Fahrschemel-Austausch Renault Twingo

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Die übermäßige Korrosion am Fahrschemel ist eine typische Renault-Twingo Krankheit der ersten Generation. Später dann wurde das Teil vollverzinkt. Immer wieder tauchen Meldungen in diversen Foren auf, daß es möglich enorme Werkstattkosten zu sparen, indem man das Teil selber austauscht. Nur gibt es kaum Beschreibungen dazu, geschweige denn vernünftige Bilder, die mir bei der Reparatur meines eigenen Fahrschemels hätten helfen können. Deshalb entschloss ich mich meinen Fahrschemel in einer privaten Werkstatt tauschen zu lassen, wo ich bei der Arbeit mithelfen konnte.

Weil ich so verzweifelt im Internet danach gesucht habe und nichts fand, habe ich mir die Mühe gemacht und eine bebilderte Reparatur- bzw. Austauschanleitung für den Fahrschemel beim Twingo erstellt:

 

ACHTUNG: diese Anleitung wurde von mir selber erstellt. Ich bin kein Kfz-Mechaniker. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit dieser Anleitung. Jeder der diese Anleitung nutzt, tut dies auf eigene Gefahr!

 

  • Wagen vorne so hochbocken, daß man bequem darunter arbeiten kann. Am besten ist natürlich eine Hebebühne, es geht aber auch anders. (Bild 00)
  • Motor gegen verkippen sichern. Hier gelöst mittels verstellbarer Traverse. Es kann aber auch schon reichen den Motor mit zwei Spanngurten an der Hebeöse jeweils nach vorne und hinten zu verzurren. (Bild 01)
  • Kunststoff-Motorschutz abbauen. Drei Sechskantschrauben vorne am Stoßfänger, zwei in der Mitte und zwei hinten am Fahrschemel. Zwei kleine Torx Schrauben - jeweils eine im unteren Bereich des Radkastens.
  • Querlenker vom Fahrschemel abschrauben. Vier Sechskantschrauben mit selbstsichernden Muttern. Schrauben können in den Silentbuchsen festgerostet sein, dann mit kräftigen Hammerschlägen heraustreiben. Die Querlenken kann man einfach am Rad hängen lassen. Vorsicht: die Räder jetzt keinesfalls nach aussen bewegen, sonst fallen die Gelenkwellen auseinander! (Bild 02)
  • Schwingungsdämpfer in der Mitte des Fahrschemels abbauen, eine Sechskantschraube. Darunter befinden sich zwei weitere Sechskantschrauben, diese ebenfalls herausdrehen. Die Halterung des Kat-Hitzeschutzblechs wegbiegen, oder besser gleich ausbauen. (Bild 03)
  • Lenkung losschrauben. Diese ist von oben auf dem Fahrschemel festgeschraubt. Zwei Sechskantschrauben mit selbstsichernden Muttern. Die Muttern sind durch die großen Öffnungen des Fahrschemels erreichbar. Die Schrauben stehen weit heraus, man benötigt eine lange Nuss oder einen Rohr-Steckschlüssel. Die Schraubenköpfe sind von oben schwer erreichbar, mit mehreren verschieden gekröpften Schlüsseln probieren. (Bild 04)
  • Die Klemmung des Schaltgestänges hinten beim Schaltknüppel lösen (Sechskantschraube). Schaltgestänge aus der Führung herausziehen und nach vorne herunterklappen. Das Gestänge kann so hängenbleiben.
  • Die beiden Sechskanmuttern am Krümmerflansch lösen. Das ging mit ein wenig Rostlöser problemlos. Den Auspuff gegen herunterfallen sichern (verstellbare Stütze drunter stellen). Bei meinem Twingo sind keine Bolzen mit Federn verbaut, wie im Buch "Jetzt helfe ich mir selbst" beschrieben.
