BMW R 80 GS

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Zu meiner BMW kam ich folgendermaßen: eine BMW war mit ihrem robusten, fast unzerstörbaren Motor und der ihr eigenen Leistungsentfaltung war schon immer mein Traum gewesen. Nach der Orientierungsfahrt 1999 der BMW-Niederlassung Bonn entdeckte ich im Verkaufsraum der NL eine gebrauchte, weiß / blaue R 80 GS mit kompletten blauen Koffersatz. Während die anderen Teilnehmer der Orientierungsfahrt feucht / fröhlich feierten, saß ich fast den ganzen Abend mit leuchtenden Augen auf dem Motorrad. Eins stand fest: ich hatte mich "verliebt"!

Und doch musste ich einen ganzen Tag bis Montag warten, bevor ich morgens früh bei der Niederlassung auf der Matte stand und um eine Probefahrt bat (nicht daß mir jemand zuvorkommt! Nein, niemals...). Die Probefahrt lief zufriedenstellend, nur machte der Verkäufer ein etwas seltsames Gesicht als ich meinte "sie klingt wie ein alter Käfer..."! Als ich allerdings gleich darauf eine Bestellung für das Motorrad unterschrieb war auch er zufrieden. Die Maschine sollte DM 6200,- (EUR 3130,-) kosten, aber ich konnte noch DM 200,- herunterhandeln. Für meine Suzuki, die ich in Zahlung geben wollte, bekam ich noch DM 3000,- (EUR 1510,-). Zwei Tage später gehörte die BMW mir.

Meine R 80 GS ist Baujahr 1990 und hatte beim Kauf schon über 100.000 km auf der Uhr. Zuerst schreckte mich die hohe Laufleistung etwas ab, aber der Verkäufer konnte mir mit Belegen versichern, daß der Motor bei 90.000 km schon einmal überholt worden war. Das beruhigte mich dann doch, zumal der Motor wirklich ausgezeichnet lief. Nach ca. einer Woche wollte ich die Maschine meinen Eltern vorführen. Auf der Rückfahrt kam ich in einen kräftigen Regenschauer. Plötzlich lief die Maschine nur noch auf einem Zylinder. Ich kämpfte mich gerade noch so nach hause. Am nächsten morgen lief sie wieder ganz normal, aber ich brachte sie dennoch zurück zu BMW. Dort erkannte man die Zündspule als Übeltäter. Sie hatte Haarisse. Dort drang bei Näße Feuchtigkeit ein und legte den Zündstrom für einen Zylinder lahm. Ich bekam eine neue Zündspule und der Defekt trat nie wieder auf. Wie ich später erfahren habe ist das eine recht bekannte "Krankheit" bei älteren BMWs.

Eine anderer typischer Defekt für ältere 2-Ventiler BMWs ist der Rotor der Lichtmaschine. Beim BMW-Originalteil wird anscheinend die Wicklung nicht vernünftig versiegelt und bricht nach und nach weg. Die Wicklung wird dann irgendwann unterbrochen und die Lichtmaschine liefert keinen Strom mehr. Seltsamerweise wird der Defekt NICHT durch eine leuchtende Ladekontrolleuchte gemeldet. Man bleibt einfach irgendwann stehen weil die Batterie leer ist und keinen Zündstrom mehr liefert. Wenn man Glück hat kann man dann aber noch mit ausgeschaltetem Licht ein paar Kilometer fahren. Das Originalteil ist sündhaft teuer und hält in der Regel nicht sehr lange. Beim Zubehörmarkt hat man das erkannt und bietet aufgearbeitete Rotoren im Tausch an, deren Wicklungen mit Kunstharz fest versiegelt sind. Sie halten wesentlich länger, manche Hersteller geben gar 5 Jahre Garantie. Zudem kosten diese Teile nur ca. die Hälfte des Originals. Der Rotor lässt sich ohne weiteres selber austauschen, allerdings sollte man eine Reparaturanleitung haben und die Hinweise beachten!

