Kymco Quad MXer 50

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Im Winter 2003 besorgten wir uns ein Quad, was damals noch ein echter Exot und Hingucker war. Aus Kostengründen wurde es ein Modell der 50 Kubikzentimeterklasse, damals noch nur mit dem Autoführerschein zu fahren. Später wurde diese Klasse auch für 16 Jährige mit dem Führerschein "S" freigegeben.

Wie kamen wir nun darauf, uns ein Quad anzuschaffen?? Nun, im Sommer 03 mussten wir unseren Zweitwagen, einen alten Lancia, wegen größerer Mängel endgültig auf den Schrottplatz fahren. Im Sommer / Herbst hatten wir dann auch keine Probleme zu zweit "nur" mit der BMW und dem Fiat mobil zu sein. Da die BMW aber nur bedingt bis gar nicht wintertauglich ist und ich sie zudem nicht als Alltagsfahrzeug nutzen möchte, war eine Entscheidung fällig. Ein weiteres Auto kam aus Kostengründen nicht mehr in Frage und da ich keine Lust hatte mir mit dem neuen Fahrzeug alle zwei Jahre den TÜV-Streß anzutun und zudem nicht bereit war noch mehr Steuern zu zahlen war schnell klar, daß unser neues Fahrzeug in der 50er Klasse zu suchen sein würde, da man es dann mit Versicherungskennzeichen fahren könnte. Die klassische Version wäre nun ein Roller gewesen, aber der sagte mir damals noch nicht zu. Ausserdem müsste man ihn bei Glätte stehen lassen. Die Suche konzentrierte sich nun auf eine Ape 50 von Piaggio (das ist ein dreirädriger Lastenroller mit Kabine) oder eben ein Quad. Meine Frau tendierte zur Ape, ich zum Quad. Nun wäre es um ein Haar auch eine Ape geworden, aber der Gebrauchthändler konnte nicht liefern und so bestellte ich, mittlerweile des Wartens satt, im Dezember 2003 das Quad.

Warum ausgerechne dieses Kymco-Quad?! Auf der Suche nach einem passenden Quad der 50er Klasse stieß ich schnell auf gewisse Grenzen. Viele der angebotenen Fahrzeuge waren einfach zu klein für meine Größe und meine Gewichtsklasse. Ganz in der Nähe gibt es einen Händler, der Adly-Quads verkauft (diese wurden z.B. auch von Quelle und div. Baumärkten angeboten). Beim Probesitzen stellte ich fest, daß ich beim Einschlagen des Lenkers gegen meine Knie stieß und meine Schuhe kaum auf die Trittbretter passten. Zugegebenermaßen sah es recht seltsam aus, wenn ich so als erwachsener Mann auf diesem kleinen Fahrzeug saß - ein bißchen so wie das viel zitierte "motorisierte Bobby-Car". Leider sind fast alle Quads der 50er Klasse in dieser Größe gehalten, aber es gibt Ausnahmen. In div. Internetforen wurde ausserdem oft die schlechte Qualität dieser Quads bemängelt. Ausserdem wäre es doch schön, wenn ich mit meiner Frau zu zweit auf dem Quad fahren könnte. Nun schränkte sich das Angebot schon deutlich ein - wenn ich richtig recherchiert habe, gab es zu diesem Zeitpunkt überhaupt nur drei 50er Quads, die eine 2-Personen Zulassung hatten. Zwei von diesen waren nun wieder zu klein oder hatten eine zu geringe Zuladung, also blieb das Kymco als einziges Quad übrig. Glücklicherweise fand ich eine sehr gute Internetseite mit einem lebhaften Forum über die Kymco-Quads. Hier konnte ich mich gründlich über das Fahrzeug informieren. Die durchweg positiven Urteile über die Quads haben mich dann überzeugt, daß dieses Quad das Richtige für uns ist, und so habe ich es dann bei unserem nächsten Kymco-Händler bestellt. 

