Renault Twingo 1,2 -Liberty-

Drucken

 

... Twingo - der macht die Welt verrückt ...

Dieser Bericht soll all jene ansprechen, die auch einen Renault Twingo besitzen oder den Kauf eines solchen in Erwägung ziehen. Da die Erfahrungsberichte meines Fiat Punto und des Renault Kangoo laut Webstatistik mitunter meine erfolgreichsten Seiten sind, habe ich mich entschlossen unsere Erfahrungen über unser neues Auto ebenfalls hier weiterzugeben. Dieser Bericht wird im Laufe der Zeit mehrmals ergänzt werden, also einfach öfters mal vorbeischauen!

Kaufentscheidung / Fahrzeugwahl:
Seit Ende 2003 fuhr ich jeden Tag mit einem offenen Fahrzeug ins Büro. Anfangs mit dem etwas anfälligen Quad, später mit dem sparsamen Roller. Aus Kostengründen war das eine vernünftige Lösung. Allerdings kamen mir nach dem völlig verregnetem Sommer 2007 und der langen Frostperiode am Anfang des Winters Zweifel an dieser Art der Fortbewegung. Ja, man könnte durchaus sagen, daß ich "Weichei-Allüren" an den Tag legte. Da sich unsere Einkunftssituation zudem deutlich verbessert hatte, entschlossen wir uns wieder einen Zweitwagen anzuschaffen. Damit begann eine lange Suche nach einem bezahlbaren Gebrauchtwagen. Als Limit hatten wir 4000,- Euro angesetzt, und dafür war auch dem Markt schon einiges zu bekommen.

Da ich mir jeden Tag in der Bonner Innenstadt eine Parkplatz würde suchen müssen kam ich auf die Idee mich nach einem Smart umzusehen. Für den zur Verfügung stehenden Betrag war auch eine gewisse Fahrzeugauswahl vorhanden. Eigentlich war die Entscheidung pro Smart dann auch schon gefallen. Je mehr ich mich auf einschlägigen Webseiten jedoch in die Materie Smart einlas, desto unsicherer wurde ich. Die kleinen Motörchen waren anscheinend nicht für höhere Laufleistungen ausgelegt und Reparaturen am Smart gehören eher zur sehr teuren Sorte, was Teile und Arbeitszeit angeht. Und da war ja auch noch das Argument, daß ich im "Fall der Fälle" ja noch nicht mal meine gesamte Familie im Auto würde unterbringen können... Nachdem ich mir ein paar Smarts angesehen hatte, die durch die Bank Kilometerstände weit jenseits der 100.000 km aufzuweisen hatten musste ich feststellen, daß bei unserem Limit kein vernünftiges Preis-/Leistungsverhältnis zusammenkommen würde und ich verabschiedete mich vom Smart-Gedanken!

Als nächstes beschäftigte ich mich mit dem Suzuki Samurai. Wir hatten uns den Wagen einmal während eines Mallorca Urlaubs geliehen und ich war von diesem Erlebnis nachhaltig beeindruckt. Das ist zwar kein komfortables Auto, aber es ist klein, witzig und macht einfach Spaß! Ersatzteile wären auch sehr günstig zu bekommen, Reparaturen also kein größeres Problem. Es standen auch genügend Gebrauchtfahrzeuge zur Verfügung die sicher einen genaueren Blick wert gewesen wären, jedoch gab es auch hier einen gewaltigen Haken: erstens ist die Steuer wegen der schlechten Abgaseinstufung ziemlich hoch und zweitens ist der Verbrauch des permanent-allradgetriebenen Fahrzeugs enorm! Da Sprit ja immer teurer wird fiel leider auch dieses Auto bald aus dem Suchraster! Die laufenden Kosten wären einfach zu hoch gewesen.

Nun fragt sich sicher so mancher Leser, warum ich mich nicht einfach auf dem riesigen Markt der Polo, Corsa und Fiestas umgesehen habe...?! Hier gibt es ein fast unüberschaubares Angebot, wobei man sicher für jeden Preis etwas adäquates bekommen kann. Nun, das ist etwas schwer zu erklären. Bei einem Zweitwagen steht die Vernunft vielleicht nicht immer an erster Stelle. Hier kann man auch einmal etwas "herumspinnen" und über ein Fahrzeug nachdenken, daß "etwas anders" ist. Der Smart wäre sicher "etwas anderes" gewesen, genau wie der winzige Geländewagen Suzuki Samurai. Ein Polo & Co. war mir einfach zu ... naja, "normal" halt. Ein kleines Cabrio wäre z.B. auch spaßig gewesen, aber auch teurer.

Nachdem ich meine Träumereien und Spinnereien nach und nach einstellen musste kam ich irgendwann auf den Renault Twingo. Der spukte mir schon immer im Kopf herum... Mit seinem fast immer vorhandenem riesigen Faltdach hat er schon fast etwas von einem Cabrio und auch der enorm variable Innanausbau ist alles andere als "normal". Zumindest zum Zeitpunkt als er vorgestellt wurde... Tja, Twingo - warum eigentlich nicht...?! Ein guter Kompromiss zwischen "Vernunft" und "Spaß". Wie hiess es noch damals?! "Twingo - der macht die Welt verrückt". Mal sehen was es mit diesem Spruch so auf sich hat!

Angaben zum Fahrzeug:
Renault Twingo 1,2 Modell "Liberty"
Farbe: Weiß
Erstzulassung: April 1998
Hubraum: 1149 ccm
Leistung: 43 kW (59 PS) bei 5250 U/min
Kilometerstand: 94.000
Eingetragene Vmax: 151 km/h
L: 3,43m B: 1,63m H: 1,42m
G-Kat, Schadstoffarm D3
Anhängelast: 445 / 600 kg
Reifen: 145/70 R 13, beim Kauf montiert: GoodYear Vector 3 Ganzjahresreifen mit M+S Kennung
Inspektionsintervall: jährlich
ein Jahr Gebrauchtwagen-Gewährleistung
Anzahl Vorbesitzer: 1 (zzgl. Autohaus-Tageszulassung)
Renault Service-Heft mit lückenlosem Inspektionsnachweis
Die Serienausstattung des Modells "Liberty": zwei Airbags (Fahrer-, Beifahrer), Gurtstraffer, Colorverglasung, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung mit IR-Fernbedienung, elektrisch verstellbare Aussenspiegel, elektronische Wegfahrsperre, Panorama-Faltschiebedach, Uhr, Fünfganggetriebe, Dreipunkt Gurte hinten, asymetrisch geteilte klappbare Rückbanklehen und verschiebbare Rückbank
Kostenpflichtige Sonderausstattung unseres Wagens: Radio mit Lautsprechern vorne

