recht schnell vorgezogen. Sie ist einfach zu unbequem! Und wenn sie schon bearbeitet wird, dann kann sie auch gleich völlig überholt werden. Dass es so gut wie keine Sitzbänke gebraucht zu kaufen gibt, hätte mich gleich stutzig machen sollen. Das Problem sind die Originalbezüge. Sie verschleißen relativ schnell und lassen dann Wasser durch. Das sorgt dafür, dass sich der Schaumstoffkern vollsaugt. Dadurch fängt die Trägerplatte aus Stahlblech an zu rosten, vor allem an den Kanten. Das war leider auch bei mir der Fall. Als erstes wurde der alte Bezug von der Sitzbank abgezogen. Nachdem ich den Schaumstoff von der Grundplatte abgetrennt hatte, befreite ich die Platte mittels einer rotierenden Stahlbürste  komplett von losem Rost und pinselte alles sorgfältig mit Rostumwandler von Nigrin ein. Das Mittel stoppt das weitere Rosten durch einen chemischen Prozess. Bei meiner Sitzbank waren die Kanten im vorderen Bereich vom Rost völlig weggefressen. Da dies die tiefste Stelle an der Sitzbank ist, ist das natürlich auch logisch. Nach hinten hin wurde der Rostfraß immer besser, hinten wo der Haltegriff ist, war gar kein Rost zu finden. Die vorderen Kanten musste ich also neu aufbauen. Nun hätte man das alte Blech abtrennen und neu anschweißen können, aber so dünne Sachen kann ich persönlich nicht schweißen. Also kam nur ein GFK-Aufbau in Frage. Auf die Innenseiten laminierte ich eine dick gewebte Glasfasermatte, auf der Außenseite ein Glasfaservlies. Die Rundung der Kante wurde dann nach dem Aushärten des Polyesterharzes mit einer Schere geschnitten. Im Endeffekt wurde das Ganze dann sehr stabil. Die restlichen Roststellen, bei denen kein Reparaturbedarf mit GFK war, wurden mit einer Schicht Hammerite Rostschutzlack eingestrichen. Nun konnte das Kederband als Kantenschutz wieder aufgezogen werden. Ich benutzte wieder das Original, nach einer gründlichen Reinigung. Nun war es Zeit die Polsterung wieder auf das Grundblech zu kleben. Im vorderen Sitzbereich habe ich etwas Originalpolsterung abgeschnitten und durch einen dichteren Schaumstoff ersetzt. Ganz oben kam dann noch ein dünnes Zusatzpolster drauf. Zum Schluss konnte dann der nagelneue Sitzbankbezug aufgezogen werden. Dieser war von der Passform eher ... suboptimal. Oder ich habe das Ganze einfach schlecht gemacht, schließlich bin ich kein Sattler. Dort, wo die kleinen Haken zum Spannen des Bezugs weggerostet waren, habe ich den Bezug mit Heißkleber und Zwingen befestigt. Das war ein Tip aus dem Internet und funktionierte wunderbar. Letztendlich sieht die Sitzbank nun noch nicht optimal aus, aber immer noch besser als vorher.

Mittlerweile habe ich die kleine Honda seit zwei Jahren und muss im Frühjahr wieder zur HU. Zeit für ein Zwischenfazit: ich bin nicht wirklich viele Kilometer gefahren, so dass keine nennenswerte Mehrlaufleistung auf die Maschine kam. Jedoch sprang das Motorrad auch nach längerer Standzeit stets zuverlässig an und lief nach kürzester Zeit rund. Allerdings habe ich beim Abstellen auch immer peinlich genau darauf geachtet die Vergaser leerzufahren. Bis auf die etwas rupfende Kupplung und den leicht klappernden Motor läuft die Honda wirklich hervorragend! Sie dreht willig hoch, fährt sich sehr stabil, ist handlich und wendig. Auf engen, kurvigen Straßen kann man durchaus mit größeren Maschinen mithalten. Die Autobahn ist nicht ihr Revier. Hier läuft es zäh und auch der Fahrtwind ist schnell unangenehm. Mit etwas Voraussicht sind Überholvorgänge auf Landstraßen problemlos. Die Beschleunigung ist der 27 PS Klasse angemessen und gerade noch ausreichend, um etwas Spaß zu haben. Es muss allerdings hoch gedreht und eifrig im Sechsganggetriebe geschaltet werden. Den sechsten Gang kann man bei der 27 PS Version getrost als "Overdrive" ansehen. Der Verbrauch ist mit 5 Litern erfreulich niedrig, einen Ölverbrauch konnte ich bis jetzt nicht feststellen. Insgesamt also ein durchaus positives Ergebnis mit hoffentlich noch vielen schönen Kilometern in der Zukunft.

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