  • Den Stecker der Lambdasonde trennen. Der Stecker ist zusätzlich auf ein Halteblech geclipst. Bei meinem Twingo liess sich diese Clipverbindung nicht lösen, so daß das Halteblech abgeschraubt werden musste. Dafür braucht man einen sehr kleinen Ratschenschlüssel und äusserst geschickte Hände. Den Stecker kann man dann von der Lambdasonde herunterhängen lassen. Vorsicht: beim weiteren Hantieren: Sonde und Kabel mit Stecker nicht beschädigen. Im Bild habe ich mal den störenden Hintergrund weggepixelt, damit man das hängende Kabel besser sieht. (Bild 05)
  • Den Auspuff nun ein wenig nach unten ablassen. Zu diesem Zeitpunkt kann man das Hitzeschutzblech des Katalysators abbauen (drei Sechskant-Blechmuttern). Das erleichtert das Hantieren an der Motorverschraubung.
  • Die Motorverschraubung (auch Momentabstützung genannt) an der Oberseite des Fahrschemels lösen. Ein Sechskantbolzen mit selbstsichernder Mutter. Funktionierte bei uns am besten mit einer passenden Nuß, Gelenkstück, zwei Verlängerungen und kräftiger Ratsche. Die Mutter kann man mit einem flachen Schlüssel am Hitzeschutzblech des Kats vorbei (besser: abbauen, siehe oben) gegenhalten. Der Bolzen lässt sich nur schwer herausziehen, da er meist unter Spannung steht. In dem Falle den Motor leicht hin- und herbewegen oder leicht anheben / senken bis der Bolzen freikommt. Das geht am leichtesten mit einem hydraulischen Heber. Das Bild zeigt die Momentabstützung am ausgebauten Teil. (Bild 06)
  • Jetzt kann der Fahrschemel abgeschraubt werden. Vier Sechskantschrauben am hinteren Ende und zwei weitere jeweils in dem "Dom" über den Querlenkerverschraubungen. Die Schrauben können unter Umständen an der Spitze verrostet sein, weil sie oben herausstehen. In diesem Fall gut mit Rostlöser einsprühen und so lange heraus- / hereindrehen bis sie freikommen. Das geht am besten mit einem Schlagschrauber, sollte sich aber auch mit einer Ratsche machen lassen. (Bild 07 und 08)
  • Den Fahrschemel am Auspuffrohr vorbeifädeln, eventuell den Auspuff etwas weiter absenken. Das Altteil ist damit ausgebaut.
  • Kaffepause - die hat man sich verdient. Bei uns dauerte der Ausbau ziemlich genau eine Stunde. Jetzt kann man auch in Ruhe mal die Manschetten der Lenkung kontrollieren - so gut kommt man nie wieder heran. (Bild 10)
  • Mein Fahrschemel war noch das ganz alte Modell und nicht in so einem schlechten Zustand wie ich dachte. Der neue Schemel hat einige Änderungen erfahren, am auffäligsten ist der Halter für das ABS. Aber nicht verunsichern lassen: er passt problemlos auch bei älteren Fahrzeugen. (Bild 09)
  • Der Einbau des Neuteils erfolgt sinnigerweise in der umgekehrten Reihenfolge. Die Clipse der Bremsleitungen passen unter Umständen nicht mehr genau an das Neuteil, da die Leitungen bei dem ABS-Modell anscheinend anders verlaufen. Hier kann man sich aber mit Universalschellen behelfen, oder man passt die alten Clipse an, so daß sie als Abstandhalter dienen.
  • Etwas fummelig kann der Einbau des Bolzens der Motorlagerung / Momentabstützung sein. Auch hier wieder den Motor leicht hin- und herbewegen bis der Bolzen in das Loch gleitet.
  • Alle Schrauben und Muttern gut festziehen, vor allem die an den Silentbuchsen am Querlenker. (Bild 11)
  • Die Gesamtdauer der Reparatur: knapp über zwei Stunden.

 

 

 

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