Fahrzeugsuche und -kauf:
Schonmal ein günstiges gebrauchtes Fahrzeug im Internet gesucht...?! Und gehört ihr auch eher zu den Leuten die lieber vom Händler kaufen..?! Dann wisst ihr ja so etwa was nun auf mich zukam. Anzeigen für Twingos gab es zur genüge, jedoch waren diese fast immer von Privat oder von "Hassan Gebrauchtwagenhandel, kaufe jedes Auto. Gebe Fahrzeug nur ab für Export oder an Händler"... Klar, die Jungs wollen sich vor der Gewährleistung drücken. Das muss ja nichts Schlimmes bedeuten, aber hättet ihr bei so einem Wagen ein gutes Gefühl...? Ich nicht. Und so wurde die Suche im Internet schon schnell ein wenig frustig. Besser man schaut sich persönlich mal bei diversen Händlern um. Interessanterweise befindet sich direkt im Nachbarort, nur wenige hundert Meter von uns entfernt, ein Gebrauchtwagenhändler / Fachwerkstatt mit einem sehr guten Ruf. Mein Nachbar ist Kunde dort und immer sehr zufrieden. Vom Vorbeifahren wusste ich, daß dort mindestens zwei Twingos standen. Um überhaupt mal ein echtes Gefühl für Abmessungen und Ausstattung eines Twingos zu bekommen ging ich einfach mal vorbei und schaute mich um. Tja - und da stand er dann! Genau mein Twingo, so wie ich ihn haben wollte! Quasi direkt vor meiner Haustür. Völlig unverbastelter, hervorragend gepflegter Originalzustand. Alles passte, nur der Preis erschien mir etwas hoch. Selbstverständlich habe ich ihn mir dann etwas genauer angesehen. Auch eine Probefahrt machte ich am gleichen Tag. Den Preis konnte ich dann noch um satte 500,- Euro runterhandeln. Tja, was sagt man dazu - nun stimmte wirklich alles. Am nächsten Tag schaute ich mir das Auto nachmal zusammen mit meiner Frau an. Nachdem auch sie zugestimmt hatte, unterschrieb ich noch am gleichen Tag den Vertrag. Ein paar Tage später wechselte der Twingo für 3500,- Euro den Besitzer. Vorher bekam er noch eine Inspektion, eine neue Batterie, einen neuen Zahnriemen, sowie frischen TÜV/AU.

Erfahrungen:
Mal Zeit darüber nachzudenken, was ich so über den Twingo weiss...! Vorgestellt wurde er 1992, in Deutschland war er ab 1993 erhältlich. Bis Ende 2007 wurde er fast unverändert gebaut, was einer fast unglaublichen Modelllaufzeit von 14 Jahren entspricht. Es gibt nicht viele Autos die das schaffen! Der neue Twingo Jahrgang 2008 hat leider nichts mehr mit dem "frechen Image" seines Vorgängers gemein. Damals war das Auto eine Sensation. Das fing bei der Korosserieform an, ging an den Armaturen weiter und hörte beim variablen Innenraum auf. So etwas hatte es noch nie gegeben. Auf die Vorzüge des Autos werde ich natürlich noch im Detail eingehen. Der Twingo gehört übrigens zum sogenannten "A-Segment", daß ist das was wir unter "Kleinstwagen" kennen. Während seiner drei Modellphasen, die für einen Laien optisch kaum zu unterscheiden sind, wurde er rund 2,5 Millionen mal gebaut. In Deutschland war er stets sehr beliebt, gut ein Fünftel der Gesamtproduktion ging nach Deutschland. Wenn man dem Glauben schenken darf, was man so hört und liest, dann hat der Twingo sogar schon Kultstatus erreicht, zusammen mit Käfer, Mini und Co. Es ist wirklich mehr als zweifelhaft, ob die neue Modellgeneration 2008 das schaffen kann...

Fangen wir einfach mal aussen an! Die Karosserie sieht ja schonmal recht ungewöhnlich aus. So eine Mischung von Kombi und Kleinbus. Die Frontscheibe ist sehr weit heruntergezogen, die Motorhaube entsprechend kurz. Zwei riesige Türen gibt es noch zu bestaunen, mit ungewöhnlichen Türgriffen. Das Heck wirkt schon fast "normal", komplett mit Heckklappe, so wie man das von Kleinwagen kennt. Aber die Front, ja die Front... Geradezu freundlich schaut einen der Kleine mit seinen Kulleraugen-Scheinwerfern an, die deutlich aus der Motorhaube herausstehen. Dann gibt es da noch drei "jecke" kleine Lufthutzen auf der Haube. Die riesige Frontscheibe wird von einem nicht minder kleinen Einarmwischer saubergehalten. Alles in allem ein ungewöhnlicher, fröhlicher Anblick, dem nicht nur die Frauen verfallen. Mit einem 80% KundinnenAnteil wird der Twingo gerne als "Frauenauto" bezeichnet. Was natürlich nicht heisst, daß nicht auch Männer damit glücklich werden können. ;-)

Öffnen wir also die riesigen Türen (unpraktisch auf engen Parkplätzen!) und setzen uns hinein. Halt! Erst noch den Wagen mittels der IR-Fernbedienung im Schlüssel entriegeln. Dabei muss man relativ genau auf den Sonsor am Innenrückspiegel zielen, sonst funktioniert es nicht. Der erste Aha-Effekt ist das Raumgefühl! Dadurch, daß die vier Räder wirklich an den äussersten Enden der Karosserie verbaut sind, hat man einen sehr üppigen Innenraum. Die Frontscheibe ist sehr weit weg, das ergibt zusätzlichen Raum. Erst auf den zweiten Blick merkt man, daß es überhaupt keine klassischen Armaturen gibt! Nanu, wo sind die denn geblieben...?! Aufklärung: in dem schmalen Schlitz hinter dem Lenkrad stecken die Warnleuchten, in der Hutze mittig auf dem Armaturenbrett versteckt sich eine Digitalanzeige für Geschwindigkeit, Tankanzeige, Kilometerstand und Uhr. Digitale Anzeigen gelten heute eher als Spielerei, damals waren sie in einem Kleinwagen eine Sensation! Und wer wegen der Anzeigen Bedenken hat: man gewöhnt sich ganz schnell dran! Schalter und Regler sind wieder konventioneller Bauart und griffgünstig angeordnet. Unschön: die Hupe versteckt sich im Blinkerhebel und ist zur Not so nicht besonders schnell zur Hand! Als relativ ungewöhnlich empfinde ich auch den Schalter des Gebläses. Er besitzt vier Stufen für Umluft linksherum und vier Stufen für Frischluft rechtsherum. Separate Schalter hätten mir hier besser gefallen, aber wie fast alles im Leben ist das Gewöhnungssache! Unglücklich ist das Radio platziert. Es sitzt um gut 45 Grad nach unten geneigt in einem Schacht unterhalb des Aschenbechers, etwa auf Höhe des Schaltknüppels. Nicht nur daß viele Autoradios bei einer derartigen Schräglage Probleme mit dem Abspielen von CDs haben, auch das Radiodisplay ist wegen Spiegelungen durch die Windschutzscheibe so gut wie nicht ablesbar! Ansonsten passt mir die Ergonomie, was Bedienungselemente angeht, ganz gut!