Mein Vorgänger hatte die BMW zur Reisemaschine umgebaut. Kofferträger samt Koffer und Topcase, tief gelegten Kotflügel und den kleinen Windabweiser von der 100 GS hatte er an- bzw. umgebaut. Die montierten Metzeler Enduro 4 Reifen sind ebenfalls rein straßenlastig aufgebaut und kommen im Gelände sehr schnell ans Ende. Ich allerdings wollte meine GS gerne als das haben was sie auch sein soll: ein Motorrad für Gelände und Straße! Also flog als erstes das Topcase samt Halter herunter. Den Halter verkaufte ich über das Internet, damit ich nie wieder in die Verlegenheit kommen konnte das Ding zu montieren. Den niedrigen Kotflügel baute ich ab und ersetzte ihn durch die hoch gelegte Variante von Acerbis. Eine Kotflügelstrebe aus Alu stabilisierte alles bei höheren Geschwindigkeiten. Sobald die Metzteler Reifen abgefahren waren zog ich Contis (CC 160) auf, die zwar auch sehr straßenorientiert sind, aber in leichtem Gelände nicht sofort schlapp machen. Zum Schluß demontierte ich sogar noch den Windabweiser, um die Originaloptik wieder herzustellen. Die Kofferhalter behielt ich, da ich mit der Maschine auch eventuell einmal verreisen wollte. Zum Schluß gefiel mir auch die Optik des hinteren Kotflügels nicht mehr, weshalb auch er gegen ein Acerbis Teil weichen musste. Eine andere optische Sache waren die verschrammten rechteckigen Ventildeckel. Ich finde, daß runde Ventildeckel viel besser zur Optik der alten 2-Ventiler passen. Der Meinung sind anscheinend noch mehr Menschen, weshalb es im Zubehörhandel passende Deckel zu kaufen gibt. Natürlich kann man sich auch die original BMW Deckel draufmachen, aber die von mir gekauften (von Wunderlich) haben noch ein paar zusätzliche Vorteile: zum einen wäre da die Aussenverschraubung. Dadurch muss man sich beim Ventile einstellen nicht mehr die Finger verrenken, um an die Verschraubung der Deckel zu kommen. Ein einfacher Inbusschlüssel von aussen reicht. Zum zweiten haben die Deckel eine Einfüllöffnung für Öl. So kann man ohne Trichter verbrauchtes Öl ersetzen. Zum Ölwechsel eignet sich die Öffnung aber nicht, da das Öl zu langsam nachläuft.

Während einer Tour mit Koffern und Gepäck stellte ich fest, daß das Heck "so komisch herunterhing" und das Fahrverhalten bei Geschwindigkeiten über 100 km/h gewöhnungsbedürftig, ja sogar bedenklich war. Die Fuhre fing an zu pendeln, daß es nur so eine Freude war. Am Zielort schaute ich nach dem Federbein. Sah ganz normal aus, kein Flüssigkeitsverlust. Bis mir irgendjemand sagte, daß das White Power Federbein, das mein Vorgänger montiert hatte, Öl- und Gasgedämpft ist. Das Gas muss sich irgendwie verflüchtigt haben, denn da dämpfte gar nichts mehr! Ich wollte wenigstens die Federvorspannung erhöhen, um das Einsacken des Hecks auszugleichen. Ich musste jedoch feststellen, daß die Verstellringe auf dem Gewinde festgefressen waren. Also musste ich die Tour vorsichtig so zuende fahren. Wieder zuhause fragte ich bei White Power an, ob man das immerhin sauteure Federbein reparieren könne. Das wäre zwar kein Problem, aber der Preis trieb mir die Tränen in die Augen... Ich sah mich nach Alternativen um und konnte glücklicherweise für kleines Geld direkt zwei gebrauchte Federbeine im Paket für die R 80/100 GS erwerben. Das eine war das Originalfederbein meiner Maschine. Das andere war das der R 100 GSPD (Paris Dakar). Da man diese einstellen konnte entschied ich mich dafür es zu montieren. Dank des BMW-Baukastensystems passte es auch problemlos und funktioniert seitdem tadellos.

