Marin Bear Valley SE

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-ein zeitlos schöner Klassiker-

Dieses Mountain Bike würde man heute als Klassiker oder "Old School" Bike bezeichnen. Es kommt aus einer Zeit, als Mountainbikes mit Starrrahmen noch die Regel waren, Federgabeln als teures Zubehör verkauft und vollgefederte Räder als ultrateure Exoten oder gar als Prototypen gehandelt wurden.

Wir schreiben das Jahr 1989. Mountainbikes sind in Deutschland stark im kommen. Ich habe gerade die Grundausbildung der Bundeswehr hinter mir und fühle mich topfit. Also beschließe ich mir ebenfalls ein so trendiges Fahrrad anzuschaffen. Ich kaufe mir ein Rad der Marke "Rixe", Modell "Yeti". Der Stahlrahmen ist tonnenschwer, die Anbauten sowieso, es hat Schutzbleche, Gepäckträger und eine komplette Beleuchtung. Als Geländefahrrad taugt es weniger, es handelt sich eher um ein Stadtrad im Offroad-Look. Mit anderen Worten: es erfüllt nicht wirklich meine Erwartungen. Immerhin die Übersetzung ist einigermaßen bergtauglich. Im gleichen Jahr erscheint die Erstausgabe der Mountainbike-Zeitschrift "BIKE"! Diese blättere ich immer und immer wieder durch und erfahre langsam, was ein richtiges Mountainbike ausmacht. Mein "Rixe Yeti" hat davon wenig...

Fünf Jahre später: mittlerweile ist der Wunsch nach einem "richtigen" Mountainbike größer geworden. Besonders aufgefallen sind mir die in ihrer matten Lackierung sehr edel aussehenden Räder von "MARIN". Anfang 1995 erstehe ich bei einem sehr großen Radhändler in der Gegend ein "Marin Bear Valley" in der "special edition" Ausführung (SE) für damals sensationelle 999,- Mark(!) im Originalkarton. Völlig begeistert fahre ich damit durch die Stadt, jedoch nie durchs Gelände, für das es aber eigentlich gedacht war. Lange erwäge ich sogar die Nachrüstung einer Federgabel. Doch dazu kommt es nie. Viel schlimmer: durch mangelnde Fitness (Auto und Motorrad sind ja viel bequemer und schneller) benutze ich das Rad immer weniger. Ja - viele Jahre steht es sogar nur im Keller herum. Das ist dann auch der Grund, warum es nach fast 20 Jahren immer noch so gut aussieht. Lediglich etwas Flugrost und der Kunststoff der Bremsgriffe hat irgendwie ausgeblüht. Ausserdem einige Kratzer, Macken und Schrammen weil das Rad vom einen Kellerraum in den nächsten verbannt wurde. Getauscht wurden die Reifen gegen ein etwas strassentauglicheres Profil, der Sattel gegen ein bequemeres Exemplar sowie die Pedale, weil sie stark knarzten. Ansonsten ist das Rad absolut im Originalzustand. 

Das Fahrrad selber ist trotz Stahlrahmen unglaublich leicht. Das liegt daran, daß Marin in den weniger beanspruchten Teilen des Rahmens die Wandstärke reduziert, und das bis zu zweimal (dreifach konifiziert). Gleichzeitig ist der Rahmen äusserst stabil. Die starre Gabel macht ebenfalls einen enorm stabilen Eindruck, war aber damals schon nicht mehr ganz zeitgemäß, da Federgabeln stark im kommen waren. Die meisten Anbauteile sind aus Aluminiumlegierungen, was das Gesamtgewicht weiter reduziert. Das "Shimano STX RC" Schaltwerk und die Kurbeln waren eine Sonderausstattung für die "SE" Ausgabe des Bear Valley. Die "Grip Shift" Schaltbetätigung war gerade der letzte Schrei, wobei der Trend zu Daumenhebeln schon abzusehen war. Die Schaltung arbeitet enorm leichtgängig und präzise. Auch nach all diesen Jahren ohne Feineinstellung. Die hübsch blau eloxierten Bremsen waren eine Marin Eigenentwicklung und brachten die Räder jederzeit an die Blockiergrenze, auch mit zwei Fingern! Die Bremshebel, deren Kunststoff so hässliche weisse Ausblühungen bildet, stammen von "Dia-Compe". Vorbau, Lenker und Hörnchen sind mit "Marin Lite" gelabelt. Die herrliche, matt schimmernde anthrazit-Lackierung des Rahmens war eine der Gründe, warum mich Marinbikes immer so fasziniert haben. Die Lackierung ist insgesamt immer noch in einem guten Zustand, auch wenn der Zahn der Zeit für einige Kratzer und Macken gesorgt hat. Insgesamt macht das gesamte Rad einen sehr wertigen Eindruck, auch heute noch. Auf dem Fahrrad finden sich reichlich Hinweise auf die Herkunft aus "Marin County", Kalifornien, USA - dem Geburtsort des Mountainbiking! Ob Marin damals tatsächlich in den USA produziert hat, entzieht sich leider meiner Kenntnis.

Baujahr meines Exemplars müsste Ende 1994 gewesen sein, zumindest habe ich das Herstellungsdatum auf einigen Anbauteilen gefunden. Was ich genau mit dem Fahrrad noch machen werde ist ungewiss. Ich hoffe ja immer noch, daß meine Fitness es irgendwann erlaubt das Rad zu seinem ursprünglichen Zweck zu benutzen. Dabei würde es jedoch nur leichtes Gelände sehen, für derbe Offroadpassagen wäre mir der Klassiker heute zu schade!

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