Die Vordersitze lassen sich weit nach vorne und hinten schieben, die Lehnen haben ebenfalls einen weiten Verstellbereich. Leider sind die Polster sehr dünn und die Sitze knarzen. Hier merkt man den Rotstift der Ingenieure. Die Lehnen sind für groß gewachsene Personen deutlich zu kurz, gleiches gilt für die Kopfstützen. Bei mir (1,85m) reicht die Lehne gerade bis unter die Schulterblätter. Die Kopfstütze, obwohl ganz ausgefahren, liegt mir im Nacken an. Die Form der Kopfstützen ist zudem merkwürdig klein. Auf langen Strecken sind die Sitze an der Grenze zum Unbequemen, aber ein richtiges Problem wird dies glücklicherweise nicht. Dann schon eher die Sitzposition: das linke Bein findet keine rechte Position zum Ausruhen. Der Radkasten stört hier sehr. Der rechte Fuß ist wegen des Gaspedals sehr angewinkelt und schmerzt nach einiger Zeit auch. Vielleicht haben hier kleiner gewachsene Personen weniger Probleme. Sehr gut: die Rückseiten der Vordersitze bestehen aus einer harten Kunststoffschale. Hier haben tretende Kinder auf der Rücksitzbank keine Chance. Obwohl die Sitze für größere Personen nicht geeignet sind, kann das allgeneine Platzangebot jedoch voll überzeugen. Es kommt kein beengtes Gefühl auf. Im Gegenteil: ich habe schon in vielen Kleinwagen gesessen, in keinem hat man ein solch ausgereiftes Raumgefühl wie hier! Dazu tragen auch die großen, weit heruntergezogenen Fenster bei, die eine hervorragende Rundumsicht ermöglichen. Kommen wir zu einem echten Höhepunkt: der Rücksitzbank! Sie besteht aus zwei Sitzplätzen (der Twingo ist ein reiner Viersitzer!), deren Lehnen separat verstellt werden können - und zwar nach vorne und hinten! Die Sitzfläche besteht aus einem Stück. Die komplette Rücksitzbank lässt sich kinderleicht um satte 17cm in Längsrichtung verstellen. Man kann also zwischen einem großen Kofferraum oder einer großen Beinfreiheit für die Rücksitzpassagiere wählen. Und diese ist bei zurückgeschobener Rückbank wirklich üppig: auch größere Personen können so hinten bequem sitzen. Es versteht sich fast von selbst, daß die Rückbank für den Transport sperriger Gegenstände auch komplett vorgeklappt werden kann! So eine verschiebbare Sitzbank ist heutzutage in vielen Kleinwagen zu finden, damals war auch das eine Sensation!

Das rollende Doppelbett! Doch damit nicht genug! Der Twingo ist sicher einer der ganz wenigen Autos, der serienmäßig ein Doppelbett integriert hat. Ich muss zugeben, daß mich gerade dieses Detail seit der Markteinführung des Autos ungemein fasziniert hat. Das hat sicher mit meinem Faible für Campingmobile zu tun. Bei diesem Auto muss man aber nichts um-, bzw. einbauen, hier ist alles serienmäßig - und das in einem Kleinstwagen! Es steht sogar in der Bedienungsanleitung des Autos beschrieben: Umbau der Sitze zu einer Liegefläche. Zuerst werden die Vordersitze ganz nach vorne geschoben, die Kopfstützen abgenommen und die Lehnen nach hinten in die Horizontale geneigt. Nun schiebt man die Rücksitzbank an die Vordersitzlehnen heran und klappt deren Lehnen ebenfalls nach hinten. Und fertig ist die Liegewiese. Natürlich nicht ganz eben, aber gemütlich. Vielleicht noch die eine oder andere Ritze, bzw. Wulst mit einer Decke ausgestopft und schon lässt sich hier herrlich eine Nacht schlummern!

Na, dann wollen wir mal eine Runde drehen! Ein kleines Stadtauto, daß weniger als 900 kg wiegt, ist mit einem 1,2 Liter Motor mit knapp 60 PS sicher nicht untermotorisiert, auch nicht nach heutigen Standards. Entsprechend flott geht es dann auch voran. Auch auf der Autobahn macht der Kleine keine allzu schlechte Figur. Die eingetragenen 150 km/h werden immer erreicht, das reicht völlig zum Mitschwimmen bei Richtgeschwindigkeit. Mehr ist aus wirtschaftlichen Gesichtsgründen ja meiner Meinung nach sowieso nicht mehr zeitgemäß. Der Verbrauch pendelt sich im Schnitt bei 6 Litern Super ein. Bei langsamer Landstraßenfahrt auch deutlich darunter, bei überwiegender Stadtfahrt darüber. Das Innenraumgeräusch ist dabei erträglich, wegen des Faltdachs bei höheren Geschwindigkeiten aber arg laut. Überhaupt gibt es relativ viele Polter- und Klappergeräusche im Innenraum, vor allem beim Überfahren von Bodenunebenheiten. Allerdings muss man bei einem 10 Jahre alten Auto in dieser Hinsicht sicher Abstriche machen! Der fünfte Gang ist für Langstrecken angenehm niedrig übersetzt. Im Stadtverkehr macht sich die fehlende Servolenkung bemerkbar. Das Rangieren ist zwar nicht unangenehm, aber heutzutage ist man halt schon etwas verwöhnt... Sehr gewöhnungsbedürtig ist jedoch die Tatsache, daß die Bremsen nicht dem heutigen Standart entsprechen. Bei diesem Modell hat Renault die von vielen Fahrern arg kritisierte "Bedix" Bremsanlage eingebaut. Die Bremsscheiben sind recht klein und dünn, die Bremswirkung entsprechend gering. Am Anfang dachte ich sogar, es wäre kein Bremskraftverstärker eingebaut! Bei der Probefahrt hätte ich das Auto deswegen fast vor eine Mauer gesetzt... :-) Hier muss man noch richtig feste zutreten, sonst tut sich da gar nichts. Wenn man entsprechend vorausschauend fährt und sich auf die Bremsen einstellt, ist aber auch das kein größeres Problem. Bei der ersten Modellüberarbeitung hat Renault dann eine "Lucas-Girling" Bremsanlage eingebaut, die sich auch bei den "Bendix-Modellen" nachrüsten lässt.