Ds Fahrverhalten eines Quads ist entschieden anders zu allem was man vielleicht vorher schonmal gefahren hat. Die ersten Meter waren jedenfalls sehr gewöhnungsbedürftig. Durch das fehlende Differenzial an der Hinterachse schiebt das Quad gnadenlos über die Vorderräder, die schmale Spur und die Ballonreifen (nur 0,5-0,8 bar) sorgen für ein sehr ungutes Gefühl bei Fahrbahnkanten und Spurrillen. Wer versucht das Quad wie ein Zweirad zu fahren, fällt in der ersten Kurve garantiert auf die Nase. Ein Quad will auch aktiv gefahren werden, also mit Körpereinsatz! Es dauerte einige Kilometer, bevor ich das Fahren mit dem Quad so richtig genießen konnte. Am ehesten lässt sich das Fahrverhalten mit einem Motorradgespann vergleichen, mit dem Unterschied daß man Rechts- und Linkskurven genau gleich fahren muss. Das Kymco Quad ist mit einer Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h zugelassen und viel schneller fährt es auch nicht! Vielen Menschen erscheint das furchtbar langsam, aber wer des Quad einmal gefahren ist und es danach mit leuchtenden Augen anstrahlt (war bisher bei jedem der Fall), erwähnt die Geschwindigkeit nicht mehr. Ich möchte dazu nur soviel sagen: es reichte mir in der Stadt (vorerst) vollkommen aus! 

Technische Daten Kymco MXer 50 Quad, Modelljahr 2003
Motor: gebläsegekühlter, Einzylinder-2-Takt Rollermotor mit Getrenntschmierung
Hubraum: 49,5 ccm
Leistung: 3,1 kW (4,2 PS) bei 6250 U/min
Zündung: elektronische, kontaktlose CDI Zündung
Batterie: 12 V / 4 AH, komplette Bordelektrik auf 12V Basis
Starter: Elektro- und Kickstarter
Kupplung: automatische Fliehkraftkupplung
Getriebe: stufenlose Variomatik mit Riemenantrieb
Endantrieb: über Ritzel / Kettenrad via O-Ring Kette
Rahmen: lackierter Stahlrohrrahmen
Vorderachse: Einzelradaufhängung an (Mono-) Dreieckslenkern mit je einem Federbein
Hinterachse: Starrachse ohne Differential mit einstellbarem Zentralfederbein
Bremse vorne: Eine Simplextrommelbremse pro Rad mit Feststellmechanismus am Handbremshebel
Bremse hinten: hydraulische Scheibenbremse, direkt auf die Hinterachse wirkend, mit Stahlflexbremsleitung
Reifen vorne: Niederdruck-Geländebereifung 20x7-8
Reifen hinten: Niederdruck-Geländebereifung 22x10-8
Sitzplätze: volle 2-Personen-Zulassung mit entsprechender Sitzbank und Trittbrettern
Länge: 1685 mm
Breite: 980 mm
Höhe: 1010 mm
Sitzhöhe: 660 mm
Leergewicht: 150 kg
Zuladung: 180 kg
Tankinhalt: 8,1 Liter Normalbenzin inkl. Reserve
Reichweite: ca. 140 km
Höchstgeschwindigkeit: 40 km/h
Sonstiges: -elektronischer, beleuchteter Tachometer mit Anzeige der Geschwindigkeit, Gesamtdistanz, Tagesdistanz, Uhrzeit und Stoppuhr
-komplette Blinkanlage, 12V 5W
-abnehmbare Sitzbank mit (kleinem) Stauraum darunter
-sehr heller H-4 Scheinwerfer mit Fernlicht
-recht laute Hupe
-Warnleuchten für Blinker, Fernlicht und Zweitaktöl
-Schutzbügel für Bremsscheibe und Kettenrad
-Verkleidung aus durchgefärbtem Kunststoff
-keine Helmpflicht (bis 2005)
-zwei Jahre Werksgarantie

 

