BMW K 75 S

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Zwei Jahre habe ich meine Honda zwecks Wiedereinstieg gefahren, da kam der Wunsch auf ein Motorrad zu besitzen, dass ein wenig mehr Leistung hat und etwas soziustauglicher ist. Eigentlich war ich noch gar nicht soweit, um mich wieder auf dem Markt umzuschauen, da ergab sich wiederum eine äußerst günstige Gelegenheit, bei der ich einfach nicht "nein" sagen konnte...

Der selbe Freund, der mir schon so erfolgreich und günstig die Honda vermittelt hatte schrieb mir eine E-Mail mit dem Inhalt, dass er gerade mein neues Motorrad gekauft hätte. Etwas verwirrt bat ich um etwas mehr Information, da ich mit der etwas kryptischen Botschaft nicht viel anzufangen wusste. Nach und nach kam ich dann der Wahrheit auf die Spur. Er hatte die K 75 über einen Motorradverein angeboten bekommen, bei dem wir beide Mitglied sind. Da sie äußerst günstig zu haben war, hat er sie kurzerhand gekauft. Dieser Kauf war ohne Risiko, da man sie sofort mit Gewinn wieder hätte verkaufen können. Eigentlich wollte er sie für seine Sammlung behalten, musste dann aber erkennen, dass der Gesamtzustand nicht ganz seinen Ansprüchen entsprach. Da er von meinen Überlegungen wusste, bot er mir die Maschine dann zu seinem Einkaufspreis von 700,- Euro an. Im Grunde meines Herzens bin ich schon immer BMW-Fan gewesen (was Motorräder angeht) und trauerte meiner R 80 GS so manche Träne hinterher. Da musste ich auch gar nicht lange überlegen, da die K 75 S wirklich alle meine Vorgaben und Wünsche erfüllte. Tja, und so kam ich letztendlich ganz unverhofft zu meiner marrakesch-roten BMW K 75 S.

An dieser Stelle ein kurzer geschichtlicher Überblick über die BMW K Reihe. Ende der 70er Jahre war man bei BMW der Meinung, dass das Entwicklungspotential des Boxermotors bei Motorrädern am Ende war (wie unrecht man doch hatte...!) und suchte nach Alternativen. Die Antwort war ein Vierzylinder Reihenmotor, wie ihn fast alle anderen Motorradhersteller auch im Angebot hatten. Aber BMW wäre nicht BMW, wenn man nicht auch daraus etwas Besonderes gemacht hätte... So wurde der Vierzylinder in Längsrichtung liegend eingebaut und war zudem mittragend. Das Getriebe wurde separat an die Rückseite angeflanscht (wie beim PKW) und natürlich der BMW-übliche Kardanantrieb realisiert. Die K 100 mit 987 Kubikzentimetern und 90 PS kam 1983 auf den Markt und verkaufte sich vom Start weg gut. Schnell schob BMW eine Reise- (K 100 RT/LT) und eine Sportvariante (K 100 RS) nach. Die K 100 war außerdem das erste Serienmotorrad, für das ein ABS-System lieferbar war. Von Anfang an plante BMW auch eine kleinere Version mit 750 Kubikzentimeter Hubraum. Hierzu kürzte man den Motor einfach um einen Zylinder und baute eine Ausgleichswelle ein, um Vibrationen abzufangen. Der Dreizylinder baute natürlich deutlich kompakter und leistete 75 PS. Auch hier gab es wieder eine Touring- (K 75 RT) und eine Sportvariante (K 75 S). Vorläufiger Höhepunkt war die Vorstellung der längst zum Klassiker gewordenen K 1 mit strömungsoptimierter Vollverkleidung. Die K-Reihe wird auch heute noch gebaut, freilich mit noch mehr Hubraum und anderen Modell- und Ausstattungsvarianten. Die "alten" Ks haben sich einen guten Ruf erworben, da sie als sehr langlebig und natürlich gut verarbeitet gelten. Laufleistungen von mehreren 100.000 Kilometern sind keine Seltenheit. Die K 75 galt als besonders laufruhig und zuverlässig, weshalb sich viele Behörden (Polizei, DRK, Feldjäger...) zum Kauf dieser Maschine entschlossen, meist in der RT Version.