Die Übersichtlichkeit ist hervorragend! Man kann zwar vorne das Ende der Motorhaube nicht genau sehen, aber man weiss, daß es dort nicht mehr sehr weit weitergeht! Die Sicht nach hinten ist ebenfalls völlig problemlos. Allenfalls die Aussenspiegel sind etwas klein, allerdings bin ich die riesen "LKW-Spiegel" des Kangoo gewohnt... Die Sicht nach vorne oben ist wie immer schlecht - ein Problem, daß ich in vielen Autos habe. Steht man als Erster an der Ampel, muss man sich ziemlich den Hals verrenken um auf die Ampel zu schauen. Elektrisch verstellbare Fenster und Spiegel sind zwar nett, muss ich aber nicht haben. Beides funktioniert jedoch tadellos. Die Federung ist mir persönlich zu weich und "schaukelig". Daß sie bei Testfahrten oft moniert wurde kann ich gut nachvollziehen. Ansonsten ist die Straßenlage in Ordnung, die Lenkung alleine schon wegen der fehlenden Servolenkung ausreichend präzise. Das Faltdach bringt so richtig Sonnenschein in mein Autofahrerleben! Die riesige Öffnung muss zwar etwas mühselig per Hand aufgeschoben werden, aber lässt man dann noch die Scheiben herunter, so kommt regelrechtes Cabrio-Feeling auf! Ohne Faltdach hätte ich das Auto nicht gekauft! Das Dach lässt sich in drei Stufen öffnen. Klar, eigentlich lässt es sich stufenlos verschieben, aber das Dach öffnet sich in drei Falten, die ich jeweils als "Stufen" beschreiben möchte. Die Stufen entsprechen jeweils etwa einem Drittel der Gesamtöffnung. In der ersten Stufe hat man etwa das Gefühl und den Zug eines konventionellen Stahlschiebedachs. Die zweite Stufe lässt schon deutlich mehr Luft in den Innenraum. Es entstehen recht starke Verwibelungen um den Kopf und das Fahrgeräusch ist laut. Die dritte Stufe erlaubt die größte Frischluftzufuhr. Hier wird der Luftzug um die Köpfe wieder weniger und auch die Lautstärke nimmt ab. Je nach Geschwindigkeit erzeugt das aufgefaltete Dach Turbulenz- und Flattergeräusche.

Das Auto besitzt übrigens ein echtes Kuriosum, daß im übrigen auch schon für viel Ärger gesorgt hat, und das ist die Wegfahrsperre. Sicher, an einer Wegfahrsperre an sich ist nichts kurioses, aber wie Renault hier die Aktivierung / Deaktivierung gelöst hat sollte man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: bei diesem Modell mit Zentralverriegelung per Infrarot (IR) Fernbedienung wird die Wegfahrsperre mit einem Code im Infrarotsignal ein- und ausgeschaltet. Das bedeutet, daß man zwingend einen funktionierenden Schlüssel benötigt - sonst kann man nicht wegfahren. Sind z.B. die Batterien im Schlüssel leer kann man das Auto zwar mechanisch aufschließen, aber die Wegfahrsperre nicht über den IR-Öffnungscode deaktivieren - der Motor bleibt aus! Deshalb habe ich z.B. immer passende Ersatzbatterien im Handschuhfach liegen. Ist der Schlüssel mal ganz defekt, was bei Renault wohl nicht so selten ist, kann man das Auto leider nicht benutzen... Da muss man erst für viel Geld einen neuen Schlüssel kaufen oder hoffen daß der Ersatzschlüssel funktioniert. Aber das ist noch nicht alles. Öffnet man das Auto per IR-Fernbedienung und startet innerhalb eines gewissen Zeitraums den Motor nicht (z.B. weil man telefonieren muss), aktiviert sich die Wegfahrsperre automatisch wieder. Der Anlasser dreht sich dann zwar, aber der Motor springt nicht an. Man muss also nochmal das Auto mit dem Schlüssel ver- und entriegeln (während man drin sitzt) und dann kann man wegfahren. Damals sind wohl nicht wenige Leute darauf reingefallen und haben den ADAC angerufen. Mit ein Grund, warum die ersten Twingos in der Pannenstatistik immer so schlecht waren...

Insgesamt bin ich mit dem kleinen Raumwunder sehr zufrieden! Als Stadtauto schlägt er sich großartig und bringt mich stets zuverlässig ins Büro. Und wenn ich nun an kalten, regnerischen Tagen gemütlich im Auto sitze, Heizung an, das Radio dudelt leise vor sich hin, kann ich mir ein zufriedenes Grinsen nicht verkneifen.

Kaum habe ich meinen Twingo zwei Wochen, da ist auch schon die erste Delle drin! Als ich von einem Einkauf auf den (zugegebenermaßen recht engen) Parkplatz zurückkam, hatte mir offensichtlich so ein Riesendepp seine Tür in die Seite gehauen. Und zwar derart heftig, daß ich nicht nur eine Delle in der Tür habe, sondern auch der Lack bis aufs Blech abgeplatzt ist. Niemand, absolut niemand kann mir erzählen, daß man das nicht merkt. ABER, wie ja in Deutschland leider mittlerweile üblich, macht man sich lieber schnell aus dem Staub als zu dem Schaden zu stehen... Streng genommen Fahrerflucht! Da ich mir beim Parken natürlich nicht die Kennzeichen der neben mir stehenden merke ;-) bleibe ich auf meinem Schaden sitzen. Schon sehr ärgerlich, das Ganze... Ich hab den Lackabplatzer dann erstmal provisorisch mit einem Lackstift überpinselt. Ich glaube kaum, daß ich die Delle rausmachen lasse, das dürfte viel zu teuer werden und sich bei einem so alten Auto nicht lohnen. Aber mit dem sehr gepflegten Aussehen des Autos ist es erstmal vorbei. :-(

Erstes Resumée nach fast zwei Jahren:
Als erstes das Wichtigste - er gehört endlich uns, er ist vollständig bezahlt. Für mache vielleicht Nebensache, für uns ein gutes Gefühl! Bislang ist das Fahrzeug absolut zuverlässig. Einmal, an einem sehr kalten (-12°C) Wintermorgen, ist er mehrmals im Leerlauf ausgegangen, konnte aber sofort wieder gestartet werden. Defekte und Pannen? Fehlanzeige! Ein paar Kuriositäten gibt es freilich. Die Frontscheibe beschlägt an kalten Tagen auf der Innenseite so heftig, daß man nur mit laufendem Motor und voller Gebläseleistung am Straßenrand warten kann bis größere Löcher freigepustet worden sind. Sorgfältige Reinigung der Scheibe nutzt nichts, genausowenig sie verschiedene "Haus-" und "Wundermittelchen". Selbst ein Vileda-Schwamm hilft nur für Sekunden. Habe ich bei keinem anderen Auto vorher erlebt. Die Heizleistung ist eher schlapp, geht aber bei unseren meist recht milden Wintern in Ordnung. Fährt man mit dem rechten Vorderrad einen leicht erhöhten Bordstein herunter, gibt es einen lauten Knall, den man keinem Fahrwerksteil zuordnen kann. Später hat sich dann herausgestellt, daß das Geräusch von einer gebrochenen Fahrwerksfeder kommt (siehe unten). Wenn die Tankanzeige auf "leer" steht, schwappen noch locker rund 15 Liter im Tank. Der Leerlauf ist recht rauh und unregelmäßig, so daß im Auto im Stand ständig etwas klappert. Hantiert man im Auto mit dem Schlüssel in der Hand herum, kommt man andauernd an den Knopf der Zentralverriegelung, der einfach viel zu leichtgängig ist. "Plopp" "Plopp" macht es dann ständig und man weiss nicht ob die Wegfahrsperre jetzt an oder aus ist. Aber das sind alles Sachen mit denen man sich locker arrangieren kann. Interessant wurde es, als vor Kurzem unser Kangoo wegen eines Defekts an der Zündspule fünf Tage stehen bleiben musste. Zu viert mussten wir uns nun in den Twingo quetschen. Zusätzlich galt es noch den Kinderwagen im Kofferraum zu verstauen. Dank verschiebbarer Rücksitzbank war das kein größeres Problem, nur waren jetzt die Gurte für die Babyschale auf dem Rücksitz eigentlich einen Hauch zu kurz. Mit etwas Hin- und Herzerrerei war aber auch das Problem zu lösen. Der Fahrersitz musste dafür auch weiter nach vorne als es mir lieb gewesen wäre. So besetzt war kein Hauch von Stauraum mehr zu sehen. Für unseren Wocheneinkauf musste der Kinderwagen zuhause bleiben, der Kofferraum war danach bis zur Ladekante gefüllt. Etwas, was man in der Art gar nicht mehr kennt... :-) UND es ging doch! Da sieht man mal wie "verwöhnt" man schon ist. Aber in den Urlaub möchte ich SO trotzdem nicht fahren. Insgesamt also immer noch volle Zufriedenheit mit dem Twingo, ein tolles und bislang zuverlässiges Zweitauto.