Wie ist es denn nun, mit einem solch ungewöhnlichen Gefährt unterwegs zu sein?? Erstmal muss gesagt werden, daß ein Quad immer noch die Aufmerksamkeit der Umwelt auf sich zieht. In der Praxis bedeutet das, daß man kaum irgendwo ungestört herumfahren kann. Also sollte man sich sein Fahrterrain -vor allem was Geländefahrten angeht- sehr sorgfältig aussuchen... Fahrten auf der Straße verlaufen zumeist unspektakulär. Bodenwellen und Löcher schütteln einen wegen der harten Federung ordentlich durch, ausserdem läuft das Fahrzeug jeder Spurrille und Längsfräsung nach. Nach einiger Eingewöhnungszeit fällt einem das aber kaum noch auf. In der Stadt ist die Geschwindigkeit noch ausreichend. Leider passiert es immer wieder, daß ungeduldige Zeitgenossen beim Überholen fast die Seitenverkleidung abrasieren. Daß man sich an der nächsten Ampel sowieso wiedersieht, ist völlig egal. Irgendwie scheint ein kleines Kennzeichen eine Art "Überholzwang" auszulösen - koste es was es wolle. Ausserhalb der Ortschaften habe ich die Erfahrung gemacht, daß es in der Nähe von Städten zu teilweise haarsträubenden Überholvorgängen kommt. Besonders "Berufskraftfahrer" tun sich hier deutlich hervor - als wenn sie Sonderrechte im Verkehr besäßen. Am schlimmsten sind Lieferwagen- und LKW Fahrer, Taxen und sehr oft die Fahrer von kleineren Schulbussen! Überholen im Überholverbot ist da das geringste Übel - Überholen bei Gegenverkehr und Abdrängen in den Straßengraben gehören zu den haarsträubenden Vorgängen, die mir fast täglich passieren!!! Nur eine höchst defensive Fahrweise bewahrt einen hier vor Schaden! Aber ich möchte nicht pauschal urteilen: Diejenigen, die sich beim Überholen korrekt verhalten sind (noch) in der Mehrzahl, prägen sich aber selbstverständlich nicht so im Gedächtnis ein! Je weiter man auf´s Land hinausfährt, desto geduldiger werden aber die anderen Verkehrsteilnehmer. Anscheinend ist man hier langsamere Fahrzeuge aus der Landwirtschaft gewohnt. Aber seien wir mal ehrlich: auf einer Landstraße kommt einem das Quad schon arg langsam vor! Trotzdem wundert man sich, wie viele Kilometer man in kurzer Zeit zurücklegen kann. Ich kann damit leben, ab und zu kann man sogar den einen oder anderen Traktor überholen...

Zu den Fahrleistungen: wenn der Radumfang im Tacho richtig eingestellt ist (zwischen 182-185cm - selbst nachgemessen) und der Tacho "mal nicht spinnt" zeigt er die tatsächliche Geschwindikeit SEHR genau an. Diese liegt in der Regel zwischen 40 und 42 km/h. Wei wärmerem Wetter läuft der Motor besser als an kalten Tagen, was u.A. auf die Zwangskühlung zurückzuführen ist. Die Geschwindigkeit ist auch deutlich vom Wind abhängig und dies kann je nach Windstärke bis zu +/- 5 km/h ausmachen. Auch führen leichte Steigungen schon zu deutlich spürbarem Geschwindigkeitsverlust, dafür geht´s dann an Gefällstrecken umso schneller! Trotzdem gibt sich der Motor erstaunlich zäh und wenn die Fuhre erstmal in Gang ist werden auch mittlere Steigungen zwar mit reduzierter, aber immer noch akzeptabler Geschwindigkeit gemeistert. Auch mit voller Beladung oder zu zweit ist auf geraden Strecken immer die Höchstgeschwindigkeit drin! So richtig mies läuft das Quad an kalten, nassen Tagen. Die Gasannahme ist dann ganz miserabel, die Höchstgeschwindigkeit mühsam und der Motor rappelt und geht an jeder roten Ampel aus. Am besten läuft´s bei Temperaturen um 20 Grad, dann ist das Quad kaum wiederzuerkennen, schnurrt geradezu behende dahin und macht so richtig viel Laune!

Nun aber zu den Sachen, die richtig Spaß machen: Fahrten in leichtem Gelände. Ich betone hier ausdrücklich "leichtes Gelände" - für schwere Cross-Einlagen ist das Quad weder gebaut (einfache A-Arme vorne, eher geringe Federwege,...), noch hat der 50er Motor genug Kraft um z.B. längere Steilanstiege zu schaffen. Mein erster Geländeausflug führte auf eine große Baustelle, die (noch) nicht mit Verbotsschildern gesperrt war. Hier konnte ich durch Sand, Kies, Geröll, Matsch und Lehm kurven, dazu kleine und sehr große Pfützen. Hier macht das Quad irre Spaß - die Grenzen bekam ich erst aufgezeigt, als ich mich in ein sehr tiefes Schlammloch verirrte, wo ich bis zu den Achsen einsank - hier ging dann nichts mehr und Muskelkraft war angesagt. Besonders interessant fand ich es, wie weit ich auf zugefrorene Pfützen fahren konnte, bevor das Quad durch die Eisdecke brach - der geringe Bodendruck der Niederdruckreifen macht sich hier bemerkbar. Ein anderes Quadgelände in der Nähe ist ein neues Industriegebiet, wo die meisten Grundstücke noch unbebaut sind. Hier kann man schön trialmäßig über die Wiesen und Hügel fahren - auch kurze Steilauffahrten sind drin, sie sollten aber nicht zu lang sein. Unglaublich, wo man überall langfahren kann... Ein weiteres schönes Areal befindet sich an einem hiesigen Fluß. Dort kann man sehr schön über Sand und Kies fahren. Viele ausgewaschene Baumwurzeln erfordern trialmäßiges Geschick. Bei niedrigem Wasserstand sind Wasserdurchfahrten und schmale Pfade am Ufer eine Wucht! Dabei passe ich stets auf, daß ich weder jemanden störe, noch etwas grundsätzlich Verbotenes tue, obwohl man manchmal Schilder etwas "liberal" auslegen muss...