Die BMW R 80/100 GS ist in meinen Augen das ideale Motorrad! Sie bildet eine gelungene Kombination aus Stadtmotorrad / Landstraßenflitzer / Reisemaschine und Enduro. Die einfache, überschaubare Technik macht es leicht, die Pflege, Wartung und sogar kleine und größere Reparaturen selbst durchzuführen. Ihre sprichwörtliche Zuverlässigkeit und Langlebigkeit erreicht sie jedoch auch nur bei gründlicher Pflege und regelmäßiger Wartung. Besonders gefällt mir an einer BMW der Motor. Die bullige Kraftentfaltung aus relativ niedrigen Drehzahlen kommt meiner Fahrweise sehr entgegen. Der tiefe Schwerpunkt und die gute Straßenlage sind ebenfalls deutliche Pluspunkte. Natürlich lässt sich eine GS aber auch ausgesprochen sportlich bewegen. Was mir nicht gefällt sind die meist nervigen Vibrationen, die ausserdem noch im Geschwindigkeitsbereich von 90-110 km/h, in dem man sehr oft fährt, besonders stark auftreten. Ansonsten erfüllt auch meine BMW eine Aussage eines deutschen Automobilherstellers: sie läuft und läuft und läuft und läuft... Allerdings entwickelt auch mein Exemplar einige seltsame Macken. Da wäre zum Beispiel das Phänomen, daß der rechte Zylinder spürbar heißer wird als der linke. So wird bei warmen Wetter der rechte Fuß gegart, während der linke normal bleibt. Da niemand dafür eine Erklärung fand beschloß ich die Sache zu ignorieren. Eine andere Macke ist die nachlassende Leistung. Die Höchstgeschwindigkeit von über 180 km/h (Tacho) erreichte die BMW eigentlich immer. Irgendwann aber wurde es ab 130 zäh und man kommt nun nur mit viel Mühe und Not auf 150-160. Man hat mir gesagt, daß das in der Regel (und vor allem bei dem Alter) an den Vergasermembranen liegt. Da sich die Sache aber nicht weiter verschlimmert und ich zudem auch in der Regel nicht so schnell fahre habe ich auch diese Sache erst einmal auf Eis gelegt und buche es einfach unter "Charaktereigenschaft der Kuh" ab.

Hinweis: im November 2004 habe ich meine Kuh wegen Familienzuwachs und des damit zwangsweise verbundenen Zeit- und Geldmangels abgemeldet. Derzeit plane ich nicht sie in den nächsten Jahren wieder zuzulassen, aber wir werden sehen...! 

Hinweis II: im November 2008 musste ich eine Entscheidung treffen! Vier Jahre stand meine Gummikuh nun herum und gammelte vor sich hin! Einen weiteren Winter im Freien wollte ich ihr nicht zumuten. Nach einer ersten Bestandsaufnahme hätte ich einiges an Geld investieren müssen, um die BMW wieder auf die Straße zu bringen. Alleine für Batterie, Reifen, TÜV und eventuell einen neuen Auspuff wären schon ein paar hundert Euro zusammengekommen. Und dann auch noch die laufenden Kosten - für ein weiteres Hobby eigentlich zu teuer. Ausserdem kann ich nach meinem Bandscheibenvorfall vorerst keine längeren Strecken mehr mit dem Motorrad fahren. So kam mir die Idee mich von meiner BMW zu trennen und mir eventuell von dem Erlös eine kleine Maschine um 200 Kubik zu kaufen. Diese wäre finanziell stemmbar und ich könnte wenigstens ab und zu einmal eine kleine Runde drehen. Nachdem ich gründlich darüber nachgedacht hatte verkaufte ich meine BMW schließlich schweren Herzens aber mit der Gewissheit das richtige zu tun! Ich hoffe der neue Besitzer hat so viel Spaß mit ihr wie ich gehabt habe!

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