Winter 2009/10:
Der härteste Winter in Deutschland seit über 20 Jahren. Frost von November bis März. Schnee, Schnee, Schnee... Und wie schlug sich der Twingo in diesen Bedingungen? Ehrlich gesagt eher schlecht als recht. Da wäre zum Ersten die mangelhafte Leistung der Lüftung. Man muss wirklich sehr lange mit laufendem Motor am Straßenrand stehen bis die Lüftung ein größeres Loch freigepustet hat. Durch das Faltdach ist konstruktionsbedingt immer eine Menge Luftfeuchtigkeit im Innern des Autos. Diese schlägt sich sofort auf der Scheibeninnenseite nieder und friert dort fest. Da nutzt auch kein Schwämmchen, sondern im Zweifelsfalle nur ein Eiskratzer. Kann man aber auch gleich sein lassen, denn das beschlägt sofort wieder. Hier hilft wirklich nur Warmluft, und die braucht halt eine Weile. Dann waren da die Ganzjahresreifen GoodYear Vector. Diese sind bei milden Wintern durchaus zu gebrauchen, kommen aber bei Eis und Schnee ganz schnell an ihre Grenzen. So viel gerutscht wie in diesem Jahr bin ich in meinem ganzen Autofahrerleben noch nicht. Auch ein ABS hätte ich ein paar mal gut gebrauchen können, manuelle Stotterbremse ist bei starker Glätte auch nur begrenzt tauglich. Und glatt war es sehr oft, schließlich ist der Stadt ständig das Streusalz ausgegangen. Da gab es schon ein paar sehr haarige Situationen. Und dann ist da noch das Gewicht. Der Twingo bringt einfach nicht genug Gewicht auf die Vorderachse, so daß die Antriebsräder schon bei leichter Glätte gnadenlos durchdrehen. Wehe, wer hier keinen besonders feinfühligen Gasfuß hat. Positiv zu vermelden ist, daß der Motor auch bei klirrender Kälte tadellos lief. Letztendlich sind wir aber doch ohne Schäden durch den Winter gekommen, mein Twingo und ich. Das kann man von den Straßen nicht behaupten. Doch immerhin meistert der Kleine die unzähligen Löcher und Asphaltablösungen recht souverän.

Vier Jahre später:
ja Wahnsinn, nun war schon die zweite TÜV-Prüfung. Dabei war das Auto eigentlich als Kompromiss gedacht und sollte gar nicht so lange "halten". Doch er läuft und läuft und läuft... Um es kurz zu machen: die zweite HU im Frühjahr 2012 hat er ohne Mängel bestanden. Und bis auf Verschleißteile hat er sich als äusserst zuverlässig erwiesen. Im letzten Winter war nach sehr kalten Nächten die Batterie etwas schlapp (Auto steht im Freien), jedoch sprang er noch problemlos an. Vor ein paar Wochen habe ich ihm neue Zümdkerzen spendiert. Mittlerweile ist der Leerlauf im kalten Zustand in den ersten zwei Minuten etwas rauh, aber das ist nichts worüber man sich große Gedanken machen muss. Sehr schön immer wieder das große Faltschiebedach. Sogar meine Frau fährt den Twingo nun häufiger und lässt den Kangoo stehen. Apropos Kangoo - dessen Elektronik-Sperenzien wie wahllos brennende Warnleuchten sind dem Twingo völlig fremd. So liebe ich ein Auto: einfach und zuverlässig! 

Abschied vom Twingo:
im Jahr 2013 habe ich mich so langsam innerlich vom Twingo verabschiedet! Was war passiert? Ganz einfach: wir sind umgezogen! Unser neues Zuhause ist nur zwei Gehminuten von der nächsten Straßenbahnhaltestelle entfernt. Und im Job hat sich auch was getan: auch hier sind wir umgezogen und haben zudem eine neue Geschäftsführung bekommen. Mit dem frischen Wind in der Chefetage konnten wir nun alle bei Bedarf Job-Tickets bekommen (das sind stark vergünstigte Dauerfahrkarten für die öffentlichen Verkehrsmittel im großen Umkreis). Unser neues Zuhause war ausserdem erheblich teurer in der Miete, so daß irgendwann zwangläufig die Idee aufkam, den Zweitwagen aufzugeben und aufs Job-Tocket umzusteigen. Und so wurde aus einer Idee Wirklichkeit. Seit Anfang 2013 stand mir ein Job-Tocket zur Verfügung und im Sommer beschlossen wir den Twingo zu verkaufen. Leider stand dem eine Tatsache im Weg: ich konnte nach dem Umzug den Fahrzeugbrief nicht mehr finden... Blöd! Sehr blöd - aber selber Schuld. Erst im Spätherbst fand ich den Brief und bereitete den Twingo auf den Verkauf vor. Dummerweise brach dann auch noch der Auspuff. So blieb mir nichts anderes übrig als den Preis radikal zu senken, bevor ich den Twingo auf einer Internet-Gebrauchtwagenbörse anbot. Beinahe wurde ich auch noch von einem Interessenten aus dem süddeutschen Raum verar..., der einfach seine versprochene Anzahlung nicht leistete. Das Interesse war aber so groß, daß ich den Wagen kurz darauf an eine sympatische Familie in der Nähe verkaufen konnte, wo der Twingo als Geburtstagsgeschenk hoffentlich seinem neuen Besitzer noch viel Freude machen wird.

Mach´s gut Twingo!