So richtig Spaß bekommt man, wenn es geschneit hat, was bei uns im Rheinland leider äusserst selten vorkommt. Anfangs hatte ich die Befürchtung, daß das Fahrverhalten bei Glätte wegen der Starrachse etwas schwierig sein könnte - dem ist aber nicht so! Im Gegenteil, ich habe ein sehr sicheres Gefühl auf dem Gefährt. Das Heck bricht kaum von selbst aus - und wenn, ist es kinderleicht wieder einzufangen. Extrem viel Spaß machen mit Absicht herbeigeführte Slides. Mit ein bißchen Übung und viiiieeeeel Gas kann man sogar mit dem kleinen 50ccm Motörchen locker Kreise in den Schnee zaubern. Drifts gelingen kinderleicht und sind sehr gut kontrollierbar. Vorsicht nur, wenn man beim Driften oder Kreiseln in ein Schlagloch gerät oder auf ein Stück griffigen Asphalt kommt: das Quad ist schneller umgekippt als man denkt... Also lieber eine größere glatte Fläche mit unberührten Schnee oder Eis aussuchen, dann klappt´s auch mit den Kringeln. Mit tieferem Schnee oder sulzigem Schneematsch hat das Quad ein bißchen Probleme. Der Rollwiderstand ist dann wegen der breiten Reifen so groß, daß das kleine Motörchen ordentlich zu ackern hat. Meist bemerkt man dies am deutlichen Geschwindigkeitsabfall. Ich denke deshalb, daß das Quad in Schneeverwehungen oder Tiefschnee stecken bleiben würde. 

Der große Gepäckträger macht es durchaus möglich, auch größere und sperrige Gegenstände zu transportieren. Mein erster Versuch, zwei Wasserkästen zu transportieren, endete in einem kleinen Menschenauflauf vor dem Getränkemarkt... :-) Der Transport selber stellt überhaupt kein Problem dar!

 

 

 

Im Februar 2004 kam meinem Quad eine besondere Ehre zuteil: es fuhr als Priatenschiff umgebaut im rheinischen Straßenkarneval mit. Der Zug fand in Witterschlick bei Bonn statt und mein Quad war der Star des Zuges. In mühevoller Kleinarbeit hatten die Mitglieder unserer "Piraten"-Fußgruppe dem Quad ein einzigartiges Kleid aus Holz und Pappe verpasst.

 

  

Mein Quad war eine ständige Baustelle. Irgendwie habe ich es mehr als "Experimentalfahrzeug" gesehen. Ein richtig ausgereiftes, vollwertiges Vehikel als Autorsatz war es im Grunde genommen nie. Abgesehen von den Schwächen, die konstruktionsbedingt waren und im Laufe der Baureihe abgestellt wurden (gerissene Krümmer, defekte Tachos, durchgebrannte Glühbirnen, Korrosion, lockere Radnaben), war ich bestrebt mein Quad immer weiter zu verbessern. So dachte ich mir zahlreiche Umbauten aus, die mein Fahrzeug letztendlich individuell und einzigartig machten. Nach etwa zwei Jahren konnte man sagen, daß ich das Quad "perfektioniert" hatte.

Nach ziemlich genau zwei Jahren fing das Quad an unzuverlässig zu werden. Es sprang nur noch unwillig an, nahm sehr schlecht Gas an und ging plötzlich aus. Mein Händler gab sich sichtlich Mühe dem Fehler auf die Spur zu kommen, musste aber letztendlich aufgeben. Ein unzuverlässiges Fahrzeug konnten wir jedoch nicht gebrauchen, da ich täglich damit ins Büro fahren musste. Da mir insgeheim die Geschwindigkeit des Quads doch etwas zu langsam war und man es auch nicht mit "Tricks" (legal oder illegal) schneller machen konnte gab ich es in Zahlung und kaufte einen 50er Roller.