Angaben zum Fahrzeug:
BMW K 75 S
Farbe: marrakeschrot
Erstzulassung: 04/1991
Motor: quer liegender BMW Dreizylinder Reihenmotor mit angeflanschtem Getriebe, wassergekühlt
Hubraum: 740 ccm
Leistung: 55 kW (75 PS) bei 8500 U/min
Eingetragene Vmax: 204 km/h
Reifen: vo - 100/90 V 18; hi - 130/90 V 17
Leergewicht: 229 kg
Gesamtgewicht: 480 kg
Ausstattung: Heizgriffe, ABS, Warnblinker, Gepäckträger mit zwei BMW System-Koffern, Haupt- und Seitenständer, Werkzeugsatz, erhöhter Lenker (von der K 75 RT), einstellbare Gabelkartuschen

Nachdem ich die K 75 nun einige Kilometer gefahren habe möchte ich ein paar Eindrücke wiedergeben! Zuerst fällt natürlich auf, dass sie immer zuverlässig anspringt. Das ist sicher der Einspritzung zu verdanken, die damals alles andere als "normal" war. Sie braucht zwar immer etwas "Choke" (bei einer Einspritzung eher eine Standgasanhebung), läuft aber dann zuverlässig. Bis sie warm ist, kann sie bei sehr niedrigen Drehzahlen beim Gasgeben etwas unwillig schütteln und rappeln, aber das legt sich schnell. Schon nach wenigen Minuten kann man den seidenweich-turbinenartig laufenden Motor genießen. Die Beschleunigung ist bei jeder Situation gut, auch aus niedrigen Drehzahlen zieht die Maschine gut weg - was meiner Fahrweise sehr zugegen kommt. Die Höchstgeschwindigkeit habe ich noch nicht ausprobiert, da das hintere Federbein total "ausgelutscht" ist. Aber knapp 180 km/h laut Tacho sind ja auch schon ein Wort. So richtig Spaß macht es mir dann ohnehin nicht mehr. Mein Ding ist das leicht sportliche Landstraßenbummeln, und das kann sie gut. Auch deswegen, weil der etwas breitere und höhere Lenker der RT verbaut ist. Die Sitzposition ist dennoch erheblich sportlicher als bei meinem Vorgängermotorrad, der Honda CB 450. Das ABS habe ich nur einmal kurz bei Schrittgeschwindigkeit auf einem Schotterparkplatz ausprobiert. Der etwas längere Regelinterwall des BMW ABS-1 fühlt sich leicht seltsam an, aber gut zu wissen dass es da ist, wenn man es einmal braucht. Gut gefällt mir das vollständige Cockpit, nur eine Bordsteckdose könnte ich mir noch vorstellen, für ein Navi. Die Halbverkleidung an der Front hält den Wind bei höheren Geschwindigkeiten ganz gut vom Oberkörper weg. Die Sitzbank ist BMW-typisch sehr bequem, jedoch der Bezug etwas glatt. Da man aber in einer "Kuhle" sitzt, geht das noch. Für einen Beifahrer ist auch noch genug Platz und dank satter Zuladungskapazität ist man auch mit zwei kräftigeren Menschen legal unterwegs. Dank eines ausklappbaren Hebels bekommt man die 230 Kilo ganz gut auf den Hauptständer gewuchtet. Ich allerdings benutze ausgesprochen gerne den Seitenständer, den man auch im Sitzen lässig mit dem Hacken ausklappen kann... :-) Allerdings steht die BMW dann sehr schräg. Um das Fahrwerk zu verbessern hat mein Vorgänger an der Gabel einstellbare Federkartuschen vom italienischen Hersteller "motorquality spa". Mangels Vergleich kann ich nicht sagen ob sie besser sind als die Originalfedern, aber die Gabel fühlt sich recht solide an. An der Verstellung habe ich bislang nichts geändert. Wie schon erwähnt ist das original Federbein schlapp. Beim Fahren mit Sozius schlägt es bei voller Federvorspannung gnadenlos durch, obwohl die Maximalbeladung noch lange nicht erreicht ist. Fährt man solo, so merkt man vom verschlissenen Federbein nicht so viel, außer dass die Fuhre bei höherer Geschwindigkeit unstabil wird.

Ein schöner Bonus zum Motorrad sind die schicken und vor allem sehr funktionellen BMW-Systemkoffer. Meine haben sogar das BMW-Logo und den "Touring" Schriftzug, was damals Aufpreis pflichtig war! Die Koffer sind insgesamt in einem ordentlichen Zustand, nur wahrscheinlich nicht mehr dicht, da sie sich am Deckel leicht ausbeulen. Die Koffer lassen sich an jedem BMW Motorrad mit dem Systemgepäckträger befestigen. Die insgesamt sechs Schlösser lassen sich allesamt mit einem einzigen Schlüssel betätigen. Von diesem Schlüssel habe ich direkt drei Stück mitbekommen. Das Befestigungssystem ist ausgereift und einfach, sowie solide und sicher. Dass sich die Koffer harmonisch in die Gesamtlinie des Motorrads einfügen, sollte hier auch noch erwähnt werden.

...wird fortgesetzt...

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