 

Defekte, Mängel und Pannen:

Der Twingo (jedenfalls die alte Version) landet ja in der Pannanstatistik immer ganz weit hinten. Nun, das hat auch seinen Grund. Unzuverlässig ist er ja nicht gerade, aber reparaturanfällig schon, zumindest nach den ersten 100.000 km. Auch mein Twingo bleibt von diversen großen und kleinen Katastrophen nicht verschont. Aber immerhin lief er die ersten zwei Jahre völlig ohne Probleme. Aber dann kam die ...

Erste Hauptuntersuchung: Ernüchterung...
Nach zwei Jahren problemloser Fahrt und einem Tachostand von 110.000 km war es Zeit für die erste HU. Wie immer fuhr ich zur DEKRA in der Nähe. Ich erwischte einen Zeitpunkt, wo absolut "tote Hose" herrschte. Deshalb nahm sich der Prüfer extra viel Zeit für mein Fahrzeug. Die Bremsprobe lief noch ganz zufriedenstellend, obwohl ich leichte Bedenken hatte. Die Bremswirkung ist zwar leicht ungleich, aber immer noch innerhalb der Toleranz. Die seit Januar immer in der HU enthaltene Abgasuntersuchung war Top, Werte fast besser als neu! Dann aber untersuchte der Prüfer den Wagen von unten. Und da waren sie, meine drei Probleme... Der Prüfer meinte nur: durchgefallen wegen erheblicher Mängel, und klärte mich auf: der Fahrschemel, ein tragendes Teil am Fahrwerk, war an einer Stelle geschweißt worden. Das ist allerdings verboten. Und um die Sache auch noch abzurunden war der Fahrschemel auf der gegenüber liegenden Seite durchgerostet. Das Teil müsse getauscht werden, was sehr viel Geld kostet, weil es eine Menge Arbeit ist.

Ausserdem sei vorne rechts noch die Fahrwerksfeder gebrochen und am Tank fehle eine Schlauchschelle. Angesichts des Fahrschemel-Problems wären das aber Kleinigkeiten. Dagegen ist das eingerissene Wischerblatt hinten ja direkt lachhaft. Das waren dann aber auch die aufgeführten Mängel. Nachprüfung innerhalb eines Monats. Leicht deprimiert schlich ich heimwärts. Was tun, fragten wir uns. Reparieren lassen? Ein Satz des Prüfers lag mir noch im Ohr: "ansonsten ist ihr Twingo ja noch prima in Schuss, da hab ich schon wesentlich schlimmere gesehen..." Hätte er das nicht gesagt, hätten wir den Wagen jetzt vielleicht verschrottet. So aber begann ich mich im Internet erst einmal schlau zu machen.

 

Renault verlangt für den Fahrschemel ca. 400,- Euro plus ca. 300,- Euro Montage. Uff, das muss auch günstiger gehen. Renault verzinkt die Fahrschemel jetzt, da es damit immer wieder Korrosionsprobleme gab, deshalb sind sie so teuer. Es gibt allerdings auf dem freien Teilemarkt noch jede Menge unverzinkter Originalteile von Renault, da diese von den Händlern nicht mehr verkauft werden (nur noch die verzinkte Version). Ein verzinkter Fahrschemel mit 10-jähriger Garantie lohnt sich nicht wirklich für meinen Wagen. Immerhin hat das unverzinkte Originalteil auch 12 Jahre gehalten. Also würde es das alte Ersatzteil auch tun. Dieses gibt es bei eBay z.B. mit etwas Glück ab 200,- Euro. Der Fahrschemel hat die Nummer "7700426144". Ich bekam meinen für 250,- Euro inkl. Versand über einen berliner Autoteilehändler bei eBay. Er wurde innerhalb einer Arbeitswoche geliefert, ich denke das geht in Ordnung. Für die Feder verlangt Renault über 50 Euro, ich konnte eine für 20,- Euro inkl. Versand auch wieder bei eBay ergattern. Neu, aber gewiss ein Nachbau. Das war mir aber erst einmal egal, hauptsache das Ding passt. Gebrochene Fahrwerksfedern sind übrigens ebenfalls eine echte "Twingo-Seuche". Es gibt wohl auch von Renault eine "Rückrufaktion bei Bedarf", bei der man gute Chancen hat auch bei älteren Fahrzeugen auf Kulanz eine neue Feder zu bekommen, wenn man nur hartnäckig genug ist. Da ich aber nun die Feder so günstig bekommen habe und der Austausch problemlos geht (von den benötigten Federspannern mal abgesehen), habe ich auf den Versuch verzichtet.

Nun ging es an die Montage des Fahrschemels und der Feder. Könnte man das eventuell selber machen? Die Feder mit Sicherheit, das habe ich auch schonmal an meinem alten Golf gemacht. Aber der Fahrschemel... Ich halte mich für einen recht versierten Schrauber, aber die Meinungen im Internet waren wirklich total unterschiedlich. Immerhin braucht man wohl kein Spezialwerkzeug, aber mindestens vier Stunden Zeit und jede Menge Geduld. Nun ist gerade der härteste Winter seit Jahrzehnten und eine beheizte Garage hat niemand den wir kennen. Verzweifelt suchte ich im Internet nach einer möglichst bebilderten Anleitung, um die erforderliche Arbeit abzuschätzen. Ich will es kurz machen - nach viel hin- und herüberlegen habe ich mich entschlossen die Reparatur zusammen mit einem Kfz-Meister in einer freien Werkstatt zu machen. Der Mann ist ein Bekannter von meinem Vater und absolut zuverlässig. Ausserdem kann man mithelfen und sich so persönlich davon überzeugen, daß alles richtig gemacht wird. Natürlich macht er es nicht "für lau", aber er ist in der Regel um die Hälfte billiger als die "Fach"werkstatt. Gesagt - getan! Insgesamt brauchten wir zwei Stunden und 45 Minuten. Allerdings für Fahrschemel UND die Fahrwerksfeder. Und die fehlende Schlauchschelle am Tank montierten wir auch noch dran.

Eine bebilderte Austauschanleitung für den Fahrschemel findet ihr übrigens als separaten Beitrag unter der Rubrik "Autos" auf dieser Homepage.

Im Nachhinein kann ich sagen, daß es für einen versierten Schrauber mit Hilfe einer zweiten Person möglich ist den Fahrschemel selber zu tauschen. Ich allerdings bin froh, daß ich dabei nur helfen musste. Bei der Reparatur haben wir allerdings noch zwei weitere Punkte entdeckt, die der DEKRA bei der HU hätten auffallen müssen: Bremsscheibe und Beläge links sind austauschreif und eine Staubschutzmanschette der Lenkung ist gerissen. Ausserdem sieht die linke Fahrwerksfeder auch schon ziemlich schlapp und verrostet aus, die macht es sicher nicht mehr lange. Vielleicht hätten wir die auch gleich mit tauschen sollen, denn nun steht der Twingo etwas schief da... :-) Um diese Dinge werde ich mich als nächstes kümmern, dann allerdings wieder selber und mit frischer HU-Plakette, denn die Nachprüfung hat er problemlos bestanden.

Reparatur der Bremsen:
Normalerweise sollte man so etwas ja nicht extra erwähnen müssen, aber trotzdem: Arbeiten an der Bremsanlage sollte man nur durchführen, wenn man sich absolut sicher ist was man dort tut! Beim geringsten Zweifel lieber einen Fachmann machen lassen!

Eigentlich kann ich niemandem einen Vorwurf machen ausser mir selber, aber geärgert habe ich mich dann über den DEKRA-Prüfer doch. Und das kam so: bei meinem Twingo Generation I Phase I sind die ganz alten "Bendix"-Bremsanlagen verbaut. Diese haben einen sehr schlechten Ruf. In der Tat ist die Bremsleistung eher mäßig. Sogar so mäßig, daß ich anfangs dachte der Twingo hätte gar keinen Bremskraftverstärker. Hat er aber doch - nur halt schlechte Bremsen. Ab Phase II wurde dann eine "Lucas-Girling" Bremsanlage verbaut. Da ich in der Regel weder Rennen noch Rallyes fahre hatte ich mich mit der schwachen Leistung der Bendix Bremse halt abgefunden - man kann sich ja darauf einstellen. Ungleiche Bremswirkung, festgegammelte Bremsbeläge und Bremsgeräusche gehören zum Alltag. Nun kommt dazu, daß ich am Twingo im Gegensatz zu meinem Kangoo keine Winterreifen auf separaten Felgen habe, sondern Ganzjahresreifen. Durch den dadurch fehlenden Radwechsel zweimal im Jahr schaue ich auch nicht so oft nach den Bremsen / Belägen. Als verantwortungsvoller Fahrzeugbesitzer bin ich natürlich für die Verkehrssicherheit selber verantwortlich. Trotzdem war ich leicht verärgert, als ich beim Tausch des Fahrschemels sah, daß die Bremsbeläge fast ganz abgefahren waren. So etwas sollte der Prüfer der DEKRA doch eher bemängeln als ein eingerissenes hinteres Scheibenwischerblatt... Aber als ich die Beläge dann eine Woche später tauschte, war ich regelrecht entsetzt, denn da war nicht mehr ein Hauch von Belag sichtbar!

Mit diesen Bremsbelägen hätte ich bei der DEKRA eigentlich nicht mehr vom Hof fahren dürfen. Aber wie gesagt - den Vorwurf kann ich mir nur selber machen. Jedoch darf ich von der Qualität der HU wohl enttäuscht sein... Ich kann allen Besitzern von Twingos mit Bendix-Anlagen nur raten: schaut regelmäßig nach euren Bremsen! Der Tausch der Beläge stellt keine hohen handwerklichen Ansprüche, man sollte es aber nicht versäumen die Auflagen der Beläge gründlichst zu säubern, sonst können sich die Beläge im Bremssattel verkanten.

Als nächstes steht der Tausch der Bremsscheiben an. Die Scheiben selber sind mit 7mm nicht gerade dick... Renault schreibt einen Austausch bei 6mm Reststärke vor, d.h. daß nur 0,5mm pro Seite Abnutzung erlaubt ist. Nicht gerade viel, oder...?! Meine Scheiben hatten schon über 1mm Abnutzung pro Seite, waren also im höchsten Maße austauschreif.

Die neuen Bremsscheiben müssen vor dem Einbau gründlich entfettet werden, sonst könnte die erste Probebremsung nach dem Einbau die Letzte sein... Dafür gibt es im Fachhandel spezielle Bremsenreiniger. Gründlich mit Spitirus abreiben geht aber auch, Hauptsache es sind keine Öle und Fette mehr auf der Scheibe.

Zum Austausch der Bremsscheiben muss man den Bremssattel abschrauben. Er ist mit zwei Bolzen von hinten verschraubt. An den oberen Bolzen kommt man mit der Knarre etwas schlecht ran, bei mir musste eine Verlängerung helfen. Die Bolzen drehen sich sehr schwer und gehen auch genauso schwer wieder hinein. Die Torx-Halte-/Zentrierschrauben der Scheiben rosten gerne fest. Eine liess sich überhaupt nicht mehr lösen und musste ausgebohrt werden. Das war aber einfacher als ich dachte. Nach der Montage alles noch einmal gründlich überprüfen. Der Bremstest verlief erfolgreich und nun ist der Twingo bremsenmäßig erst einmal wieder fit.

 

"Knick knack" - da geht die nächste Feder...
Kilometerstand 113.000. Es passierte während ich aus der Einfahrt fuhr, also im Moment des Anfahrens mit stark links eingeschlagener Lenkung. Starkes mechanisches Knackgeräusch mit einem lauten metallischen Schlag, als wenn man zwei Metallstangen aufeinanderschlägt. Geräusch kam mehrmals, jeweils nur beim Lenken, keine Geräusche bei Geradeausfahrt. Während der weiteren (kurzen ) Fahrt beim Überfahren von Bodenwellen Scheppergeräusche Metall auf Metall. Dann deutlich das Geräusch eines aus dem vorderen Wagenbereich fallenden metallischen Objekts. Anschließend Ruhe, nur noch ein nachhallendes Knacken (als wenn man eine Feder anschlägt) bei starkem Lenkeinschlag. Fahrverhalten eigentlich neutral, aber Lenkung etwas schwergängiger. Fahrzeug hängt nun deutlich vorne links herunter. Soweit in Kurzform eine exakte Darstellung der Symptome. Zuerst konnte ich mir auf die Geräusche keinen Reim machen und war unentschlossen ob ich weiterfahren könne oder nicht... Doch relativ schnell kam ich auf die richtige Fährte: Federbruch vorne links.

Ein Blick ins Radhaus offenbarte dann den Schaden: die Feder war oben an der Windung gebrochen und der verbleibende Rest der Feder hatte sich um den oberen Federteller gewickelt. Nun war klar, warum der Wagen links runterhing und warum die Lenkung schwergängiger war. Ich habe den Wagen dann noch vorsichtig nach Hause gefahren und erst einmal stehen gelassen.

Schon wieder ein Federbruch...?? Ja, was ich schon oben erwähnte, hat sich als nur zu wahr herausgestellt. Ganz genau passiert folgendes: durch das Einfedern reibt Metall auf Metall, erstens auf dem Federteller, zweitens auf der Feder selber. Die Beschichtung der original Renault Teile ist von mieser Qualität und platzt ab. Darunter rostet es recht schnell. Meistens spaltet die Feder sich nun durch Belastung und Korrosion an einem Ende. Das kann oben oder unten passieren. Dadurch kann sich noch mehr Rost bilden und die Feder wird weiter geschwächt. Durch Torsionsbelastung, z.B. beim Lenken (vor allem wenn zusätzlich das Domlager schwergängig ist) oder starkes Einfedern kann die Feder nun plötzlich brechen. Das muss man nicht unbedingt mitbekommen, vor allem wenn nur ein kleines Stück abbricht. Dann fährt man unter Umständen jahrelang damit herum (siehe oben). In diesem Fall aber war die Geräuschkulisse geradezu spektakulär. Die neue Feder habe ich wieder für 20,- Euro bei eBay gekauft. Das hatte sich ja bestens bewährt.

Der Ausbau des Federbeins ist keine große Kunst, vor allem da dabei Spur und Sturz nicht verändert werden. Allenfalls die Verschraubung des Federbeins oben am Domlager kann etwas schwierig werden, wenn die Kolbenstange sich mitdreht. In diesem Falle kann man sich mit einem Kerzenschlüssel behelfen. Er hat SW 21 und man kann mit einem Inbus gegenhalten, der durch die Öffnung des Kerzenschlüssels geführt wird. Nun kann der Kerzenschlüssel mit einem passenden 21er Ringschlüssel am Achtkant gedreht werden.

Beim Einbau der neuen Feder sollte man unbedingt Federspanner benutzen. Sämtliche anderen Tricks und Kniffe mögen funktionieren, sind aber nicht ungefährlich. Abgesehen davon sind die Federspanner nicht teuer. So vorgespannt lässt sich die Feder kinderleicht montieren und der obere Federteller aufschrauben. Das Domlager machte noch einen guten Eindruck.

Der Einbau des Federbeins stellt auch keine großen Ansprüche an den Hobbyschrauber. Die folgende Probefahrt verlief sehr zufriedenstellend. Keine Geräusche mehr, leichte Lenkung und sanftes Federn. So muss ein Franzose laufen...

 

"Pfft pfft pfft" - was ist das denn für ein Geräusch...
...dachte ich mir, als ich es zum ersten Mal in der Firmentiefgarage hörte. Sobald die linke Seitenscheibe unten war, konnte man es leise, aber deutlich hören: "pfft pfft pfft", kam von links vorne wenn sich das Rad drehte. Zuerst dachte ich mir nichts dabei. Dann allerdings wurde es lauter und lauter. Schließlich war das Geräusch sogar bei geschlossenem Fenster mitten auf der Straße zu hören. Das war der Reifen - ganz klar. Nur was war die genaue Ursache? Löste sich der Reifen auf? Die Sache wurde mir zu gefährlich und ich wechselte auf das (glücklicherweise vollwertige) Ersatzrad. Allerdings war dieses auch schon elf Jahre alt, wenn auch neuwertig. Das Geräusch war natürlich weg, allerdings fahre ich nun auf der Vorderachse zwei verschiedene Reifen... Erstaunlicherweise werden die Fahreigenschaften dadurch in keinster Weise beeinflusst. Im Gegenteil, der Wagen fährt nun scheinbar etwas präziser und zieht nicht mehr leicht nach links. Hmmm - interessant. Ist aber nicht von Dauer: das Fahren mit zwei verscheidenen Reifen auf einer Achse ist nicht erlaubt, auch wenn sie die gleiche Größe haben. Ich wollte aber sowieso diesen Herbst vier günstige Winterreifen montieren lassen, dann hat sich die Sache erledigt.

Nun ist es Herbst und mein Weihnachtsgeld wurde ausgezahlt - Zeit für neue Winterreifen. Nur ist leider gerade ein äusserst ungünstiger Zeitpunkt. Ende November 2010 gab es einen heftigen Wintereinbruch mit viel Schnee, ausserdem hat unser Verkehrsminister mal schnell das Gesetz der "Winterreifenpflicht" eingeführt. Und was glaubt ihr war die Konsequenz...? Richtig - es gab einen regelrechten Ansturm auf Winterreifen mit dem Resultat, daß im Großraum Bonn für Privatpersonen nichts mehr zu bekommen war. Auch Online-Bestellungen, die ich in meiner Verzweiflung tätigte, wurden mir ohne Nennung von Gründen nach wenigen Stunden storniert. Der Vater eines Kollegen jedoch arbeitet in einem Autohaus und konnte mir noch vier nagelneue Gummies besorgen. Das war die Rettung, denn wieder schlitterte ich mir was zurecht mit den 10 Jahre alten Allwetterreifen. Allerdings musste ich ihm die Räder anliefern. Kurzerhand montierte ich die Felgen mit Sommerreifen vom Kangoo auf den Wagen - Lochkreis und Einpresstiefe passen. Der Twingo sah damit sogar regelrecht "fett" aus, endlich mal Räder die die Radhäuser ausfüllen...

Gefahren bin so natürlich nicht, ich habe das Auto lediglich hin und her rangiert. Nach drei Tagen hatte ich meine Räder wieder, komplett mit nagelneuen "GT Radial Champiro WinterPro" Reifen 145/70 R 13. Perfekt. Die Reifen stammen aus Indonesien und waren insgesamt nicht mal teuer: 220,- Euro inkl. Montage. Da meine Pneumant Winterreifen auf dem Kangoo, die sich gut bewährt haben, ebenfalls in Indonesien gefertigt worden waren, hatte ich in der Hinsicht keine Bedenken. An dem Tag als ich die Reifen auf den Twingo montierte, schneite es gerade mal wieder sehr heftig und ich konnte gleich einen Härtetest machen. Und was soll ich sagen, das Auto ist kaum wiederzuerkennen. Guter Grip, kaum Schleudern, beste Bremsleistungen. Unglaublich der Unterschied zu den alten GoodYear Vector! Ich werde nun mal sehen wie ich über den Winter komme und dann wieder berichten.

So, der Winter ist vorbei und ich kann endlich von meinen Erfahrungen mit den Billigreifen berichten. Und diese waren ausgesprochen gut. Schnee, Eis und Kälte hatten wir zur Genüge, der Reifen fuhr sich stets gut. Gerade in winterlichen Situationen ist ein sicheres Fahrgefühl Gold wert, und das hatte ich immer. Also um es kurz zu machen: auf dem Twingo unter Stadtverkehrbedingungen kann ich den Reifen empfehlen! Nun steht aber noch etwas ganz Anderes an: aus Kostengründen werde ich für den Twingo keine Sommerreifen kaufen. Das bedeutet ich werde die Winterreifen das ganze Jahr über fahren. Da wir den Twingo als reines Stadtauto benutzen geht das in Ordnung, denke ich.

Batterie
Nach über vier Jahren überwiegend reinem Stadtverkehr hat die Batterie ihren Geist aufgegeben. Für eine Billigbatterie aus dem Zubehörhandel ist das OK, denke ich. Da wir das Auto nur noch fahren wollen "bis es auseinanderfällt" habe ich mich bei der neuen Batterie wieder für ein Billigprodukt aus dem Baumarkt entschieden. Für 55,- Euro habe ich einen 35 Ah Akku vom Obi erstanden und direkt auf dem Parkplatz eingebaut. So konnte ich den alten Akku direkt zurückgeben und das Pfand wieder mitnehmen. 

Copyright © 2018 Kellerseiten.de. Template designed by olwebdesign.